Neue oö. Heimverordnung für Alten- und Pflegeheime „der Zukunft“
OÖ/LINZ. Digitale Dokumentation, Sturzsensoren und Telemedizin sollen Pflegekräfte entlasten und mehr Zeit für die Bewohner schaffen. Mit einer neuen Heimverordnung will das Land Oberösterreich ab 2027 die technische Basis dafür in den Alten- und Pflegeheimen verbessern. Derzeit verfügt noch rund ein Drittel der Einrichtungen über kein WLAN.

Die 134 Alten- und Pflegeheime in Oberösterreich sollen schrittweise zu „Heimen der Zukunft“ weiterentwickelt werden. Ein Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung. Während manche Einrichtungen bereits Sturzsensoren, Telemedizin oder digitale Pflegedokumentation einsetzen – darunter das „Digitale Pflegeheim“ Liebigstraße in Linz - fehlt laut Land OÖ in rund einem Drittel der Heime aber noch eine WLAN-Infrastruktur.
Mit einer neuen Heimverordnung soll zunächst eine einheitliche technische Basis in den Heimen geschaffen werden. In weiterer Folge sollen die Heime – abhängig von den finanziellen Möglichkeiten der regionalen Träger – verstärkt mit digitalen Hilfsmitteln ausgestattet werden. Dazu zählen Sturzsensoren, digitale Pflegedokumentation mit Spracherkennung und mobilen Geräten, Orientierungssysteme für Menschen mit Demenz, elektrische Mobilisierungshilfen sowie Technik für Telemedizin.
Die Pläne stellten Sozial-Landesrat Christian Dörfel (ÖVP), die Linzer Vizebürgermeisterin Karin Leitner (SPÖ) für den Städtebund und Gemeindebund-Präsident Christian Mader (ÖVP) am Dienstag vor. Sie sind Teil der „OÖ Pflegestrategie 2040“.
Der Entwurf geht im Oktober in Begutachtung und soll im Jänner 2027 in Kraft treten.
„Mehr Zeit für die Menschen“
Landesrat Dörfel sieht in der Technik und Digitalisierung vor allem eine Möglichkeit, das Personal zu entlasten. „Digitale Hilfsmittel sollen einen Modernisierungsschub bringen, den Heimalltag erleichtern und das Image der Pflege weiter verbessern. Im Mittelpunkt steht die Frage 'Wofür nutzen wir den technischen Fortschritt?' – Die Antwort: Weniger Zeit für Bürokratie und damit mehr Zeit für die Menschen.“
„Liebigstraße ein Ort zum Lernen“
Wie ein stärker digitalisierter Pflegealltag aussehen kann, zeigt bereits das Digitale Pflegeheim Liebigstraße in Linz. Die Ergebnisse einer Evaluierung würden zeigen, dass das Personal zum Beispiel durch die sprachgesteuerte Dokumentation viel Zeit gewinnen würde, die dann den Bewohnern zugutekomme. „Gerade auch Assistenzsysteme wie Sturzsensoren sind ein großer Sicherheitsgewinn für das Personal und die Senioren“, so Vizebürgermeisterin Leitner.
Sie betont aber auch, dass sich die Erfahrungen in Linz nicht eins zu eins auf jedes Heim übertragen lassen: „Die Liebigstraße soll deshalb ein Ort zum Hinschauen und Lernen sein, keine starre Vorgabe für alle.“
Auch Gemeindebundpräsident Mader betont, dass die Auswahl der Technik vom jeweiligen Standort abhängen müsse: „Gerade bei der Digitalisierung gilt: Nicht jede Lösung passt überall gleichermaßen. Die Technik muss den Menschen dienen, und nicht umgekehrt.“
Pflegetechnologiefonds wird neu aufgelegt
Zur Finanzierung wird der Pflegetechnologiefonds im Jahr 2027 neu aufgelegt. Gefördert werden unter anderem Assistenzsysteme, Sensorik, Digitalisierung und Smart-Home-Technologien.
Die oö. Pflege- und BetreuungsManagement GmbH Alter OÖ unterstützt beim Ankauf und bei der Ausrollung.
Weniger Betten wegen Personalmangels leer
Laut Dörfel wirken die Säulen der „OÖ Pflegestrategie 2040“, darunter die Fachkräftestrategie Pflege: Die Zahl der Beschäftigten in der stationären Langzeitpflege habe mit 8.255 Beschäftigten einen neuen Höchststand erreicht.
Mit Stand Ende Juni 2026 waren insgesamt 11.367 der 12.778 Heimbetten belegt – ein Plus von 330 Betten. Die Zahl jener Betten, die aufgrund von Personalmangel leer stehen, konnte von 1.316 (Ende Dezember 2022) auf 630 (Ende Juni 2026) mehr als halbiert werden.
Zudem befinden sich 1.643 Personen in Ausbildung in der Langzeitpflege, für das heurige Jahr werden etwa 1.000 Absolventen erwartet.








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