New York: Eine Metropole liegt ihm zu Füßen
OTTNANG/NEW YORK. Wenn Michael Schoberleitner von seinem Schreibtisch einen Blick aus dem Fenster wagt, liegt ihm eine Weltmetropole zu Füßen. Wolkenkratzer türmen sich auf, der Hudson River schmiegt sich als natürliche Schneise in die New Yorker Skyline ein, bevor Wolkenkratzer den Horizont erneut dominieren - der 24-jährige Ottnanger absolviert aktuell ein Praktikum bei der Stadtplanungsbehörde in New York und lernt die Millionenstadt von einer ganz anderen Perspektive kennen.

Von Ottnang im Hausruck über Wien nach New York City, von einer 3855-Seelen-Gemeinde über die 1,8-Millionen-Hauptstadt Wien in die 8,5 Millionen Einwohner zählende Weltmetropole New York City verschlug es Michael Schoberleitner im Rahmen seines Praktikums bei der Stadtplanungsbehörde. Schoberleitner studiert derzeit in Wien Raumplanung und Raumordnung. In jedem Bezirk von New York, Manhattan, Bronx, Brooklyn, Staten Island und Queens, gibt es eine Niederlassung der Stadtplanungsbehörde. „Ich arbeite im Manhattan Office, welches direkt im Financial District zirka zwei Blocks vom World Trade Center entfernt im 31. Stock liegt. Hier werden alle Planungen in Bezug auf neue Gebäude oder Stadtteile durchgeführt“, erklärt Schoberleitner. Momentan beschäftigt sich der Ottnanger mit den Gebieten „South of Houston Street“ (SoHo) und „North of Houston Street“ (NoHo) in Manhattan, wo 46.000 Menschen arbeiten und lediglich 8000 Menschen leben. 85 Prozent des Gebiets bestehen aus historischen Wohngebäuden. „Viele Wohngebäude waren früher Industriestätten für Textilien und bieten heute die sehr beliebten und teuren Loft-Wohnungen. Die Preise liegen zurzeit bei 3000 Dollar pro Monat für ein Apartment mit einem Schlafzimmer. Die Immobilienpreise liegen bei drei Millionen Dollar und aufwärts“, erzählt Michael Schoberleitner. Die Menge der Menschen, die sich täglich durch den „großen Apfel“ wälzt, ist es auch, mit denen sich der 24-Jährige beschäftigt. „Die SoHo-NoHo Study, wie wir das Projekt hier nennen, will nun mit einer umfangreichen Analyse und Interpretation herausfinden, was in diesen Gebieten täglich passiert, wo sich die Menschen sammeln und wo sie leben und arbeiten, welche Wege sie gehen, wo Fußgängerstaus entstehen und weshalb. Mit dieser Grundlage kann man Planungen für die Zukunft machen“. Die Aufgabe des 24-jährigen Ottnangers besteht darin, die bereits erfassten Daten durch Geografische Informationssysteme, Datenbanken und Fotos zu analysieren und mit Hilfe von Karten zu visualisieren, um sie anschließend zu interpretieren. „Ich versuche das Warum und Weshalb aus tausenden von Datensätzen zu filtern und Schlussfolgerungen zu erstellen, mit denen dann weitere Planungen für die Zukunft erstellt werden können“. Ziel sei es, laut Schoberleitner, ein Set an Maßnahmen zu erstellen, die in den nächsten Jahren angewendet werden können, um mit den hohen Preisen umzugehen und auch leistbares Wohnen zu installieren. Der 24-Jährige wird dabei wesentlich in den Gestaltungsprozess miteinbezogen. Das sei es auch, dass ihm an seinem Job am besten gefalle. „Meine Meinung zu den Projekten und Planungen wird berücksichtigt. Wenn man jeden Tag gerne in die Arbeit geht, merkt man erst, dass man sich das richtige Studium ausgesucht hat“. Der Student arbeitet sehr eng mit den Planern zusammen, die auf jahrelange Erfahrung in der Stadtplanung zurückblicken können. „In unseren Meetings diskutieren wir sehr viel über die zukünftigen Entwicklungen in New York und wie man die Stadt für die Bevölkerung von heute und in der Zukunft lebenswert gestalten kann“. In den kommenden Wochen werde er zudem vor dem Department eine Präsentation über Raumplanung und Stadtplanung in Österreich halten. „Die Kollegen haben sich sehr interessiert gezeigt, mehr über unser Land zu erfahren und wie wir unsere Gemeinden, Städte und Projekte planen“.
Andere Perspektiven
„Ich liebe es, New York aus einer anderen Perspektive zu sehen“, erklärt Schoberleitner. „Nicht als Tourist, sondern als jemand, der hier arbeitet und lebt. Man lernt etliche Menschen aus allen Teilen der Welt kennen, tauscht Erfahrungen und Geschichten und entwickelt sich weiter“, ergänzt der 24-Jährige, der sich durchaus vorstellen könne, sich nach seinem Studium für ein paar Jahre in der Metropole niederzulassen. „Ich schätze die Offenheit der Amerikaner. New York City ist nicht umsonst als Schmelztegel der Welt bekannt. Engstirniges Denken oder Vorurteile und Hass gegenüber Menschen anderer Sexualität, Hautfarbe oder Herkunft haben hier keinen Platz“, so der 24-Jährige, den an New York die hohen Gebäude besonders faszinieren. „Ich fühle mich sehr wohl zwischen den ganzen Wolkenkratzern. Das Beste ist, dass ich selbst in einem arbeite“, sagt Schoberleitner schmunzelnd.


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