Probleme durch Straßenbahn: Pasching braucht mehr Polizisten

Probleme durch Straßenbahn: Pasching braucht mehr Polizisten

Laura Voggeneder Laura Voggeneder, Tips Redaktion, 15.04.2019 17:15 Uhr

PASCHING. Während die PlusCity wächst und die Zahl der Delikte im Bereich des Einkaufszentrums steigt, ist die Zahl der Polizisten an der Polizeiinspektion Pasching seit zehn Jahren gleich.

Seit zwei Jahren fahren die Straßenbahnlinien 3 und 4 vom Hauptbahnhof Linz bis Schloss Traun. Die Haltestelle beim Einkaufszentrum PlusCity wird am stärksten frequentiert: 2018 sind hier knapp zwei Millionen Fahrgäste aus- und eingestiegen. Je Halt ist das ein Fahrgastwechsel von 25 Personen. Insgesamt waren im Jahr 2018 auf den Linien Richtugn Traun knapp sieben Millionen Fahrgäste unterwegs.

Anziehungspunkt PlusCity

„Der Einkaufstempel ist einfach ein Anziehungspunkt für Jugendliche“, sagt Josef Panholzer, Kommandant der Polizeiinspektion Pasching. Seit 1999 ist er am Posten tätig, seit sieben Jahren leitet er ihn. „Mit der Straßenbahn kommt aber auch jenes Klientel nach Pasching, das sich sonst am Hauptbahnhof in Linz aufhält. Diese Leute hatten wir vorher nicht hier“, meint er.

Damit sei auch die Zahl der Delikte in Pasching deutlich gestiegen: „2018 hatten wir 874 Delikte, im Jahr davor waren es noch circa 700. Die viele Schreibarbeit kostet viel Zeit.“ Am häufigsten kommen Ladendiebstähle vor. Seit Herbst gäbe es auch Raubüberfälle mit Gewalt und Drohungen im Bereich der PlusCity-Haltestelle. Jugendliche würden sich auch auf Paschinger Spielplätzen aufhalten und auch Drogen konsumieren.

14 von 16 Posten sind besetzt

An der Polizeiinspektion Pasching sind 16 Planstellen vorgesehen, davon sind 14 tatsächlich besetzt. „Die Planstellen haben sich seit zehn Jahren nicht verändert, obwohl wir mit der PlusCity eine kleine Stadt im Rayon haben: An Einkaufssamstagen halten sich bis zu 15.000 Kunden gleichzeitig im Einkaufszentrum auf. Pasching selbst hat fast 8.000 Einwohner“, erklärt Panholzer.

Die PlusCity selbst könne nichts dafür, dass mehr Straftaten passieren. Das Einkaufszentrum hat einen Sicherheitsdienst, mit dem die Polizei gut zusammenarbeite, etwa bei Fahndungen.

Personal überlastet

„Wir haben eine gute Truppe, aber die Stimmung ist nicht so gut, weil kein Licht am Ende des Tunnels ist“, sagt Panholzer. Insgesamt vier erfahrene Kollegen werden die Polizeiinspektion heuer verlassen. Panholzer: „Die haben die Nase voll. Die Kollegen haben insgesamt 100 Dienstjahre, die mir dann fehlen.“

Die jungen Polizisten, die direkt von der Schule an den Posten kommen, sind nicht sofort einsetzbar. Weil keine Zeit bleibt, können die Polizisten präventive Maßnahmen wie Streifendienst oder Verkehrsüberwachungen nicht durchführen.

„Zum Glück hat Pasching eine brave Bevölkerung“, so Panholzer. Es müsse aber niemand Angst haben, dass die Polizei im Ernstfall nicht kommt, es könnte nur etwas länger dauern. Hier werde auch zwischen den Posten gut zusammengearbeitet.

Talsohle erreicht

20 Planstellen wären für Pasching adäquat, sagt Postenkommandant Panholzer. Es leidet jedoch nicht nur Pasching unter Personalmangel. Die Polizeiinspektion Leonding hat laut Dienstpostenplan 45 Polizisten, tatsächlich im Einsatz sind aber nur 33.

„Wir haben die Talsohle beim Personal erreicht. Es wird jetzt nach und nach nachbesetzt“, sagt ein Pressemitarbeiter der Landespolizeidirektion und räumt ein: „Jede Dienststelle hat ihre Probleme. Die Polizeiinspektion Linz Neue Heimat-Oed etwa hat auch das Infracenter in ihrem Gebiet und muss sich darum kümmern.“

Belastung durch Fußball-Bundesliga

Die Bundesligaspiele in der TGW-Arena, dem Waldstadion in Wagram, seien eine zusätzliche Belastung, auch wenn diese nicht die größte Herausforderung seien, erklärt Panholzer. Pasching hat zwei Polizisten abzustellen bei Bundesligaspielen, diese fehlen natürlich wieder im Regelbetrieb. Delikte wie Sachbeschädigungen seien aber oft im Nachhinein zu bearbeiten, was wieder Zeit kostet. Panholzer: „Zum Glück sind die Linzer Fans nicht aggressiv.“

Politik fordert Personal

ÖVP-Sicherheitssprecher im Landtag und Bezirksparteiobmann Wolfgang Stanek will im Innenministerium und bei der Landespolizeidirektion Druck machen und mehr Posten für Pasching fordern. Vizebürgermeister Markus Hofko (ÖVP) plant eine Resolution im Paschinger Gemeinderat. Den Postenplan kann nur das Innenministerium ändern, die Lokalpolitik kann aber aufzeigen und Bewusstsein schaffen.

Die Parteikollegen Stanek und Hofko zeigen die Personalnot anhand von selbst erhobenen Vergleichszahlen auf: „Seiersberg bei Graz hat mit der Shopping City Seiersberg eine ähnliche Situation wie Pasching. Dort gibt es aber 20 dienstbare Polizisten bei 604 Strafrechtsdelikten im Vorjahr. Gerasdorf bei Wien mit dem Einkaufszentrum G3 hat 22 dienstbare Beamte bei 594 Delikten im Jahr 2018.“

„Ich bin mit Landespolizeidirektor Andreas Pilsl im Gespräch. Die nackten Zahlen belegen, dass hier Handlungsbedarf besteht“, ist Vizebürgermeister (SPÖ), Paschinger Sicherheitsreferent und Polizist Gisbert Windischhofer zuversichtlich.

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