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PEILSTEIN. Eine sprichwörtlich zündende Idee hatten die Betreuer der Ariola-Behindertenwerkstätte in Peilstein vor rund zwei Jahren: Aus alten Kartons und Kerzenresten entstand der erste Grillanzünder. Zehntausende folgten bereits.

Foto: Hanner
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„Am Anfang stand eine Spielerei. Wir haben alten Karton in flüssiges Wachs getaucht und gesehen: Das brennt ja richtig lange. Daraus haben wir Schritt für Schritt die Anzünder entwickelt, wie wir sie heute herstellen“, erklärt Thomas Pühringer, Behindertenbetreuer in der Ariola. Die Einrichtung in Peilstein bietet seit gut 14 Jahren Menschen mit erheblichen Beeinträchtigungen – ein Großteil der Betreuten ist in einer der höchsten Pflegestufen eingestuft – eine sinnvolle Beschäftigung. Die Eltern werden stark entlastet und wissen ihre Kinder in guten Händen. „Alle unsere derzeit 36 Kunden sind hochgradig beeinträchtigt. Die Betreuung steht bei ihnen im Vordergrund, sie brauchen Hilfe bei der Bewältigung des Alltags, müssen teilweise gelagert, gefüttert oder beim Toilettengang begleitet werden“, sagt Ariola-Einrichtungsleiter Johannes Gierlinger.

Erfinderische Betreuer

Umso erstaunlicher, dass jede Menge Produkte die Werkstatt verlassen. Nicht nur Grillanzünder – zugegebenermaßen der Renner zur Zeit – sondern auch Töpferwaren, Teppiche, Backmischungen, Kräutersalze, Schlüsselanhänger und vieles mehr entsteht in der Ariola .Damit die Beeinträchtigten selbst Hand anlegen können, ist viel Kreativität auch von den Mitarbeitern gefragt. Diese erfinden immer wieder Maschinen, die auf die eingeschränkten motorischen Fähigkeiten der einzelnen Menschen maßgeschneidert werden. „Die Fertigung der Grillanzünder haben wir in viele einzelne Arbeitsschritte zerlegt. 14 Personen sind an jedem einzelnen Anzünder beteiligt. Einer schneidet den Docht her, ein anderer steckt die Kartonbahn in die Maschine, wieder ein anderer wickelt sie auf und so weiter“, beschreibt Thomas Pühringer. Wenn die Kartonbahnen gerollt sind, kommt ein Ring aus alten Klopapierrollen herum. Zum Abschluss nehmen die Anzünder ein Bad aus alten Kerzen- und Wachsresten.

HTL tüftelt an Maschine

Die Herstellung wollen Schüler der HTL Neufelden ein wenig erleichtern. Sie tüfteln gerade an einer Maschine, mit der die Kartonbahnen leichter geschnitten werden können, denn das ist zur Zeit hauptsächlich Betreuerarbeit.

Johannes Gierlinger: „Am Ende haben unsere Kunden eine Riesen-Freude, wenn sie wissen, dass ihre Produkte gebraucht werden. Die Firma Schiedel nimmt uns große Stückzahlen der Anzünder ab. Wir nehmen aber auch von Unternehmen wie Ökofen oder Holzmann-Maschinen Aufträge entgegen, wie etwa den Versand von Katalogen oder die Zusammenstellung von Montage-Sets, und sind froh um unsere Geschäftspartner, die die Arbeit unserer Kunden wertschätzen.“

Grillanzünder mit Mehrwert

„Wir hoffen, dass der moderate Preis von ab 2,90 Euro für 30 Stück die Wahl zwischen der chemisch belasteten Ware aus China und unseren Recycling-Anzündern, mit denen man noch dazu Menschen aus der Region unterstützen kann, leichter macht“, so die Ariola-Mitarbeiter. Erhältlich sind die Anzünder in verschiedenen Packungsgrößen ab neun Stück im Ariola-Shop in Peilstein sowie im Baumarkt Hehenberger in Peilstein und im Lagerhaus St. Martin.

Wer Kerzen- und Wachsreste übrig hat, kann diese jederzeit in der Ariola Peilstein oder im Tips-Büro am Rohrbacher Stadtplatz abgeben.


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