„Drogenlenker sind sich der Gefahr nicht bewusst“
BEZIRK PERG. In Oberösterreich wurden im letzten Halbjahr 392 Drogenlenker angezeigt. Auf vier Alkolenker kommt mittlerweile ein Suchtgiftlenker. Die bestehende Gesetzeslage schränkt Polizisten beim Fassen dieser aber ein.

Grundsätzlich kann zwar jeder Polizist Drogenlenker bearbeiten, aber nach einem Vortest muss jeder Autofahrer, der Anzeichen auf Drogenkonsum aufweist, zu einem Amtsarzt gebracht werden, der dafür ausgebildet ist, Drogeneinfluss feststellen zu können. Diese gibt es im Bezirk Perg aber eindeutig zu wenig. Bei Einsätzen in der Nacht verbringen Verkehrspolizisten oft mehrere Stunden mit einem Fall, weil sie eine Person zu einem Arzt nach Linz bringen müssen, wenn in Perg keiner zur Verfügung steht. Neue Gesetze, die die aufgelöste Regierung nicht mehr durchgesetzt hat, hätten Polizisten ermöglichen sollen, Tests gleich vor Ort im Straßenverkehr durchführen zu können.
Zu geringe Strafen
Auch die Strafen hätte die Regierung verstärken sollen. Stellt aktuell ein Arzt eine Fahruntauglichkeit aufgrund von Drogeneinfluss fest, wird dem Lenker der Führerschein für ein Monat entzogen und er erhält eine Geldstrafe von 800 Euro, was der Mindeststrafe für Alkolenker entspricht. Gefordert wurde als Mindeststrafe ein sechsmonatiger Führerscheinentzug und eine Geldstrafe von 1.600 Euro.
Ein verharmlostes Thema
Mit der Diskussion um die Legalisierung von Drogen wird das Thema zu sehr verharmlost. „Drogenlenker zeigen sich so gut wie nie einsichtig, sie sind sich der Gefahr nicht bewusst“, heißt es vom Bezirkspolizeikommando Perg. Auch hält die Beeinträchtigung bei Drogenkonsum bis zu zwei Tage an, Menschen können die Gefahr selbst gar nicht einschätzen. Es gab sogar schon einen Fall, bei dem ein Mann mit einem Joint hinterm Steuer erwischt wurde. Dabei schränkt der Konsum von Cannabis die Pupillenfunktion aber stark ein. Es besteht also die Gefahr, im Dunkeln das Licht entgegenkommender Fahrzeuge zu spät zu erkennen. Mit 392 Anzeigen von Suchtgiftlenkeranzeigen gehört Oberösterreich mit Wien und Niederösterreich zu den Vorreiterländern Österreichs, was das Erwischen von Drogenlenkern betrifft. Es geht dabei darum, wie ernst die Länder die Drogenproblematik nehmen und wie viele Schwerpunktkontrollen deswegen durchgeführt werden. Im Bezirk Perg wurden etwa bei einer Schwerpunktkontrolle von 9. bis 11. August zwei Drogenlenker aus dem Verkehr gezogen.
Drogenlenker sind jünger
Während Alkolenker meistens zwischen 40 und 50 Jahre alt sind, sind Suchtgiftlenker eher jüngere Verkehrsteilnehmer. Unter den Jungen bestehe laut Bezirkspolizeikommando Perg die Meinung, ohnehin nicht erwischt zu werden, wenn sie Drogen konsumieren. Es gebe auch immer noch eine zu geringe Kontrolldichte und mehr Polizisten sollten dafür ausgebildet werden, um Symptome eines Drogeneinflusses bei Verkehrsteilnehmern erkennen zu können. Denn „die Tendenz von Drogenlenkern ist ständig steigend und wird aus Sicht der Exekutive zu einem Problem“, so Andreas Lumetsberger, Pergs stellvertretender Bezirkspolizeichef und oberster Verkehrspolizist.


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