„Auch im Bezirk Perg waren viele Kriminelle im Home Office aktiv“

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Markus Hochgatterer Markus Hochgatterer, Tips Redaktion, 26.05.2020 16:26 Uhr

BEZIRK PERG. Die Anfang Mai präsentierte Kriminalstatistik für Oberösterreich zeigt, das die Zahl der Anzeigen 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 4,7 Prozent auf 64.779 gestiegen ist. Ebenso aber auch die Aufklärungsquote. Tips hat sich mit Bezirkspolizeikommandant Florian Engler über die Lage im Bezirk Perg unterhalten.

Tips: Wieviele Straftaten kamen 2019 im Bezirk Perg zur Anzeige bzw. wieviele davon konnten aufgeklärt werden?

Engler: 2019 wurden im Bezirk Perg 2.107 Straftaten angezeigt, das sind im Vergleich zum Jahr davor, wo es 1873 Anzeigen gab, um 12,5 Prozent mehr. 1.364 davon, also 64,7 Prozent der Fälle konnten geklärt werden. Wir konnten die Aufklärungsquote erneut steigern und liegen damit im Bezirksvergleich im Vorderfeld. Nur drei weitere Bezirke in Oberösterreich hatten einen besseren Wert. Der Anstieg an bekannt gewordenen Straftaten – in absoluten Zahlen plus 234 – stand mit einigen größeren Serien in Verbindung. Etwa einem gewerbsmäßigen Betrug durch eine Täterin in 112 Fällen, zwei Zeitungskassen-Einbruchsserien mit fast 100 Vergehen, einer geklärten Serie von gewerbsmäßigen Mopeddiebstählen und einer Serie betreffend Diebstähle aus unversperrten Kfz im Bereich St. Georgen/Katsdorf.

Tips: In welchen Deliktgruppen gab es in der Region auffällige Abweichungen zu den Zahlen des Vorjahres?

Engler: Da ist auf den Bestellbetrug hinzuweisen. Täter zielen vermehrt darauf ab, ohne Erbringung der Warensendung eine Geldleistung zu erhalten, oder umgekehrt ohne Bezahlung eine Warenleistung zu erhalten. Die Anzeigen in diesem Bereich haben sich von 83 auf 177 mehr als verdoppelt. Wie vorhin schon erwähnt, war hier eine Täterin für 112 Fälle verantwortlich. Der Diebstahl von Krafträdern ist von 3 auf 21 Fälle gestiegen. Die meisten davon gingen auf das Konto einer Jugendbande. Hingegen haben sich Einbrüche in Firmen bzw. Gewerbebetriebe von 45 auf 24 fast halbiert. Einbrüche in Kfz finden kaum noch statt. 2019 wurde nur ein Fall angezeigt. Wohnraumeinbrüche bleiben konstant auf niedrigem Niveau und gingen von 34 auf 29 zurück. Verdoppelt hat sich allerdings die Internetkriminalität. Lag die Zahl 2018 noch bei 134 Straftaten so ist diese 2019 um 137 Prozent auf 269 Fälle gestiegen.

Tips: Mit welchen Strategien wirkt man der zunehmenden Internetkriminalität entgegen?

Engler: In den einzelnen Polizeiinspektionen im Bezirk unterstützen sogenannte IT-Ermittler mit spezieller Ausbildung die Polizeibeamten mit ihrer Expertise. Die Anzahl dieser speziell ausgebildeten Beamten wird im Bezirk laufend erhöht, da sind wir in OÖ im Spitzenfeld. Wir werden zukünftig verstärkt den Fokus auf Prävention in diesem Bereich setzen, da sich die Ausforschung der Täter oft schwierig gestaltet. Diese sitzen zumeist im weit entfernten Ausland. Vorsichtig sollten die Menschen bei vermeintlichen „Gratis“-Angeboten, Gewinnbenachrichtigungen oder bei E-Mails sein, bei denen die Eingabe sensibler Daten, wie z.B. Zugang zum Online-Banking, verlangt wird. Wichtig ist, sich nicht von vermeintlich günstigen Angeboten blenden zu lassen und den Hausverstand nicht außer Acht zu lassen. Spätestens bei erforderlichen Vorauszahlungen ins Ausland, vielleicht auch noch über Bargeldtransferdienste, sollten alle Alarmglocken schrillen.

Tips: Wie Landespolizeidirektor Andreas Pilsl ankündigte, werde die nächste Statistik 2020 „völlig anders“ aussehen, denn schon in den Monaten vor dem Lockdown habe es um 80 Prozent weniger Anzeigen gegeben. Wie ist die Corona-Situation im Bezirk Perg bislang verlaufen. Waren die Perger diszipliniert oder musste bei Verstößen gegen die Verordnungen oftmals eingeschritten werden?

Engler: Auch wir im Bezirk Perg haben die Auswirkungen des Lockdown sehr deutlich gespürt. Die Kriminalität ist stark zurückgegangen und hat sich im März und April mehr als halbiert. Die Täter sind sozusagen auch ins Home-Office gewechselt und versuchen vermehrt im Internet an ihre Opfer zu kommen. Der Bevölkerung im Bezirk Perg muss ich ein großes Lob für ihre Disziplin aussprechen. Obwohl der Bezirk in Sachen Corona tatsächlich lange Zeit ein Hotspot in Österreich war, konnten wir weitgehend durch Aufklärung und Beratung zum Einsatzerfolg kommen.

Tips: Inwiefern hat sich die Organisation des täglichen Polizeialltages seit Ausbruch der Corona-Krise verändert? Welche Aufgaben sind hinzugekommen?

Engler: Um zu verhindern, dass bei positiv getesteten Polizisten ganze Inspektionen geschlossen werden müssen, wurde auf den Dienststellen eine Art Schichtbetrieb eingeführt. Eingeschränkter Parteienverkehr, Abstands- und Hygieneregeln, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, all diese Schutzmaßnahmen wurden auch auf den Dienststellen im Bezirk getroffen. Besprechungen fanden nicht oder nur in Form von Videokonferenzen statt. Bislang sind wir auch sehr gut durch die Krise gekommen und konnten den Dienstbetrieb für die Sicherheit der Perger Bevölkerung stets in gewohnter Art und Weise aufrechterhalten. Die Aufgabenstellungen haben sich zum Teil massiv verändert, viele Stunden wurden zur Unterstützung der Gesundheitsbehörde aufgewendet, etwa bei der Überwachung von Quarantänemaßnahmen oder Zustellung von Quarantänebescheiden. Auch fanden mitunter fast tägliche Besprechungen im Krisenstab bei der BH Perg statt, um weitere Vorgangsweisen festzulegen bzw. sich auf bestimmte Szenarien vorzubereiten. Die vergangenen zwei Monate waren jedenfalls nicht einfach, gefragt waren Flexibilität, Einsatzbereitschaft und Durchhaltevermögen, aber meine Mitarbeiter haben hervorragende Arbeit geleistet. Mittlerweile hat sich der dienstliche Alltag wieder weitgehend normalisiert, hoffen wir, dass es so bleibt.

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