Weltumseglung: Perger beendete durch Kriegsgebiet Trip seines Lebens

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Michaela Primessnig Tips Redaktion Michaela Primessnig, 28.06.2022 09:17 Uhr

PERG. 2014 war Johannes Ehrentraut aufgebrochen, um sich mit seinem Segelboot den Traum einer Weltumseglung zu verwirklichen. Nach fünf Jahren hat er die Fahrt seines Lebens in Malaysia abgebrochen und seine „Blue Lilly“ verkauft. Heuer startete der 51-Jährige noch mal von Pangkor weg, um seine Tour zu Ende zu bringen.

Johannes Ehrentraut ist ein Abenteurer, wie er im Buche steht. Von seiner großen Fahrt, die er 2019 dann unterbrochen hat, gab es bereits unzählige skurrile und fast unglaubliche Geschichten zu erzählen – Tips berichtete. Heuer hat der 51-jährige Perger sein Vorhaben, die Welt zu umsegeln, abgeschlossen. Von Malaysia ging es los bis nach Monfalcone in Italien, wo er 2014 den Trip seines Lebens gestartet hatte. „Ich habe mein Ziel erreicht, aber ich muss schon zugeben, dass es oft mehr als grenzwertig war“, zieht Ehrentraut im Tips-Gespräch Bilanz.

Auf 40.250 Seemeilen rund um die Welt

Insgesamt hat der Perger mit der „Blue Lilly“ rund 40.250 Seemeilen (etwa 74.500 Kilometer) zurückgelegt. Die letzte Tour heuer im Frühjahr brachte ihn noch mal richtig ans Limit. „Man hat aufgrund der Monsunzeiten nur ein Zeitfenster von rund vier Monaten zwischen Dezember und März, April, wenn man den Nord-Ost-Wind nicht hat, ist das Ganze gar nicht möglich“, erklärt der erfahrene Seemann. Zusammen mit seiner Frau Saira, die er bei seiner ersten Tour auf den Philippinen kennenlernte, und dem neuen Besitzer des Segelboots wollte er es noch mal wissen. „Man geht da wirklich ein Risiko ein, weil man aufgrund der Kriegswirren oft lang gar nicht anlegen kann. Es hat schon einen Grund, warum von 100 Booten im Jahr, die eine Weltumseglung starten, nur etwa zehn Prozent das abschließen.“

Schon der Start gestaltete sich mehr als schwierig. „Wir mussten über eine Reiseblase in Langkawi einreisen, dort dann in Quarantäne. Als wir dann mit Verspätung beim Boot in Pangkor ankamen, wussten wir nicht, was alles zu richten ist“, so Ehrentraut. Innerhalb von zwei Wochen gelang es, die „blaue Lilly“ auf Vordermann zu bringen. Zwei weitere Boote legten von Malaysia ab, durch den Suezkanal haben heuer nur 25 Segeljachten den Weg gewagt. „Man muss dann mal bis Dschibuti durchsegeln, das waren 34 Tage, da wird es dann schon eng mit dem Proviant, den Wasserreserven und dem Diesel. Zum Schluss hatten wir noch zwei Kilo Reis und ein paar Cracker.“

Schwierig gestaltete sich dann auch in den Ländern die Einreise: „Man braucht überall Agenten, die einem Geld abnehmen, und da wurden wir auch mal gelinkt.“ Richtig problematisch ist aber die Fahrt vor allem deswegen, weil Piraten unterwegs sind und man aus Angst oft in der Nacht schwarz, also fast blind, dahinsegelt. „Es ist sicher derzeit die heißeste Strecke der Welt“, ergänzt der Perger.

Vom Militär festgehalten auf einem Inselstützpunkt

Wetterbedingt mussten einige Stopps eingelegt werden, die sich als mehr als gefährlich entwickelt haben. „Auf einmal hatte ich ein Langboot im Augenwinkel und dann hatte ich auch schon die Kalaschnikow am Anschlag. Mich haben sie mitgenommen, Stunden verhört, irgendwie konnten wir uns dann aber mit Zigaretten und Bier als Deal einigen. Die Leute dort sind bettelarm, man weiß einfach nicht, was da passiert.“

Mitten in der Nacht gelang es dann, wieder abzuhauen. Mit zwei Wochen Verzug ging es dann von Eritrea weiter in den Sudan und dann auf die andere Seite des Roten Meeres nach Saudi-Arabien. „Dort war es dann schon wieder so, dass wir das Boot nicht verlassen durften, es hat uns dann aber jemand geholfen, der scheinbar in Europa auch Glück hatte und uns deshalb was zurückgeben wollte. Er hat uns mit Proviant versorgt, bis wir wieder weiterkonnten. Wenn man aber ganz ehrlich ist, war die ganze Fahrt oft mehr eine Gefangenenreise“, resümiert der 51-Jährige.

Nach dem Manöver durch den Suezkanal, das sich zum Glück sehr unproblematisch gestaltete, wurde dann alles einfacher: „Das erste Mal nach Monaten erlebten wir wieder Zivilisation und wir wurden nicht mehr abkassiert. Alles ist dann wieder anders, man kann sich ja gar nicht vorstellen, in welchem Dreck die Leute in Dschibuti oder Eritrea leben und welche Zustände dort herrschen.“

„Wenn auch der Rest der Welt was tut gegen die Umweltverschmutzung, dann könnten wir noch was retten!“

Die Umweltverschmutzung in den Weltmeeren ist auch das, was den Perger auf seiner Tour am meisten bedrückt hat: „So viel Plastik schwimmt herum, obwohl man 1.000 Kilometer vom Land weg ist. Selbst nimmt man seinen Müll mit und dann wird er dort einfach hinter irgendeinen Busch geschmissen. Am Anfang meiner Reise haben wir auch noch oft gefischt und konnten fast unseren Nahrungsbedarf decken, im Indischen Ozean erwischten wir mal drei kleine Fische. Wir sind auch mal eineinhalb Tage durch einen Ölteppich gesegelt“, berichtet der Segler. Erfreulich sei aber, dass sich im Mittelmeer dafür vieles regeneriert hat: „Man sieht wieder viele Schildkröten und Delfine, da bessert sich was. Wenn auch andere Teile der Welt was tun, dann könnten wir noch was retten.“

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