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Fünf Generationen Rauchfangkehrer: Glücksbotschafter seit 124 Jahren

Leserartikel Gerlinde Riegler-Aspelmayr, 27.12.2023 18:23

PERG. Der 25-jährige Perger Florian Schonka übernimmt mit Jahreswechsel in 5. Generation den elterlichen Rauchfangkehrerbetrieb. Seit 124 Jahren sorgen seine Vorfahren im Raum Perg für saubere und sichere Kamine und Öfen – eine enorm wichtige und oftmals unterschätzte Arbeit, denn sie verhindert Brände und lebensgefährliche Rauchgasunfälle.

Florian Schonka ist mit Leidenschaft Rauchfangkehrer. (Foto: privat/Schonka)
Florian Schonka ist mit Leidenschaft Rauchfangkehrer. (Foto: privat/Schonka)

„Eines steht fest: Berührungsängste darf man in unserer Branche keine haben“, sagt Florian Schonka mit einem Lächeln auf den Lippen. Besonders in der Zeit rund um den Jahreswechsel wird er mehrmals täglich an seinem Gewand angefasst. Gefragt oder ungefragt. Angeblich soll es Glück bringen, wenn man einen Rauchfangkehrer berührt. Besonders das Drehen an den goldenen Knöpfen der schwarzen Uniform bewahre vor Unheil im neuen Jahr, heißt es. „Mich stört das nicht. Im Gegenteil. Es ist ja im Grunde sehr schön, wenn die Leute unseren Beruf mit etwas Gutem verbinden. Umgekehrt wäre es schlechter“, so der 25-Jährige, der mit 1. Jänner den elterlichen Betrieb übernimmt, augenzwinkernd.

Berufswahl freigestellt

124 Jahre ist es her, dass sein Ur-Ur-Großvater Franz Schonka in Perg einen Rauchfangkehrerbetrieb eröffnete. Stets folgte dem Vater der Sohn nach. Ob auch Florian Schonka einmal in die großen Fußstapfen seiner Vorfahren treten wird, war aber lange offen. Ursprünglich hatte er Installateur gelernt. „Mein Vater hat mich nie in diese Richtung gedrängt. Er hat immer gemeint: Schau dir auch einen anderen Beruf an und überleg dir gut, ob du wirklich übernehmen willst.“ Das tat Florian Schonka und kam schließlich zum Schluss: „Ja, ich will.“ Warum, erklärt er so: „Der Beruf des Rauchfangkehrers ist extrem interessant und abwechslungsreich. Jeder Tag ist anders und voller neuer Herausforderungen. Es wird nie langweilig. Man muss sich auch ständig mit den neuesten Heizsystemen auseinandersetzen und auf dem aktuellen Stand sein.“

Kontakt mit Menschen

Am schönsten findet er an seinem Job aber den Kontakt mit den Menschen. Diese stehen Rauchfangkehrern aufgrund ihrer Symbolik als Glücksbotschafter ja bekanntlich sehr wohlgesonnen gegenüber.

Doch woher kommt dieser Glaube überhaupt? Florian Schonka weiß es natürlich: „Defekte oder verstopfte Kamine und Öfen lösten in früheren Zeiten häufig verheerende Brände und Rauchgasvergiftungen aus, die Zerstörung und Tod brachten. Durch unseren Berufsstand ging diese Zahl deutlich zurück. Daher brachten die Menschen die Rauchfangkehrer mit Glück oder besser gesagt mit Verschonung vor Unglück in Verbindung.“

Gefährliches Kohlenmonoxid

Auch wenn seit den Anfängen des Rauchfangkehrer-Gewerbes viele hundert Jahre verstrichen sind und zahlreiche neue Einsatzgebiete hinzukamen, hat sich an der Hauptfunktion des Berufs wenig geändert: Rauchfangkehrer retten Leben.

Diesem Kernauftrag folgend, übernehmen sie seit einiger Zeit eine weitere wichtige Aufgabe: Sie messen die Verbrennungsluftzufuhr und somit den Unterdruck, der beim Heizen der Öfen entsteht. „Viele Häuser und Wohnungen sind heute so dicht, dass es zu einem gefährlichen Austritt von Kohlenmonoxid kommen kann, wenn zu wenig Luft zugeführt wird“, erklärt der Perger. Seit die Messungen gesetzlich vorgeschrieben sind und spezielle Warngeräte aufgestellt werden, sei österreichweit die Zahl der Kohlenmonoxid-Unfälle mit Todesfolge deutlich zurückgegangen, weiß der Fachmann.

Vater bleibt Mitarbeiter

Unternehmensintern wechseln Vater und Sohn im neuen Jahr nun die Rollen. Noch-Firmenchef Christian Schonka wird ab 1. Jänner 2024 als Mitarbeiter seines Sohnes angestellt und bleibt diesem und den vielen Kunden in Perg, Arbing, Windhaag und Pergkirchen somit mit Rat und Tat erhalten. „Dafür bin ich sehr dankbar und natürlich auch für das große Vertrauen, das mir meine Eltern schenken. So eine lange Familientradition fortsetzen zu dürfen, ist schon eine Ehre. Auch wenn ich weiß, was da auf mich zukommt. Denn Selbstständig-Sein heißt, selbst und ständig zu arbeiten.“

Leidenschaft für Beruf

Ob diese Aussicht nicht auch ein wenig abschreckend sei? „Nein, denn ich habe immer gesehen, dass mein Vater mit großer Leidenschaft gearbeitet hat und diese Liebe zum Rauchfangkehrer-Beruf wurde wohl auch mir in die Wiege gelegt“, sagt Florian Schonka. Da haben wohl Genetik und die positive Vorbildwirkung des Vaters perfekt zusammengespielt. Florian Schonkas Ur-Ur-Großvater und Unternehmensgründer Franz wäre jedenfalls mächtig stolz auf ihn.


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