Perger Frauenberatung schenkt seit 20 Jahren Schutz und Perspektiven
PERG. Wenn Frauen in schwierige Lebenssituationen geraten, braucht es Orte, an denen sie ernst genommen und kompetent begleitet werden. Die Frauenberatung Perg ist eine solche Anlaufstelle. Sie bietet seit dem Jahr 2006 kostenlose und vertrauliche Beratung bei persönlichen Krisen, Trennung und Scheidung, rechtlichen Fragen, psychischen Belastungen, Gewalterfahrungen und vielem mehr.

Die Bedeutung dieses Angebots zeige sich in den aktuellen Zahlen: Im Jahr 2025 wurden insgesamt 447 persönliche Beratungsgespräche, 546 telefonische Informations- und Beratungsgespräche sowie 60 Onlineberatungen via Videochat durchgeführt. Die häufigsten Anliegen betrafen familiäre Probleme, Beziehungskonflikte sowie Fragen rund um Trennung und Scheidung. In vielen Fällen stehen diese Themen in engem Zusammenhang mit existenziellen finanziellen Sorgen und unterschiedlichen Formen von Gewalt – von psychischer Gewalt und Kontrolle über wirtschaftliche Abhängigkeit bis hin zu körperlicher Gewalt.
Gewalt im digitalen Raum
Zunehmend verlagern sich Gewaltformen auch in den digitalen Bereich. Die Frauenberatung Perg verzeichnet vermehrt Fälle von digitaler Überwachung sowie Beschimpfungen und Bedrohungen über soziale Medien. Cybergewalt sei längst kein Randphänomen mehr, sondern Bestandteil vieler Gewaltbeziehungen geworden und stelle Betroffene vor neue Herausforderungen.
Hohe Alltagsbelastungen für Frauen
Neben Gewalterfahrungen sind viele Frauen enormen Alltagsbelastungen ausgesetzt: „Frauen im ländlichen Raum übernehmen viele Rollen und leisten nach wie vor den größten Teil der unbezahlten Haus- und Familienarbeit“, weiß Gabriele Schauer, Leiterin der Frauenberatung Perg. „Sie kümmern sich um die Kinder, pflegen Angehörige, organisieren den Familienalltag, sind nebenbei meist erwerbstätig oder arbeiten im landwirtschaftlichen Betrieb mit. Diese Mehrfachbelastung und ungleiche Aufteilung in Partnerschaften führt nicht selten zu Erschöpfung, Überforderung und Partnerschaftskonflikten. Zudem verdient der Großteil erwerbstätiger Frauen weniger als ihre Partner.“
Gut bezahlte Jobs seien im ländlichen Raum oft begrenzt. „Viele Frauen sind in systemrelevanten, typischen Frauenberufen zum Beispiel im Gesundheits- und Pflegebereich, im Handel, oder in personennahen Dienstleistungen beschäftigt, welche tendenziell schlechter bezahlt werden und eine ganze Reihe zusätzlicher Stressoren mitbringen. Darunter schlechte Rahmenbedingungen, Zeitdruck, befristete Beschäftigungsverhältnisse und eingeschränkte Vollzeitmöglichkeiten“, so Schauer.
Fehlende Kinderbetreuungsangebote, schlechter öffentlicher Verkehr und lange Wegstrecken seien für viele Frauen zusätzliche Hürden im Alltag, die es erschweren etwas an ihrer Situation zu ändern.
Frauenübergangswohnung als sicherer Zufluchtsort
In Kooperation mit dem Sozialhilfeverband Perg bietet die Frauenberatung Perg eine Frauenübergangswohnung an. Dieses Angebot richtet sich an Frauen und ihre Kinder, die sich in stark belastenden, gesundheitsschädigenden oder von Gewalt geprägten Beziehungssituationen befinden.
Die Übergangswohnung stellt eine befristete Wohnmöglichkeit dar und verfolgt das Ziel, Frauen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes und existenzgesichertes Leben zu unterstützen. Kontaktaufnahme, Beratung sowie die begleitende Betreuung erfolgen über die Frauenberatungsstelle Perg.
Gewaltprävention im Bezirk Perg
Seit Juni 2022 setzt die Frauenberatung Perg das österreichweite Gewaltpräventionsprojekt „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ im Bezirk Perg um.
Ziel des Projekts ist es, gewaltbetroffene Frauen und Kinder sowie deren soziales Umfeld zu sensibilisieren und nachhaltig zu stärken. Partnergewalt soll weder toleriert noch verschwiegen oder ignoriert werden. Besonders im ländlichen Raum sei es entscheidend, Bewusstsein für das Thema zu schaffen und gleichzeitig Wissen über Unterstützungsangebote zu verbreiten. Nur so kann häusliche Gewalt langfristig wirksam bekämpft werden.
Unverzichtbare Rolle
Frauenberatungsstellen leisten insbesondere außerhalb urbaner Zentren einen wesentlichen Beitrag zur Unterstützung von Frauen und Mädchen. Sie gewährleisten, dass Hilfsangebote unabhängig vom Wohnort zugänglich sind – auch in Regionen, in denen entsprechende Einrichtungen sonst nur schwer erreichbar wären.
Darüber hinaus verstehen sich Frauenberatungsstellen als gesellschaftspolitische Akteurinnen: Sie machen die Anliegen von Frauen sichtbar und setzen sich aktiv für Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit ein.
Jubiläumsveranstaltung mit Barbara Blaha
Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Frauenberatung Perg findet am Dienstag, 29. September, eine besondere Veranstaltung statt: Die Autorin und Publizistin Barbara Blaha präsentiert ihr aktuelles Programm „Funkenschwestern“ im Donausaal Mauthausen.
In ihrem Bühnenprogramm – basierend auf dem gleichnamigen Buch – verbindet sie persönliche Geschichten mit fundierten Zahlen, Fakten und Studien. Dabei zeigt sie eindrucksvoll, warum ökonomische Fragen immer auch feministische Fragen sind, und beleuchtet strukturelle Ungleichheiten wie geringere Aufstiegschancen, häufigere Berufsunterbrechungen und schlechtere Bezahlung von Frauen. Tickets gibt es hier.


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