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Lebenshilfe OÖ fordert Überarbeitung der Pläne für sonderpädagogisches Kompetenzzentrum in Perg

Jennifer Wiesmüller, 18.06.2026 14:57

LANGENSTEIN/PERG. Die Sonderschule Langenstein stößt an ihre Kapazitätsgrenzen. Die 26 Gemeinden des Bezirks Perg haben sich auf die Errichtung eines sonderpädagogischen Kompetenzzentrums in Perg geeinigt. Die Lebenshilfe OÖ begrüßt die Investitionsbereitschaft des Landes OÖ und der Gemeinden im Bezirk Perg, steht dem Konzept aber kritisch gegenüber und fordert einen inklusiven Schulcampus.

„Die alleinstehende Sonderschule muss endlich durch inklusive, durchlässige und ganzheitliche Campus-Modelle ersetzt werden", fordert Birgit Brunsteiner, Vizepräsidentin der Lebenshilfe OÖ. (Foto: Cityfoto)

„Die alleinstehende Sonderschule muss endlich durch inklusive, durchlässige und ganzheitliche Campus-Modelle ersetzt werden“, betont Birgit Brunsteiner, Vizepräsidentin der Lebenshilfe OÖ. „Österreich hat sich bereits mit der Ratifizierung der United-Nations-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2008 dazu verpflichtet, Kindern mit Behinderungen eine inklusive Bildung im Regelschulsystem zu ermöglichen.“

„Inklusion muss im Kindergarten beginnen“

Als Interessenvertreterin von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung und deren Angehörigen stand die Lebenshilfe OÖ im Austausch mit der Bildungsdirektion sowie dem Perger Bürgermeister und Landtagsabgeordneten Anton Froschauer (ÖVP). Im Gespräch wurde laut Lebenshilfe OÖ zwar eingeräumt, dass das neue Gebäude in einen bereits bestehenden Schulcampus der Bezirkshauptstadt eingegliedert werden soll, Geschäftsführer Gerhard Scheinast befürchtet jedoch, dass im Neubau zu wenig Raum für inklusive Regelklassen vorgesehen ist. „Vor allem in den Elementarstufen ist keine inklusive Beschulung vorgesehen. Dagegen wehren wir uns als Lebenshilfe vehement“, betont Scheinast und ergänzt: „Inklusion muss im Kindergarten beginnen und in allen Bildungseinrichtungen stattfinden.“ Als positive Beispiele nennen die Vertreter der Lebenshilfe OÖ den Bildungscampus Vöcklabruck sowie die Nikolaus-Lenau-Schule in Gmunden.

Lebenshilfe OÖ fordert Überarbeitung der Pläne

Vom Ruf nach einem sofortigen Stopp der geplanten Neubauten distanziert sich die Lebenshilfe OÖ, sie fordert aber eine Überarbeitung der Pläne. „Wir sehen die Notwendigkeit eines Neubaus durchaus, sind aber mit der bisherigen Planung nicht zufrieden. Auch wenn sich die Lebenshilfe OÖ nicht für die sofortige Abschaffung aller Sonderschulklassen ausspricht, müssen Schulneubauten in eine inklusivere Richtung gedacht werden. Insbesondere inklusive Regelschulklassen sollten bei der Planung im Vordergrund stehen“, betont Birgit Brunsteiner.

Wunsch nach Wahlfreiheit

„Jede und jeder sollte die Möglichkeit haben, zwischen einer inklusiven Regelschulklasse und einer Sonderschulklasse zu wählen. Die Gefahr eines Neubaus, der überwiegend Sonderschulklassen vorsieht, besteht darin, dass diese Klassen ausgelastet werden müssen und dadurch Kinder zugewiesen werden, deren Eltern sich eigentlich eine inklusive Beschulung wünschen“, so Brunsteiner. Zudem befürchtet die Lebenshilfe OÖ, dass die Konzentration von Sonderschulklassen an einem Standort dazu führt, dass Schulleiter in anderen Gemeinden des Bezirks Schüler mit Beeinträchtigungen mit Verweis auf die bestehende Sonderschule gar nicht erst aufnehmen. Nach Angaben der Lebenshilfe sei dies in der Vergangenheit in anderen Bezirken wiederholt vorgekommen.

„Keine Rede von Auflösung von Inklusionsklassen“

Der Perger Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Anton Froschauer reagiert auf die Forderungen der Lebenshilfe OÖ wie folgt: „Ich finde es bemerkenswert, dass seitens Teilen der Lebenshilfe immer wieder auf die United-Nations-Behindertenrechtskonvention verwiesen wird. Deren Einhaltung bedingt die Wahlfreiheit für die Eltern, ihre Kinder inklusiv beschulen zu lassen. Diese Wahlfreiheit wird in keiner Weise in Frage gestellt. Das haben wir auch den Vertretern der Lebenshilfe mehrfach unmissverständlich mitgeteilt. Auch von einer Auflösung bestehender Inklusionsklassen war und ist zu keinem Zeitpunkt die Rede. Ebenso ist es interessant, dass wir aufgefordert werden, die Pläne zu überarbeiten. Wahr ist vielmehr: Wir sind derzeit dabei, einen Architektenwettbewerb vorzubereiten, um überhaupt zu Plänen zu kommen.“

Als Grundlage dafür diene das Raumerfordernisprogramm der Bildungsdirektion. „Die Schule soll in unmittelbarer Nähe zu anderen Schulen entstehen. Es ist uns jedoch nicht möglich, die bestehende Volksschule aus dem Stadtzentrum zu übersiedeln. Hier bitte ich um Verständnis, dass wir uns der Macht des Faktischen beugen“, so Froschauer.


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Michael F.
Michael F.
20.06.2026 10:34

Sonderschule Perg:

Korrektur meines Kommentares: Es sind definitiv 18 Klassen geplant. Dies bedeutet nach informellen Schätzungen von Pädagoginnen etwa 180 Kinder ! Michael Fröschl

Antworten
Michael F.
Michael F.
20.06.2026 10:11

Sonderschule Perg:

Korrektur meines Kommentares: Es sind definitiv 18 Klassen geplant. Dies bedeutet nach informellen Schätzungen von Pädagoginnen etwa 180 Kinder ! Michael Fröschl

Antworten
Michael F.
Michael F.
20.06.2026 09:58

Sonderschul-Zentrum

Sonderschul-Zentrum Perg: Zur Richtigstellung darf angemerkt werden: Die Forderung der Lebenshilfe OÖ zur Überarbeiterung des Rahmenplanes bezieht sich Folgendes: In einem ausführlichen Gespräch mit der Bildungsdirektion und den Vertretern der Bürgermeister des Bezirks Perg wurde uns mitgeteilt, dass das neue Sonderpädagogische Zentrum für 180 (!!!) Kinder gebaut werden soll und es NICHT vorgesehen ist auch gesunde Kinder gemeinsam mit beeinträchtigten Kindern zu beschulen. Zum Vergleich: Die von mir als Vater einer dort toll begleiteten behinderten Tochter sehr geschätzte Sonderschule Langenstein, für welche nun Ersatz geschaffen werden soll, betreut nun 50 (!) Kinder ! Hinweis: Im Bezirk Perg gibt es zur Zeit 323 Kinder mit sonderpädogischem Förderbedarf. Der Vergleich dieser Zahlen stützt die Befürchtung der Lebenshilfe OÖ, dass es zu einem Absaugen aller behinderten Kinder aus Ihren Heimatgemeinden kommt ! Michael Fröschl, Vater einer behinderten Tochter, Vizepräsident Lebenshilfe OÖ, 0664-4025577


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