Auspendeln führt zu unbesetzten Lehrstellen
BEZIRK PERG. Die demografische Entwicklung sei die größte Herausforderung für die Unternehmen und vor allem die Ausbildungsbetriebe, sagte Doris Hummer, Präsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich bei der Präsentation der Lehrlingsbilanz 2019. Tips hat sich nach der Situation im Bezirk bei Christa Hochgatterer, Leiterin des AMS Perg, erkundigt.

Tips: Wie viele Arbeitsstellen sind derzeit im Bezirk Perg ausgeschrieben und wie viele Jobsuchende sind vorgemerkt?
Hochgatterer: Betrachtet man rückblickend 2019, waren monatlich durchschnittlich 1.100 Personen arbeitslos und 515 offene Stellen gemeldet (Jahresdurchschnitt 2019). Mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 3,6 Prozent liegen wir deutlich unter dem OÖ-Durchschnitt. Im Dezember 2019 waren genau 400 offene Stellen ausgeschrieben und 1.609 Personen arbeitslos gemeldet, die Arbeitslosenquote betrug 5,1 Prozent. (Bestandszahl am 31.12.2019).
Tips: Wie viele Personen nutzen Schulungsangebote?
Hochgatterer: Im Vorjahr nutzten durchschnittlich 340 Personen die Schulungsangebote des AMS.
Tips: Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner erwartet aufgrund der Konjunktur eine höhere Arbeitslosenrate 2020. Ist das auch für den Bezirk Perg zu erwarten?
Hochgatterer: Wir erwarten eine geringfügige Zunahme der Arbeitslosigkeit trotz hoher Beschäftigungsquote. 2019 waren durchschnittlich 30.000 Pergerinnen und Perger beschäftigt, etwas mehr als im Jahr 2018. Personen im Haupterwerbsalter ohne gravierende Vermittlungseinschränkungen finden sehr rasch wieder einen Job, Ältere über 55 Jahre haben es wesentlich schwerer am Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen.
Tips: Stichwort Lehrstellen - welche Maßnahmen setzt das Arbeitsmarktservice, um die offenen Lehrstellen zu besetzen und wie können Firmen agieren, um attraktiv für Lehrlinge zu sein?
Hochgatterer: Die Lehrstellenvermittlungen laufen schon seit Wochen auf Hochtouren. 152 lehrstellensuchenden Jugendlichen stehen noch 393 offene Lehrstellen zur Verfügung. Wenn alle Perger Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen, im Bezirk eine Lehrausbildung machen wollten, hätten wir alle Lehrstellen abgedeckt. Leider entschließen sich aber manche, nach Linz zu pendeln – auch wenn mit einem Lehrplatz in der Nähe des Wohnortes viele Vorteile verbunden sind. Wie machen sich unsere Betriebe noch attraktiver, das ist eine Schlüsselfrage. Allein schon aus demografischen Gründen können nicht alle Lehrstellen besetzt werden - gute Ideen sind gefragt, um für Fachkräftenachwuchs zu sorgen. Wir als AMS informieren und zeigen Möglichkeiten auf. Allein die Meldung der offenen Lehrstelle reicht nicht aus, um garantiert einen Lehrling zu bekommen. Firmen müssen auf sich aufmerksam machen und sich als Arbeitgeber interessant und attraktiv zeigen, sei es durch interessante Bezahlung, Arbeitsbedingungen, Betriebsklima oder Zusatzleistungen. Eine Möglichkeit ist auch, ältere Jugendliche und Erwachsene für eine Lehrausbildung bzw. das Nachholen eines Berufsabschlusses zu gewinnen.
Tips: In welchen Sparten werden Lehrlinge gesucht?
Hochgatterer: Die meisten Lehrstellen sind im Bau- und Baunebengewerbe, Metall/Elektro und Handel zu finden. Von den 152 lehrstellensuchenden Jugendlichen suchen zwölf eine Lehrstelle als Metalltechniker, 23 als Kraftfahrzeugtechniker, neun als Mechatroniker, 22 im Einzelhandel, 12 als Bürokaufmann/frau, fünf als Informationstechnologe. Für Jugendliche, die noch einen Ausbildungsplatz suchen, ist es höchste Zeit, sich zu bewerben. Perger Unternehmen sind froh über jede einlangende Bewerbung.
Tips: Was halten Sie vom Modell Lehre mit Matura und duale Ausbildung?
Hochgatterer: Die Duale Akademie als neues Ausbildungsangebot ist eine gute Chance für Fachkräftenachwuchs zu sorgen, noch dazu sind die Anforderungen in den unterschiedlichen Berufssparten gestiegen. AHS Maturanten erhalten in verkürzter Lehrzeit einen Berufsabschluss in nachgefragten Lehrberufen, das macht auf jeden Fall Sinn.
Tips: Welche Maßnahmen, Förderungen gibt es aktuell für Personen ohne Berufsausbildung?
Hochgatterer: Auch heuer gibt es Förderungen für Unternehmen, die arbeitslosen Personen, egal wie alt sie sind und die über keine Berufsausbildung verfügen, einen Ausbildungsplatz anbieten. Unternehmen können im Zuge der Lehrstellenförderung LST18+ für die Ausbildung von Erwachsenen (über 18-Jährige) einen Zuschuss zu den Kosten der Lehrausbildung vom AMS erhalten. Neben der klassischen Lehrausbildung gibt es weitere Möglichkeiten, zu einem Lehrabschluss zu gelangen. Dazu zählen die Arbeitsplatznahe Qualifizierung (AQUA), Implacement-Stiftungen und Facharbeiter-Kurzausbildungen. Im Rahmen von AQUA werden Jobsuchende für einen konkreten Arbeitsplatz im Unternehmen geschult, mitunter auch ein Lehrabschluss ermöglicht. Die Kosten tragen Betrieb und AMS. Die Vielfalt der Ausbildungsmöglichkeiten ist nahezu unbegrenzt. Vom kaufmännischen bis zum technischen Lehrabschluss ist vieles möglich.


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