Wie sozial gerechter Klimaschutz aussehen kann: "Es braucht einen staatlich angeleiteten Umbau"
PERG. Wie können wir dafür sorgen, dass Verteilungsgerechtigkeit und Klimaschutz Hand in Hand gehen? Mit diesem Thema beschäftigt sich am Mittwoch, 15. November, eine talk mit-Veranstaltung der SPÖ Perg. Soziologin Julia Eder von der AK Oberösterreich verrät schon im Vorfeld, worauf es ankommt.

Tips: Wo stehen wir aus Ihrer Sicht beim Thema Klimaschutz?
Eder:Aktuell gibt es viele Einzelmaßnahmen, aber keine schlüssige Gesamtstrategie. Derzeit wird zwischen den wichtigsten Akteuren gerungen, wie der Umbau genau aussehen, wer mitreden darf und wer ihn finanzieren soll. Von außen wirkt es deshalb so, als ginge wenig weiter. Dabei gibt es einfach viele widersprüchliche Interessen, die zu Konflikten führen. Beispielsweise ist es fast unmöglich, mehr (leistbaren) Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig die Bodenversiegelung einzubremsen.
Tips:Das wohl brennendste Problem in der Energiekrise sind derzeit die hohen Stromkosten? Während große Anbieter Rekordgewinne einfahren, laufen den kleinen Anbietern (wie wir sie auch im Bezirk haben) die Kunden davon, weil sie nicht mit den Preisen der großen mitkönnen. Wie kann man die Schieflage am Markt wieder zurechtrücken?
Eder: Als Interessenvertretung der Beschäftigten sind uns in diesem Feld zwei Punkte besonders wichtig. Erstens wollen wir für unsere Mitglieder eine leistbare Versorgung mit Strom. Zweitens denken wir, dass mit der Befriedigung eines Grundbedürfnisses eigentlich niemand Gewinn machen sollte. Wir fordern deshalb einen Ausbau der Netze und der erneuerbaren Energien durch öffentliche Versorger mit Gemeinwohlorientierung. Wir wollen außerdem das Ende des Merit-Order-Prinzips, da die Kopplung vom Strom- an den Gaspreis die Preise nach oben treibt.
Tips:Ökosoziale Steuern sollen eine der Maßnahmen sein, um die Klimawende zu beschleunigen. Doch sind sie treffsicher? Wie kann man sie gestalten, dass dabei niemand auf der Strecke bleibt?
Eder:Als AK OÖ sehen wir CO2-Steuern kritisch. Untere Einkommensgruppen müssen ihren Lebensstil einschränken, während Reiche weitermachen können wie bisher – obwohl Letztere viel mehr Emissionen verursachen. Das ist sozial ungerecht. Statt auf den Markt zu vertrauen und über hohe Preise die ärmere Bevölkerungshälfte zu Konsumänderungen zu zwingen, sollte ein staatlich angeleiteter Umbau die zugrundeliegenden Strukturen verändern, um eine klimafreundliche Lebensweise möglich zu machen.
Tips: Ein ganz wesentlicher Punkt beim Klimaschutz ist das Thema Mobilität. Wir leben im ländlichen Raum, wo Öffis nur sehr schlecht ausgebaut sind. Mit welchen Konzepten kann auch hier ein attraktives Angebot geschaffen werden, das auch leistbar ist?
Eder: Neben Ortskernbelebung zur Vermeidung von Verkehr kann auch bedarfsorientierter Micro-ÖV eingesetzt werden, der z.B. Menschen von Bahnhöfen ohne fixe Busverbindung in die umliegenden Dörfer bringt. Unternehmen können auch mit der Erstellung „betrieblicher Mobilitätskonzepte“ das Mobilitätsverhalten ihrer Beschäftigten ökologisch nachhaltiger gestalten. Insgesamt braucht es in weiten Teilen Österreichs einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs und eine Verdichtung der Intervalle, um Öffifahren attraktiver zu machen.
Der „talk mit!“-Abend des BSA und der SPÖ Bildung Perg findet am 15. November um 19 Uhr im Café Stöger in Perg statt. Wissenschaftliche Inputs liefert neben Julia Eder auch der Naturwissenschaftler und Aktivist Martin Hoffmann.


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