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Leserartikel Ronald Baireder, 18.09.2015 00:07

PERSENBEUG-GOTTSDORF. Es kann getrost als Zeitungsente betrachtet werden, als eine Wochenzeitung am Dienstag titelte: „IQ-Möbel-Hallen für Flüchtlinge?“. Nur einen Tag später waren diese Planungen und/oder Gerüchte wieder vom Tisch.  

Volles Haus: Über 400 Besucher diskutierten im Gasthaus Böhm über ein mögliches Asyl-Transitlager in Persenbeug.

Der Eigentümer der IQ-Hallen, Franz Sonnleitner, hätte die derzeit leer stehenden Gebäude kostenlos für die Caritas als Transit-Asyllager zur Verfügung gestellt. Sie wurden schon am vergangenen Samstag von der Caritas überprüft.

Am Montagmorgen trat schließlich Hannes Haberfellner, Geschäftsführer der Rot-Kreuz-Bezirksstelle Ybbs, mit einer Anfrage an Bürgermeister Manfred Mitmasser (SPÖ) heran, eine Notschlafstelle für bis zu 450 Flüchtlinge in den Hallen einrichten zu können. Der Gemeinderat traf sich promt zu einer Besprechung und Christa Kranzl schlug vor, die Zahl mit maximal 300 zu begrenzen. Zudem kam man zum Entschluss, die Bevölkerung zu einem Infoabend einzuladen.

Nach der reißerischen Zeitungsüberschrift, die dann am Dienstag in der ganzen Gemeinde für Aufsehen sorgte, verkündete Ortschef Mitmasser gleich am Beginn der Infoveranstaltung am Mittwochabend: „Es wird kein Asyl-Transitlager in unserer Gemeinde geben.“ Dennoch folgte eine emotional geführte und teilweise heftige Diskussion im mit über 400 Personen prall gefüllten Saal des Gasthauses Böhm. Dabei wurde deutlich spürbar, dass die Bevölkerung in der Gemeinde, so wie in ganz Österreich, tief gespalten ist, was das Flüchtlingsthema betrifft. Während die eine Seite die Errichtung dieser temporären Notschlafstelle befürwortete und die Menschlichkeit in den Vordergrund stellte, gab es derbe Kritik und teilweise heftige Beschimpfungen von jenen, die weder Flüchtlinge noch ein derartiges Asyllager wollen. Teilweise auch mit berechtigten Ängsten und Einwänden: „Die Syrienkrise dauert jetzt schon vier Jahre. Wie lange noch? Wie viele Menschen werden noch kommen. Es könnte ja sicher die Gefahr bestehen, dass es ein permanentes Lager wird. Außerdem könnten im Krisenfall noch viel mehr Menschen kommen als die angekündigten 300“, meinte ein Besucher. Nach mehreren Wortmeldungen gab es Zwischenrufe und Haberfellner, der von so manchem für diese Idee verantwortlich gemacht wurde, musste sogar Beschimpfungen über sich ergehen lassen.

Die Gemeindeverantwortlichen am Podium versuchten jedenfalls, die Lage zu beruhigen. Einerseits habe sich der Gemeinderat gegen das Transitlager ausgesprochen, andererseits gäbe es ohnehin derzeit keinen Bedarf, weil sich die Flüchtlingsströme in den Süden Österreichs verlagert haben. Man wolle aber die vom Bund vorgeschlagene 1,5-Prozent-Quote erfüllen, rund 30 Asylwerber aufnehmen und diese in die Gesellschaft integrieren.

Während die vielen Diskussionen und Wortmeldungen an diesem Abend nicht wirklich zu einem Ergebnis führten, hat die Veranstaltung aber doch eines gebracht:  Es hat sich auch eine  Gruppe gebildet, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den vertriebenen Menschen zu helfen. Die „Flüchtlingsinitiativgruppe Persenbeug, Gottsdorf, Hofamt Priel“ veranstaltet am Dienstag, dem 22. September um 19 im Gasthaus Vösenhuber ein Vernetzungstreffen für alle an einer Zusammenarbeit Interessierten. Ein Hauptziel ist es vor allem, nach Privatunterkünften zu suchen, damit die 1,5-Prozent-Quote mittelfristig auch in Persenbeug-Gottsdorf erfüllt wird. Damit werden in den kommenden Monaten rund 30 Asylwerber in der Marktgemeinde aufgenommen.

facebook-Link: https://www.facebook.com/persenbeuggenugplatzfueralle?ref=ts&fref=ts


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