Der vielseitige Schlägler Bioroggen lässt sich auch wunderbar flechten
PFARRKIRCHEN. Nicht nur Brot, Bier, Mehl oder Whiskey entstehen aus der alten Getreidesorte Schlägler Bioroggen – Maria Kehrer weiß auch mit dem Stroh recht Sinnvolles anzufangen.

Strohhüte, Taschen und Körbe, Topf-Untersetzer oder auch Christbaum- und Wandbehang und sogar ein Westernhut: Wenn Maria Kehrer anfängt, mit dem Stroh aus dem Schlägler Roggen zu flechten, entstehen ganz vielfältige Werke. „Ich hab schon wirklich viel geflochten, das freut mich einfach“, sagt die 88-jährige Altbäuerin aus Pollmannsdorf, das meiste davon hat sie aber wieder hergegeben. Der Schlägler Roggen ist für ihre Arbeit genau richtig: „Das Stroh ist viel länger und viel weicher als anderes Korn und lässt sich leichter verarbeiten.“
„Wollte immer Handarbeitslehrerin werden“
Strohflechten hat sie von ihrer Tante gelernt, als sie noch ein Schulmädchen war. Seither fertigt sie nicht nur zu Hause ihre Strohsachen an, sondern lehrt auch anderen diese alte Technik. In Kursen zeigt sie, wie die einzelnen Halme zuerst geflochten und mit dem Nudelholz platt gewalkt, dann geformt und mit Häkelgarn zusammengenäht werden. Zum Schluss folgt noch die Endfertigung, etwa die Auskleidung mit Stoff, ein Hutband oder Henkel für Körbe und Taschen. „Ich hab es auch meinen Kindern und Enkelkindern gezeigt, aber sie haben zu wenig Zeit dafür“, sagt Maria Kehrer, die eigentlich so wie ihre Tante Handarbeitslehrerin werden wollte. „Aber früher war das nicht so leicht und es hat halt nicht gepasst.“ Zeit für ihre Lieblingsbeschäftigung fand sie aber immer – trotz der elf Kinder, von denen eins verstorben ist, und der vielen Arbeit am Hof.
Alte Sorte wieder entdeckt
Mit dem Schlägler Bioroggen wurde eine regionstypische, alte, sehr robuste Getreidesorte wieder belebt. Der Großteil jener 152 Biobetriebe, die auf 258 Hektar Winterroggen anbauen, setzt auf die Kult-Sorte. Regionale Produzenten und Verarbeiter veredeln den Schlägler Bioroggen zu Mehl, Bier, Whiskey, Whiskey-Pralinen, aber auch in Käse oder Wurst findet das Getreide Verwendung. In der Genussregion haben sich Landwirte und Verarbeiter zusammengeschlossen, im Biokompetenzzentrum Schlägl erfolgt die Weiterentwicklung.
Genussmarkt in der Bioschule
Auch beim Genussmarkt am 6. Oktober in der Bioschule Schlägl wird der Schlägler Bioroggen einen Schwerpunkt einnehmen. Bei dieser Voi Lebm-Veranstaltung kann man zum Ende der Landesgartenschau regionale Köstlichkeiten kennenlernen und Produzenten von der Ernte bis zum Brot auf die Finger schauen.
Bereits am 5. Oktober gibt es im Meierhof ein Genusskulinarium mit Produkten der Genussmarkt-Aussteller. Vorverkaufskarten sind ab 15. August bei den Genuss-Stiftern Aigen-Schlägl, in der Bezirksbauernkammer und Wirtschaftskammer, beim Rotary-Club und im Leaderbüro erhältlich.
Das Forum Schlägler Roggen am 3. Oktober (19.30 Uhr) in der Bioschule Schlägl beschäftigt sich mit den Chancen und Risiken der „gefährdeten Kulturpflanze“.


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