Rund um die Kontroversen in Pöggstall, wo im Juni rund 40 Flüchtlinge in die neue Reihenhausanlage untergebracht werden sollen, gibt es nun eine Einigung: lediglich zwei Familie werden anfangs aufgenommen, sodass eine bessere und einfachere Integration möglich wird. Im Zuge der Berichterstattung meldete sich auch Andreas Gampert, Fachbereichsleiter der Diakonie Flüchtlingsdienst im Tips-Interview zu Wort.
Tips: Mit Juni werden rund syrische Flüchtlinge in Pöggstall eine neue Heimat finden. Wie kam die Idee und wie wird das Projekt konkret umgesetzt bzw. wie kann man sich einen künftigen Alltag einer syrischen Flüchtlingsfamilie vorstellen?Gampert: Syrische Flüchtlingsfamilien haben ihre Heimat und alles was von ihnen aufgebaut wurde verloren. Nun haben sie hier in Österreich Schutz vor Verfolgung gefunden und wollen nichts anderes als wir alle Menschen: Ein Leben in Normalität und Frieden und eine Zukunft für sich und ihre Kinder. Sie wollen arbeiten, ihren Beitrag leisten, Teil einer Gemeinschaft werden und eine neue Heimat finden, jetzt wo ihre alte in Trümmern liegt. Das Projekt in Pöggstall soll all dies für die Familien möglich machen. Dafür braucht es Unterstützung auf den ersten Schritten in ein neues Leben. Die erste Herausforderung für diese Familien ist es nach kurzer Zeit im Land, ohne Orientierung und Deutschkenntnisse und ohne finanzielle Basis ein Dach über dem Kopf zu finden. Die Geburtsstunde der Idee einer begleiteten Ansiedelung in Pöggstall war der Kontakt zwischen Diakonie und alpenland als Wohnbauträger der Siedlung in Pöggstall auf Initiative des Superintendenten Paul Weiland. Nun sollen gemeinsam und in Absprache mit der Gemeinde die Familien angesiedelt und durch den Diakonie Flüchtlingsdienst bei ihrer Integration begleitet werden. Im Allgemeinen folgt auf den Einzug eine kurze Phase des Ankommens und der Orientierung begleitet vom Diakonie Flüchtlingsdienst. Die Kinder müssen eingeschult werden, die Nachbarschaft, die Gemeinde und das Umland wollen kennengelernt werden. Als nächsten Schritt gilt es die Deutsche Sprache zu erlernen. Die Deutschkurse werden in der Regel an 4 Tagen in der Woche besucht, parallel erhalten die Familien Informationen zu ortsüblichem Wohnen in einer Nachbarschaft, Werten, Rechte und Pflichten. Es gilt Perspektiven zu erarbeiten mit dem Ziel möglichst schnell Arbeit zu finden und ein selbständiges, selbstbestimmtes Leben zu führen. Tips: Welche Chancen sehen Sie für die Marktgemeinde?Gampert: Vielfalt macht zukunftsfähig, denn Zuzug und Diversität bringen Entwicklungspotentiale und beleben Gemeinden. Dörfliche Strukturen können erhalten und ausgebaut werden, Wirtschaft kann angekurbelt und Kultur gefördert werden. Gemeinsam. Ob und in welchem Ausmaß dies gelingen kann hängt vor allem davon ab ob Integration gelingt und die Bereitschaft in der Gemeinde besteht sich auf Vielfalt ein zu lassen. Tips: Der Unmut in der Bevölkerung ist derzeit sehr groß. Viele Personen teilen ihre Befürchtungen via Facebook, etc. mit. Das Hauptproblem sehen die meisten darin, dass sich bei der großen Anzahl von Asylanten in der Reihenhausanlage eine entsprechende Gettobildung entwickeln wird. Wie sehen Sie diese Befürchtung?Gampert: Befürchtungen sind immer ernst zu nehmen. Um sie zu beseitigen bedarf es Information und Transparenz. In Pöggstall wurde bewusst die Entscheidung für eine Ansiedelung von Familien und nicht von alleinstehenden Erwachsenen getroffen. Denn Begegnung, Kennenlernen und Austausch zwischen Flüchtlingsfamilien und „Einheimischen“ finden leicht über die Kinder im Kontext von Kindergarten und Schule statt. So werden Vorbehalte und Ängste abgebaut und gelungene Integration gefördert. Die Familien selbst erhalten im Vorfeld Information und Orientierung über die Gemeinde und entscheiden sich freiwillig für ein Leben in Pöggstall. Die Lage, mitten im Ort und damit mitten in der Gemeinschaft, beugt Ghettobildungen vor, getragen von einem Nachbarschaftskonzept in der Siedlung, das nicht allein Flüchtlings-, sondern auch österreichischen Familien Wohn- und Lebensraum bieten soll und das von Anfang an versucht Brücken zu schlagen. Der Diakonie Flüchtlingsdienst fühlt sich hierbei nicht nur für die Flüchtlingsfamilien zuständig, er steht als Ansprechpartner für alle PögstallerInnen zur Verfügung. So können kulturelle Missverständnisse und Schwierigkeiten in der Integration in die Dorfgemeinschaft erfahrungsgemäß rasch und unmittelbar ausgeräumt werden. Tips: Pöggstalls VP-Ortschefin Margit Straßhoferhat sich als sanfteren Einstieg die die Thematik gewünscht, wenn man sich auf anfänglich zwei Familien einigen könnte. Nun wurde ihrer Bitte nachgekommen. Wie sehen Sie die Lösung? Gampert: Für die für erfolgreiche Integration so notwendige Willkommenskultur ist es wichtig gemeinsam mit der Gemeinde und ihrer Bewohner einen gangbaren und verträglichen Weg zu finden und zu gehen. Eine sanfte Ansiedelung in kleineren Tranchen kann hier sicher hilfreich sein.
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