Zeitreise ins 19. Jahrhundert: Leinenhändlersaga macht Geschichte als großartiges Bühnenstück lebendig
PUTZLEINSDORF. Viel war schon zu lesen und zu hören über die Leinenhändlersaga; als Welturaufführung fand das eigens für Putzleinsdorf und deren Geschichte geschriebene Volksstück gewaltiges Echo. Die Aufführung selbst übertrumpft aber alle ohnehin schon hohen Erwartungen, wie sich bei der Premiere gestern Abend gezeigt hat.

Als „Festspiele“ hat der ehemalige Vizekanzler und Bundesminister Reinhold Mitterlehner die Leinenhändlersaga eröffnet - und genau solche waren es. Großartige Schauspieler und Sänger schlüpften unter der Regie von Norbert Huber allesamt perfekt in ihre Rollen: vom gestrengen Herrn Oberlehrer (Hans Falkinger), dem skrupellosen Bürgermeister Schraml (Paul Linecker), seiner stets um Contenance bemühten Ehefrau (Johanna Rachinger) über die Dienstboten rund um Magd Fanni (Barbara Neubauer), Rossknecht Franz (Stefan Reinthaler) oder Buchhalter Novacký (Arnold Kehrer) bis hin natürlich zu den unglücklich verliebten Mädchen Hedwig (Johanna Falkinger) und Karoline (Tanja Höfer-Höglinger). Um diese beiden und ihre fast zum Scheitern verurteilten Beziehungen mit Unterlehrer Josef Hofer (Albert Paster) bzw. dem Bauernsohn Adam (Stefan Kapeller) dreht sich das Volksstück, das Elemente aus Oper, Operette, Musical und klassischem Volkstheater vereint.
Wahres und Fiktion
Librettist Johannes Huber hat intensiv in den Archiven gestöbert, einige wichtige Personen rausgepickt und rund um diese eine fiktive Liebesgeschichte gesponnen. Das Stück verrät aber auch viel über die Ränkeleien zwischen Bürgertum, Bauernstand und Kirche, das Ständedenken, den Wiener Börsekrach im Jahr 1873 und generell über das gesellschaftliche Leben zu dieser Zeit. Norbert Hanrieder (Florian Raab) wurde damals als neuer Vikar durch den kaiserlichen Bezirkskommissär Hirsch (Valentin Pühringer) angelobt und hat einige Unruhe in das Dorfleben gebracht.
NordwaldKammerorchester im Einsatz
Die Musik zum Stück lieferte Komponist Tristan Schulze. Im zum „Orchestergraben“ umfunktionierten Pfarrheim ergänzte das Nordwaldkammerorchester unter der Leitung von Thomas Eckerstorfer die schauspielerischen Leistungen auf wunderbare Weise. Dazu gesellte sich ein eigens zusammengestellter Chor, der die solistischen Leistungen großartig abrundete.
Mit Liebe zum Detail
Neben den Darstellern, den Musikern und dem Chorgesang sind es auch die vielen Details, die das Bühnenstück so einzigartig machen. Da wird das Gelände neben dem Pfarrheim perfekt für die Inszenierung genutzt, selbst die Kirchenglocken spielen eine Rolle; da steht ein Ensemble der Musikkapelle Putzleinsdorf bereit, um den Festzug zum Marktplatz zu begleiten, wo schon liebevoll dekorierte Tische mit Verpflegung wie zu alten Zeiten auf die Theaterbesucher warten; selbst ein Pferdekutsche kommt zu später Stunde angefahren, um Hanrieders Mutter (Elfriede Hackl) zum Fest zu bringen. Und Schulkinder bieten die schön gestalteten Programmhefte an, die auch mehr über den historischen Hintergrund verraten. Zudem gibt es Ausstellungen und geführte Spaziergänge zu historischen Plätzen der Leinenhändlersaga.
Ein ganzer Ort wird Bühne
Ganz Putzleinsdorf scheint für diese Aufführungen unter der Produktionsleitung von Karl Lindorfer auf den Beinen zu sein, viele Vereine leisten ihren Beitrag zum Gelingen. Bis 5. August ist die Leinenhändlersaga noch zu sehen. Wer schon Karten hat, kann sich auf einen außergewöhnlichen Abend freuen. Alle anderen sollten sich rasch welche sichern, solange es noch welche gibt. Dieses einzigartige Bühnenstück unter freiem Himmel darf man nicht verpassen.
Hinweis
Karten für die Leinenhändlersaga sind bei allen Raiffeisenbanken und unter www.leinenhändlersaga.at erhältlich (28 bzw. 34 Euro).
Mehr Bilder von der Premiere gibt es hier zu sehen.


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