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Leserartikel Online Redaktion, 23.04.2017 08:08

RAABS/Thaya. Anfang Mai starten neue Taiji-Kurse an der Volkshochschule Waidhofen/Thaya. Trainerin Angelika Kerschbaumer praktiziert seit mehr als 25 Jahren diese aus China stammende Bewegungslehre. Tips unterhielt sich mit der Expertin.
von ERICH SCHACHERL

Fotos: Schacherl
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Die in Raabs/Thaya geborene Angelika Kerschbaumer war immer schon auf der Suche. „Ich wollte mich selbst besser kennenlernen, wollte wissen, was ich auf einer tieferen Ebene wirklich bin“, erinnert sie sich an jene Zeit ihres Erwachsenseins zurück, in der sie wichtige Entscheidungen wie Beruf und Familienleben zu treffen hatte. Um den tieferen Sinn des Lebens zu finden, wandte sie sich der Kunst zu, auch der Philosophie, wurde aber nicht fündig. Dann hörte sie im Jahr 1991 von der chinesischen Bewegungslehre Taiji . „In Steyr – Angelika Kerschbaumer lebte damals in der Nähe der oberösterreichischen Stadt - wurde ein Taiji Kurs angeboten und mein Mann hat gemeint, du willst ja was für deine Seele tun, vielleicht wäre das etwas. Ich hab` an dem Kurs teilgenommen und bin seither dabei geblieben“, weiß sie noch genau zu erzählen, wie ihr persönlicher Weg mit Taiji begann.

Den Körper spüren

Vom ersten Moment an fühlte sie sich wohl. „ Der Lehrer hat nicht viel erklärt, sondern hat die Übungen ohne viel zu reden vorgemacht. Es ging darum, zu spüren. Das hat mir sehr gefallen. Es war super, weil ich meinen Körper besser spüren konnte, das Fließen der Energie im Körper, es hat mir voll getaugt“. Regelmäßig besuchte sie daraufhin für mehrere Jahre den Kurs und tauchte immer tiefer in die östliche Lehre ein.

Taiji - Tai Chi

Taiji bedeutet übersetzt „das höchste Prinzip“. Auf der Website des österreichischen Vereins „Taiji & Qigong, Ji Jian Lehrinstitut“, bei dem und für den Angelika Kerschbaumer aktiv ist, ist vom stillen Fluss der Kraft die Rede. Es entwickelte sich als Kampfkunst in Zeiten des Kaiserreichs China. In den vergangenen Jahrzehnten wurde dieser Aspekt unbedeutender und wich den positiven gesundheitlichen Wirkungen, der Persönlichkeitsentwicklung und dem meditativen Aspekt. Taiji entwickelte sich von der Kampfkunst zur Bewegungslehre. Im Zentrum des Praktizierens stehen sogenannte Formen, das sind klar umschriebene Abläufe aufeinander folgender und ineinander übergehender Bewegungen.

Zurück ins Waldviertel

Die Rückkehr zu ihrem Geburtsort Raabs/Thaya nach den Jahren der Berufsausbildung zur Lehrerin brachte eine wesentliche Veränderung. Die wöchentlichen gemeinsamen Taiji-Übungseinheiten mit Gleichgesinnten in Steyr waren zu weit weg, im Waldviertel gab es ein derartiges Angebot noch nicht. „Hilfe, ich kann nicht mehr üben, waren meine Gedanken“, erzählt Kerschbaumer. Aus der Not machte sie eine Tugend: „Also entstand die Idee, in Raabs einen Kurs anzubieten“. Das lief gut an. „Zu Beginn sind viele Leute gekommen“, erinnert sie sich, „aber nur wenige sind geblieben“, fährt sie fort. Sie verlangte kein Geld: „Meine Intention war nie, etwas zu verdienen, sondern das Wissen weiter zu geben und jemanden zu finden, mit dem ich weiter praktizieren kann“. Mittlerweile kennt sie einige Gründe, warum das anfänglich großes Interesse bald wieder abflaute, vor allem einer ist wesentlich: „Das Thema ist, sich selbst zu finden. Deshalb bleiben so wenige Leute dran, weil das nicht so leicht ist“. Zumindest einige Menschen fanden eine echte Verbindung zu Taiji, Angelika Kerschbaumer hatte ihre Übungspartner gefunden. Sie selbst praktizierte über die Jahre regelmäßig weiter und bildete sich fort.

Wissen weitergeben

Sie ließ sich auch durch das geringe Interesse nicht entmutigen und bietet bis zum heutigen Tag Kurse an. Wer einen solchen bei Angelika Kerschbaumer besucht, den erwartet eine Trainerin mit langjähriger Erfahrung und breit gefächertem theoretischen und praktischen Wissen. Vor allem ein Mensch, der um die Wichtigkeit des Spürens weiß. „Taiji ist eine Erfahrung, kein Wissen. Man muss es erfahren, um es wirklich erfassen zu können, das heißt, man muss es üben“, sagt sie aus tiefer Überzeugung heraus. Deshalb wird in den Kursen nicht viel gesprochen. „Es geht um das Reinspüren in sich selber und mit der Zeit mehr Kontakt mit dem Körper zu bekommen“, fügt sie hinzu.

Gesundheitliche Aspekte

Auch wenn der tiefe Sinn von Taiji ein spiritueller ist, sind die gesundheitlichen Aspekte dieser Bewegungslehre dennoch beeindruckend und können ein guter Grund sein, sich darauf einzulassen. Die Expertin erzählt: „Der ganze Körper wird elastisch, man kriegt mehr Stabilität, wird verwurzelter, das Immunsystem wird gestärkt. Die Gelenke, Muskeln und Bänder werden sanft aktiviert, gekräftigt und elastisch. Tiefe Gelassenheit und Vitalität können entstehen. Wir atmen voll und bewusst, alleine das ist schon positiv für die Lunge. Auch Faszientraining ist im Taiji enthalten. Oder auch ein umfassendes Training der Wirbelsäule“. Und noch mehr.

Lebensweg

Für Angelika Kerschbaumer ist Taiji zum faszinierenden Lebensweg geworden. Das ist auch für andere möglich. Voraussetzung ist, einen ersten Schritt zu tun. Das kann ein Kursbesuch bei Kerschbaumer sein. Sie freut sich auf die kommenden Jahre. „Ich habe dann Zeit, mich mehr auf Taiji zu konzentrieren“. Abschließend offenbart sie ein schönes Bild aus ihrem Inneren: „Ich bin in die Ferne gezogen, um diesen Schatz, das Taiji, in meine Heimat zu bringen“.

Weitere Infos unter www.taiji.at


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