„Vielfach wird die Qualität der Mundarttexte unterschätzt“
BEZIRK. Der Stelzhamerbund Oberösterreich ist eine Vereinigung sprachinteressierter Menschen mit zeitgemäßen Anliegen. Die Rieder Bezirksgruppe hat zirka 40 Mitglieder. Vor zwei Jahren übernahm die Eberschwangerin Gertraud Felix die Bezirksleitung von Josef Kettl aus Hohenzell. Tips sprach mit Gertraud Felix, Josef Kettl und Karl Pumberger-Kasper über die Bedeutung der Mundart als Alltagssprache.

Tips: Seit wann gibt es den Stelzhamerbund Ried?
Gertraud Felix: Die Gründung geht auf den damaligen ober-österreichischen Obmann-Stellvertreter Heinz Sandner zurück. Ihm war es ein großes Anliegen, kulturinteressierte Menschen zu finden, die Lust am Schreiben haben. 1977 wurden die Gebietsreferenten der vier Viertel und des Salzkammergutes eingeführt. Hermann Edtbauer war 1979 der erste Gebietsreferent im Innviertel. 1985 übernahm Josef Kettl die Bezirksleitung. Seit dieser Zeit hat sich die Rieder Bezirksgruppe ständig weiterentwickelt.
Tips: Welche kulturelle Bedeutung hat der Stelzhamerbund für das Innviertel?
Gertraud Felix: Franz Stelzhamer (1802–1874) war ein großer Mundartdichter. Wir sehen es als Auftrag die Mundartdichtung zu erhalten, sodass sie nicht in Vergessenheit gerät.
Josef Kettl: Mundartdichtung ist Heimat. Der Stelzhamerbund gibt Dichtern die Möglichkeit, sich gegenseitig auszutauschen, wir lernen voneinander, wie man sich in der Mundartdichtung weiterentwickelt und entfaltet.
Tips: Tradition und Brauchtum gewinnen zunehmend auch für Jugendliche wieder an Bedeutung. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür?
Gertraud Felix: Liedtexte in Mundart sind derzeit sehr aktuell. Ich denke da beispielsweise an den Erfolg der „Poxrucker Sisters“. Auch SMS werden von den Jugendlichen in Mundart geschrieben. Das ist für die Identität der Jugendlichen sehr wichtig. Man muss den Jungen den Raum lassen, eine eigene Sprache zu entwickeln.
Karl Pumberger-Kasper: Veranstaltungen wie das Gstanzlsingen werden regelrecht überrannt. Aber auch andere Volksliedtexte kommen bei den Jugendlichen gut an. Ich denke da an die Gesangsgruppe „Hermann“. Die haben intelligente spritzige Texte. Vielfach wird die Qualität der Mundarttexte unterschätzt. Die hat sich nämlich in den letzten 40 Jahren enorm gesteigert und weiterentwickelt, ebenso wie das regionale Heimatbewusstsein.
Tips: Wie viele Veranstaltungen haben sie zirka im Jahr?
Gertraud Felix: Im Herbst haben wir wieder die Bierkeller-Geschichten, die heuer erstmals in Gurten sind. In Weibern gibt es die Mostkeller-Geschichten und Ende Oktober in Waldzell wieder „Koa Blattl vorm Mäul“. Im Frühjahr 2016 steht der Josefi-Hoangarten in Geiersberg auf dem Programm und auch die Mundartmesse wird es wieder geben. Diese findet diesmal in Kooperation mit der Stadtpfarrkirche statt. Partner wie das Franziskushaus, Katholisches Bildungswerk, Kloster St. Anna, sind für uns sehr wichtig. Dank des Engagements von Freimut Rosenauer, dem Leiter des Stelzhamer-Museums, findet alle zwei Jahre der Prameter Mundarttag statt.
Tips: Stelzhamerbund-Mitglieder treffen sich drei bis vier Mal im Jahr zum Austausch. Wann ist der nächste Stammtisch?
Gertraud Felix: Das nächste Treffen ist am Donnerstag, 17. September, um 19.30 Uhr im Gasthaus Pillichshammer in Eberschwang.
Tips: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Karl Pumberger-Kasper: Dass auch Junge zu uns kommen. Wir würden uns freuen, wenn Schreibinteressierte beispielsweise zum Stammtisch im Herbst kommen.
KONTAKT: sthbdried@gmx.at


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