Streetwork fordert günstigen Wohnraum und eine Notschlafstelle
RIED. Mit vielen unterschiedlichen Jugendszenen hat Streetwork Ried in den letzten 22 Jahren gearbeitet. Waren es zu Beginn jugendliche Punks, so kamen im Laufe der Zeit Techno/Hip Hopper, Metaller, Skater, Fußballfans und Migranten unterschiedlicher Herkunft dazu.

Dass Streetwork Ried zu all diesen Jugendlichen und jungen Erwachsenen Kontakt und Beziehungen hat, ist der kontinuierlichen Anwesenheit von Streetwork in ihren Lebensräumen zu verdanken und Beweis einer gelungenen Integrationsarbeit, die Ghettobildungen und Parallelgesellschaften verhindert.
Die Jugendlichen akzeptieren
Kerstin Hofstätter, die von Beginn an dabei ist, meint: „Streetwork Ried bekennt sich immer zu demokratischen Werten und einem friedlichen Miteinander und vermittelt dies auch den Jugendlichen, unabhängig von ihrer Szenezugehörigkeit. Voraussetzung für diese gelingende Integrationsarbeit ist die Akzeptanz der Jugendlichen, ohne deswegen ihre Gesinnung zu teilen oder alle ihre Handlungen gutzuheißen.“
Streetwork kümmert sich um 13- bis 25-Jährige aus dem Bezirk Ried. Hofstätters Kollege Ben Hammer, der seit Mai das Team komplett macht, lernt die Arbeit mit den vielfältigen Problemlagen, welche an die Streetworker herangetragen werden, gerade kennen.
Das reicht von Stress daheim, in der Schule oder bei der Arbeit, Arbeitslosigkeit oder dem Problem, keine Lehrstelle zu finden, bis zu Konflikten mit dem Gesetz, illegalem Konsum, hoher Gewaltbereitschaft, Spielsucht und Schulden sowie psychischen Problemen.
Fünf Zielgruppen
Die Streetworker in Ried arbeiten mit fünf Zielgruppen und haben mit mehr als 110 Einzelpersonen, die langfristig betreut werden, ständig Kontakt. Das Wissen, wo die Jugend unterwegs ist, wo sich jugendrelevante Plätze, Szenen und Lokale befinden, ist wesentlicher Bestandteil des Arbeitsalltags.
Hofstätter: „Die Anforderungen, die Anzahl der Hilfesuchenden, aber auch die Erwartungshaltungen von verschiedenen Seiten nehmen stetig zu.“ Hier braucht es zum einen ein gutes Zeit- und Organisationsmanagement, aber auch eine klare Positionierung und Verteilung der Ressourcen, erklärt die Jugendsozialarbeiterin.
Versteckte Wohnungsnot
In der täglichen Beratungs- und Betreuungsarbeit sind die Streetworker immer wieder mit dem Problem von fehlenden Kurz- und Krisenunterbringungsmöglichkeiten für ihre Klientel konfrontiert. „Die versteckte Wohnungslosigkeit ist seit Jahrzehnten ein großes und sehr schwieriges Thema bei den jungen Menschen, weil es vor Ort nichts gibt“, sagt Hofstätter.
Notschlafstelle
Eine Notschlafstelle gibt es im ganzen Innviertel nicht. „Für einen Schlafplatz nach Linz zu reisen, kommt nicht in Frage. Die jungen Leute haben hier ihr Umfeld, ihre Freunde und Familie und sehr oft – und wesentlich – ihre Arbeit.“
Hofstätter: „Wenn uns junge Menschen ein Anliegen sind und wir sie im Sozialraum von Ried haben wollen, dann brauchen wir günstigen, leistbaren Wohnraum für 17- bis 23-Jährige, Startwohnungen ohne Kaution und für Notfälle ganz dringend eine Notschlafstelle!“


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