SV Ried: Ein Schritt in die richtige Richtung
RIED. Nach sieben sieglosen Spielen gelang der SV Guntamatic Ried mit dem 2:0 (1:0) gegen Swarovsky Wattens endlich wieder ein Sieg. Auch wenn noch lange nicht alles klappte, war zumindest zeitweise die Spielweise vom Herbst zu erahnen. Interimstrainer Fränky Schiemer hat es offenbar geschafft, die Köpfe der Spieler so weit frei zu bekommen, dass sie wieder mit Selbstbewusstsein und Aggressivität in die Partie gingen.

Bei der Aufstellung hatte Schiemer wenig geändert, lediglich Prosenik spielte erstmals von Beginn an. Die Defensive mit der Innenverteidigung Haring und Boateng sowie den recht offensiv agierenden Außen Kerhe und Marcos war wieder die Stammformation aus dem Herbst, davor spielten der sehr starke Grgic (offensiver als sonst) und Grabher. Wießmeier und Durmus waren für die Flanken für die Stürmer Prosenik und Chabbi zuständig.
Schnelles 1:0
Manchmal braucht man auch ein bißchen Spielglück: Schon der zweite Angriff führte nach gerade mal vier Minuten zum 1:0. Seifedin Chabbi traf per Kopf nach einer Maßflanke von Ronnie Marcos. Danach erspielten sich die Rieder noch weitere Chancen, Kombinationen gelangen, Pässe kamen an – nach langer Zeit gab es wieder Szenenapplaus im Rieder Stadion.
Leise Fanproteste
Die Fans auf der Westtribüne verhielten sich zu Beginn übrigens komplett ruhig. Erst nach 19:12 Minuten begannen sie ihren Support. Mannschaftskapitän Thomas Gebauer, der als Torwart in der ersten Halbzeit direkt vor der „West“ stand, sagte dazu: „Die Ruhe der Fans war ungewohnt. Aber nach so einer Phase haben sie das Recht, angefressen zu sein.“
Schon vor dem Anpfiff hatten die Supras ein Plakat präsentiert, auf dem zu lesen war: „Die Zeit der Ausreden ist vorbei, jetzt müsst ihr liefern!“. Etwas später entrollten die Glory Boys ihr Spruchband mit der weniger freundlichen Ansage: „7 Spiele ohne Sieg. Ihr entscheidet: Frieden oder Krieg“.
Spielverlauf
Je länger die Partie 1:0 stand, desto mehr kehrte allerdings die Verunsicherung in das Spiel der Rieder zurück. Pässe kamen seltener an, oft agierte die SVR zu kompliziert. Dazu begegneten die Tiroler den Schwarz-Grünen oft mit übertriebener Härte und wurden dabei von Schiedsrichter Gishamer kaum gebremst.
Das 2:0 kam zum richtigen Zeitpunkt. In der 75. Minute bediente Thomas Wießmeier Ilkay Durmuz mit einem Heber über die Abwehr perfekt; der behielt die Nerven und erzielte mit einem Flachschuss durch die Beine des Wattens-Keepers das 2:0.
Danach zeigte die Mannschaft eine sehr starke Schlussphase, in der nur der starke Gästetorhüter Grünwald weitere mögliche Tore durch Prosenik, Ziegl und Chabbi verhinderte.
Schiemers Fazit
Trainer-Debütant Schiemer blieb auch nach dem Spiel voll im Aufbau-Modus. „Ich war erleichtert, dass wir das zweite Tor geschossen haben. Wir haben extrem wenig zugelassen, waren sehr aggressiv – es war nur eine Frage der Zeit. Die Mannschaft hat extrem gut ohne Ball gearbeitet und sensationelle Ballgewinne gezeigt.“
Gebauers Urteil
Nicht ganz so euphorisch fällt das Urteil von Thomas Gebauer aus: „Wir mussten uns in den letzten Tagen ziemlich viel anhören. Diesen Sieg haben wir unbedingt gebraucht. Aber es war nur der erste Schritt. Wir müssen demütig bleiben und das Spiel richtig einordnen und analysieren. Wattens war wohl nicht der große Gradmesser. Nach dem 1:0 war die Verkrampfung noch nicht ganz weg, erst nach dem 2:0 war es auch im Spiel leichter.“
„Viel geredet“
In seinen 30 Trainerstunden vor dem Spiel hatte Fränky Schiemer kaum Zeit zu Änderungen. „Ich habe nichts anders gemacht, Lassaad Chabbi hat gute Arbeit geleistet. Wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft haben, aber wir hatten eine Blockade im Kopf. Ich habe versucht, die Spieler vom Kopf her umzupolen.“
Das geschah laut Thomas Gebauer vor allem durch ein längeres Training am Montag, bei dem auch viel geredet wurde: „Fränky hat uns eingebläut, was er sehen will.“
Das Schiemer am Spielfeldrand in Trainingsmontur aufkreuzte, war kein Zufall: „Man denkt schon darüber nach, was man anzieht. In unserer Situation braucht es keinen Anzug auf der Trainerbank.“
Doppeljob
Wie lange Schiemer den Doppeljob als Manager und Trainer macht, steht noch nicht fest. Am Freitag in Kapfenberg (der KSV verlor heute in Hartberg 0:4) wird er auf jeden Fall noch auf der Bank sitzen. Das bestätigte SVR-Geschäftsführer Roland Daxl ganz eindeutig. Wenn die Ergebnisse passen, ist es für Daxl auch nicht ausgeschlossen, dass Schiemer noch länger Trainer bleibt. „Es ist nicht so leicht, den für die SVR richtigen Trainer zu finden.“
Zum Anforderungsprofil zählt, dass er „zu unserem Fußball passen muss“, die Mannschaft kennt und auch finanziell nicht aus dem Rahmen fällt.
Über den entlassenen Lassaad Chabbi äußerte sich Daxl nur positiv: „Ich war beeindruckt, wie Lassaad die Trennung aufgenommen hat.“ Er habe gleich danach seinen Sohn Seifedin angerufen und ihm gesagt, dass es jetzt für ihn leichter werde, weil der Druck „für den Vater“ zu spielen, wegfalle, und er habe ihm prophezeit, dass er gegen Wattens ein Tor schießen werde.


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