Warten auf eine Operation: Rieder Krankenhaus mit guten Werten
RIED. Der SPÖ-Landtagsklub hat die Kritik des Rechnungshofes am „Wartelistenregime“ in den oberösterreichischen Krankenhäusern aufgegriffen und die Wartezeiten auf Operationstermine erhoben.

SPÖ-Klubvorsitzender Christian Makor: „Die Ergebnisse sind je nach Versorgungsregion sehr unterschiedlich, zeigen aber eine klar negative Tendenz in den großen Häusern, also dem Kepler-Klinikum und dem Klinikum Wels-Grieskirchen auf. Außerdem gibt es nach wie vor keine transparente Übersicht über die Wartelisten.“
In etwas mehr als einem Viertel der erhobenen Daten habe sich die Wartezeit verkürzt, in etwas mehr als einem Drittel verlängert; bei den restlichen knapp 40 Prozent seien die Werte gleich geblieben.
Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP) teilt in ihrer Beantwortung der Anfrage mit, dass bereits mit Vertretern der Krankenanstalten Vereinbarungen getroffen wurden, welche die Erhebung der Wartezeiten und eine Veröffentlichung auf der jeweiligen Homepage – mit zweimal jährlicher Aktualisierung der Daten – enthalten.
Zudem werde „eine Gesetzesänderung insofern erfolgen, als soziale Gegebenheiten in die Kriterien für die Terminvergabe aufgenommen werden“.
Makor fordert gleiche Bedingungen in allen Landesteilen und kritisiert, dass die Beiträge der Kommunen für die Krankenanstalten seit 2016 um rund 21 Prozent gestiegen seien: „Die Zusage der ÖVP-Gesundheitsreferenten, dass sich durch die Spitalsreform die Leistung für die Bevölkerung keineswegs verschlechtert, muss eingehalten werden.“
Ried zwei Mal an der Spitze
Das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Ried liegt im landesweiten Vergleich mit fast allen Werten im guten Mittelfeld oder sogar in der Spitzengruppe.
In der Neurologie (Parkinson und Epilepsie) hat das KH Ried sogar die kürzesten Wartezeiten in Oberösterreich. Deutlich verkürzt gegenüber dem Vorjahr sind die Wartezeiten bei Varizen-Operationen (Krampfadern), wo die Wartezeit von 20 auf drei bis vier Wochen verkürzt wurde, bei der Computertomographie (von drei bis vier Wochen auf zwei bis drei Tage – einer der besten Werte im Land) und der Magnetresonanztomographie (von sechs bis sieben auf drei bis vier Wochen).
Länger geworden sind die Wartezeiten bei der Hüftprothetik (jetzt zwölf Wochen statt acht vor einem Jahr; der Wert liegt im oö. Mittelfeld) sowie bei Nasenpolypen und Mandeloperationen (hier liegt die Wartezeit mit jeweils vier statt sieben Wochen immer noch im Spitzenfeld).
Patienten wünschen oft spätere Termine
Der Ärztliche Direktor Johannes Huber erklärt: „Bei planbaren Eingriffen ist die Länge der Wartezeit von den vorhandenen Betten und von Operationssaalressourcen abhängig. Für die Patienten ist es natürlich bedauerlich, wenn sie auf Eingriffe warten müssen. Allerdings kommt der Wunsch nach späteren Operationsterminen oft auch von den Patienten selbst – zum Beispiel wird ein Landwirt eine Hüftendoprothese eher im Winter als im Frühjahr implantieren lassen.“
Die Erhebung der Wartezeiten sei generell eine Momentaufnahme und saisonal unterschiedlich, im Rieder Krankenhaus werde aber viel unternommen, um die Wartezeiten so kurz wie möglich zu halten.
Unfallchirurgie leicht unterbesetzt
In der Unfallchirurgie sind in Ried nur acht von 9,5 vorgesehenen Dienstposten besetzt. In manchen anderen Bereichen liegt das Ärzte-Vollzeitäquivalent, wie aus der Antwort von Landesrätin Haberlander hervorgeht, sogar ein wenig über dem Plan.
Huber: „Wir sind auf der Suche nach einem Facharzt und einem Ausbildungsarzt für Unfallchirurgie und sind zuversichtlich, die offenen Stellen bald besetzen zu können. Im Bereich der Unfallchirurgie macht sich auch die Änderung der Ausbildungsordnung bemerkbar, in Zukunft gibt es den gemeinsamen Facharzt für Orthopädie und Traumatologie.“
Generell, so Landesrätin Haberlander, würden in Ried in der Unfallchirurgie wenig elektive Eingriffe durchgeführt, die Eingriffe nach Sporttraumata oder Unfällen erfolgten „zeitnah“. Bei der Arthroskopie betrage die Wartezeit maximal zwei Wochen.
Akute Eingriffe werden sofort durchgeführt
Die gespag (Oö. Gesundheits- und Spitals-AG; Betreiber der oberösterreichischen Landeskrankenhäuser) betont in einer Stellungnahme, dass die erhobenen Wartezeiten bei allen Krankenhäusern nur elektive, also nicht akute Eingriffe betreffen: „Alle akutmedizinisch notwendigen Eingriffe werden selbstverständlich entsprechend der Diagnosestellung und ihrer Notwendigkeit unmittelbar durchgeführt.“
Auf eigene Faust
Zur Verlängerung der Wartezeiten tragen ungewollt auch viele Patienten bei. Weil es, wie der Rechnungshof schon vor einem Jahr kritisierte, „keine transparente Übersicht über die Wartezeiten“ gibt, kontaktieren viele Patienten auf eigene Faust verschiedene Krankenhäuser, lassen sich dort Termine geben und „vergessen“ dann, die schlechteren (weil späteren) Termine abzusagen.
Landesrätin Haberlander: „Die Krankenanstalten haben daher erneut darauf hingewiesen, dass es im Sinne der Wartezeiten für alle Patientinnen und Patienten äußerst wichtig ist, die Termine wahrzunehmen bzw. bei begründeter Verhinderung diese auch zeitgerecht abzusagen, damit diese Termine wieder vergeben werden können.“
Sonderklasse
Zu der von der SPÖ kritisierten Bevorzugung von Sonderklasse-Patienten bei den Terminen in manchen Spitälern sagt Haberlander, dass die Krankenhäuser per Gesetz maximal ein Viertel ihrer Betten für die Sonderklasse widmen dürfen. Je nach Auslastung „ergeben sich in diesem Bereich gewisse Wartezeiten, diese können je nach aktueller Auslastung über oder unter den Wartezeiten der allgemeinen Klasse liegen.“
Für das Rieder Krankenhaus sagt Dr. Huber: „Wir behandeln alle Menschen gleich, die Termine werden nach medizinischer Notwendigkeit und Dringlichkeit vergeben.“
OP-Wartezeiten Ried
- Unfallchirurgie: 2 Wochen (Vorjahr 2 Wo.)
- Augen (Katarakt): 12 Wo. (Vorjahr 12 Wo.)
- Knieprothetik: 12 Wo. (Vorjahr 12 Wo.)
- Hüftprothetik: 12 Wo. (Vorjahr 12 Wo.)
- Varizen (Krampfadern): 3 bis 4 Wo. (Vorjahr 20 Wo.)
- CT (Computertomographie) ambulant: 2 bis 3 Tg (Vorjahr 3 bis 4 Wo.)
- MRT (Magnetresonanztomographie) ambulant: 3 bis 4 Wo. (Vorjahr 6 bis 7 Wo.)
- Nasenpolypen: 7 Wo. (Vorjahr 4 Wo.)
- Mandel-Operation: 7 Wo. (Vorjahr 4 Wo.)
- Parkinson: 2 Wo.* (Vorjahr 2 Wo.)
- Epilepsie: 2 Wo.* (Vorjahr 2 Wo.)
- * = Spitzenwert in Oberösterreich


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