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Lions Club Ried Jubiläum: Uraufführung von F. X. Frenzels Werk über die Natur der Dinge

Rosina Pixner, 20.05.2017 09:01

RIED. Mit einer bemerkenswerten Uraufführung feiert der Lions Club Ried das 100-jährige Bestehen von Lions International. Am Sonntag, 28. Mai, wird in der Jahnturnhalle „De Rerum Natura – Über die Natur der Dinge“, das bisher größte Werk von Franz Xaver Frenzel, aufgeführt. Beginn ist um 19 Uhr Der Eintritt kostet 25 Euro (freie Platzwahl, Einlass ab 18 Uhr). Vorverkaufskarten gibt es bei den OÖ Nachrichten (Hauptplatz 11), Buchhandlung Dim und LMS Ried.

Friedemann Katt
Friedemann Katt

Franz Xaver Frenzel, „Österreichs letzter lebender Barockkomponist“, ist im wirklichen Leben eine Schöpfung, ein musikalisches Alter Ego des in Ried lebenden Komponisten Friedemann Katt, der unter diesem Pseudonym mehr kompositorische Freiheit verspürt. 2007 schrieb Frenzel/Katt seine „Rieder Symphonie“, die mit großem Erfolg uraufgeführt wurde; auch bei der Premiere seines Violinkonzertes in a-moll 2012 gab es viel Jubel im Publikum. Diesen Fünf-Jahres-Rhythmus beibehaltend (wohl eher unbewusst), präsentiert der 71-Jährige jetzt sein bisher ambitioniertestes und größtes Werk, die sinfonische Dichtung für großes Orchester „De Rerum Natura“.

De Rerum Natura

Katt/Frenzel bezeichnet das Werk auch als ein „Oratorium ohne Worte“. Die sechs Teile betrachten nichts weniger als „den Ablauf des menschlichen Lebens sowie den Aufbau des Universums“. Die Komposition dreht sich um das „Lehrgedicht“ „De Rerum Natura“ (Über die Natur der Dinge) des römischen Dichters und Philosophen Lukrez aus dem ersten Jahrhundert vor Christi Geburt. Das beinahe 2100 Jahre alte Buch handelt von der Stellung des Menschen in einem Universum ohne Götter und ist ist eine der Hauptquellen zur Philosophie Epikurs, die ansonsten nur in Fragmenten überliefert ist.

Poetischer Gesang

Für Friedemann Katt ist es ein „unendlich poetischer Gesang“ aus der römischen Hochkultur der vom Aufbau des Universums erzählt, von der Natur und wie die Menschen ein glückliches Leben führen können – mit Gemütsruhe und Gelassenheit, ohne Angst vor dem Tod und den Göttern. Katt: „Da ist schon alles dabei, was man heute unter dem Begriff Nachhaltigkeit zusammenfasst.“ Geradezu sensationell ist jedoch, dass Lukrez in seinem Text die Evolutionslehre vorwegnimmt: Das Universum wurde nicht für die Menschen geschaffen. Nach seiner beinahe zufälligen Wiederentdeckung 1417 hat Lukrez“ Werk das Denken der Menschen zu Beginn des 15. Jahrhundert radikal verändert und somit einen großen Beitrag geleistet, die Welt in die Moderne zu führen.

Opus Magnum

Frenzels Musik entfaltet sich „gleich einem riesigen barocken Deckengemälde“. Zwischen den Szenen mit Namen wie „Frühstück mit Aphrodite“, „Carpe Diem“, „Das große OM“, „Der Tanz der Schwarzen Schwäne“ (als Sinnbild für unvorhergesehene Ereignisse), „Die Jungfrauen des Monsieur Allah“ oder „Die Große Prozession“ (in der die Mächtigen, die Nationen, Religionen und Ideologien kommen und gehen – auch musikalisch mit Fetzen verschiedener Nationalhymnen) spricht immer wieder der Dichter. Der Schlussteil heißt „Das Tor des Lichts“.

Auftragsarbeit

Das Werk hat der Landshuter Bürger Hermann Freund bei Frenzel in Auftrag gegeben. Dieser – wie er sich selbst gerne nannte – „Privatier und Filosoph“ mit bayerischem Humor war Atheist und beschäftigte sich in seinen letzten Jahren viel mit dem Sinn des Lebens. Dabei kam er auf die Idee, ein musikalisches Werk über „die Vergeblichkeit des Seins“ in Auftrag zu geben.

Für Frenzel war es beim Komponieren eine Herausforderung Freunds naturphilosophische Gedanken mit der epikuräischen Philosophie in Einklang zu bringen.

Orchester

Bei der Uraufführung wird Johannes Wildner, ein Frenzel-Freund der ersten Stunde, die Festival Sinfonietta Linz dirigieren. Das Ensemble besteht bei dem Konzert in der Jahnturnhalle aus 65 Musikern (überwiegend vom Bruckner Orchester Linz) unter der Leitung von Lui Chan, der ebenfalls große Frenzel-Erfahrung hat.

Eine CD-Aufnahme des Werkes wird im Herbst erscheinen.

Weitere Infos unter www.fxfrenzel.at, www.lions-ried.at


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