Das Kriseninterventionsteam betreut Menschen in akuten Notsituationen
BEZIRK RIED. Menschen nach außergewöhnlichen belastenden Ereignissen nicht alleine zu lassen – dass ist das Ziel der Kriseninterventionsteams des Roten Kreuzes. Krisenintervention erfolgt unmittelbar nach einem traumatischen Ereignis, also noch mitten im Einsatzgeschehen und versteht sich als Akutbetreuung und nicht als Therapie. Tips sprach mit der Bezirkskoordinatorin Daniela Wimmer und Rotkreuz Bezirksgeschäftsleiter Christian Dobler-Strehle.

Tips:Seit wann gibt es die Krisenintervention in Ried?
Daniela Wimmer: Seit zirka 20 Jahren. Die Kriseninterventionsteams in Oberösterreich waren 1999 bereits in Ausbildung. Zum Einsatz kamen die ersten Teams beim Katastrophenunglück in Galtür.
Tips:Wann wird die Krisenintervention eingeschaltet?
Daniela Wimmer: Es gibt verschiedene Indikation wie außergewöhnliche Notsituationen, Großschadensereignsisse, Verkehrsunfälle, Brand, Überflutungen, Suizid, Überfälle oder auch bei vermissten Personen. Wir haben eine Kooperation mit der Polizei und der ÖBB. Wir begleiten auch die Polizei, wenn diese eine Todesnachricht übermitteln müssen.
Tips:Wie schaut ein konkreter Ablauf bei einer Krisenintervention aus?
Daniela Wimmer: Der Notarzt oder die Sanitäter machen die erste Bedarfserhebung. Dann wird in der Leitstelle des Roten Kreuzes angerufen und die elf Mitarbeiter per SMS informiert. Es gibt keinen Einsatzplan, jene die Zeit haben, melden sich zurück. Zwei Kriseninterventions-Mitarbeiter sind dann vor Ort.
Tips: Gibt es Zahlen, wie oft sie im Monat oder Jahr zu einem Einsatz ausrücken müssen?
Christian Dobler-Strehle: 2019 hatten wir 69 Einsätze, das entspricht 237 geleisteten freiwilligen Stunden. Wir arbeiten auch bezirksübergreifend, wie beispielsweise beim Zeltunglück in Frauschereck.
Tips:Wie lange dauert die Begleitung?
Daniela Wimmer: Wir gehen immer nur einmal in einen Einsatz - also in einen Akuteinsatz. Hier versuchen wir bedürfnisorientiert zu arbeiten, Wir schauen was die Person braucht, um wieder handlungsfähig zu sein. Braucht jemand über einen längeren Zeitraum psychologische Betreuung, verweisen wir auf die Krisenhilfe Oberösterreich.
Tips:Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um Teil des Kriseninterventionsteams zu werden?
Daniela Wimmer: Man muss mindestens 30 Jahre sein. Empathie, Verlässlichkeit, Teamgeist, psychische Belastbarkeit, ein stabiles soziales Umfeld, Verantwortungsbewusstsein, Sinn für Organisation sind Eigenschaft die man mitbringen sollte.
Christian Dobler-Strehle: Die Bereitschaft zur Aus- und Weiterbildung und natürlich ein Interesse am Ehrenamt sind ebenso Grundvoraussetzung. Die Ausbildung ist elftägig und wird in vier Modulen angeboten.
Tips: Seit wann sind Sie dabei?
Daniela Wimmer: Seit fünf Jahren.
Tips:Welche Gründe waren ausschlaggebend, dass Sie für die Krisenintervention arbeiten?
Daniela Wimmer: Durch mein Medizinstudium. Ich habe gemerkt, wie wichtig neben der medizinischen Versorgung auch die psychische Betreuung ist.
Tips: Wie verarbeitet man Einsätze zu denen Sie gerufen werden, speziell wenn Kinder betroffen sind?
Daniela Wimmer: Wie man mit verschiedensten Situationen umgeht, das lernt man bereits in der Ausbildung. Bei Einsätzen in denen Kinder involviert sind, ist der Belastungsfaktor hoch. Wir besprechen uns im Team, haben die Möglichkeit einer Supervision und Teamsupervisionen.
Tips:Mit welchen emotionalen Reaktionen werden Sie bei den Einsätzen konfrontiert?
Daniela Wimmer: Manche sind sehr traurig, andere schweigen oder sind emotional.
Tips:Im Gegensatz zur Mehrheit der Bürger erleben Sie regelmäßig Extremsituationen. Wie lernt man, damit umzugehen?
Daniela Wimmer: Die Mitarbeiter werden geschult auf sich selbst zu schauen, die Situation richtig ein- und abzuschätzen und auf die eigenen Ressourcen zu achten.
Tips:Hat sich die Arbeit mit Corona verändert und wenn ja wie?
Daniela Wimmer: Wir waren während des Corona-Lockdowns stets im Einsatz. Zusätzlich haben wir von der Bezirkshauptmannschaft die Telefonnummern von positiv ge-testeten oder in Quarantäne befindlichen Bürgern bekommen und diese kontaktiert, gefragt ob die Grundversorgung gegeben ist, ob sie etwas brauchen und welche Unterstützung wir ihnen geben können.
Interessenten für die Mitarbeit in der Krisenintervention können sich bei der Rotkreuzstelle unter 07752/81844 oder unter ri-office@o.roteskreuz.at


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