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BEZIRK RIED. Seit rund einem Jahr hat uns die Coronakrise alle fest im Griff. Auch die Arbeit der Feuerwehren im Bezirk war im vergangenen Jahr stark von der Pandemie bestimmt. Wie es den Feuerwehren geht, wie die Kameraden auf die Rückreihung bei der Covid-Impfung reagieren und was es für die Feuerwehren bedeutet, dass die Kameradschaft auf der Strecke bleibt, erzählt Bezirksfeuerwehrkommandant Jürgen Hell im Tips-Interview.

Bezirksfeuerwehrkommandant Jürgen Hell Foto: BFKDO
Bezirksfeuerwehrkommandant Jürgen Hell Foto: BFKDO

Tips:Ein Jahr Corona – wie geht es den Feuerwehren im Bezirk Ried?

Jürgen Hell: Es geht ihnen wie uns allen, jeder wäre froh, wenn wir dieses Thema schon hinter uns hätten. Wenn beispielsweise Schulungen und Übungen und vor allem die Kameradschaftspflege in altbewährter Weise stattfinden könnten, aber bis dahin haben wir noch einen Weg zu bestreiten, dessen Länge in Wirklichkeit keiner kennt. Die Feuerwehren lassen sich aber nicht entmutigen und halten sich an die vorgegebenen Maßnahmen, in einigen Teilbereichen besteht ja in stark dezimierter Mannschaftszahl die Möglichkeit zum Üben.

Tips:Seit wann dürfen wieder Schulungen stattfinden?

Jürgen Hell: Schulungen durften schon immer stattfinden, jedoch im Online-Format – das funktioniert bereits in vielen Bereichen sehr gut, jedoch alles ist nicht möglich. Man könnte es auch mit Homeoffice vergleichen, dort funktioniert auch nicht alles. Aber zweifelsohne ein wertvolles Werkzeug, das wir bereits bei einigen Ausbildungen auf Bezirksebene einsetzen. Beispielsweise haben wir rund zwei Drittel des Funklehrganges auf E-Learning umgestellt und auch schon zwei Mal so umgesetzt. Das Feedback der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, aber auch der Ausbilder war mehr als positiv und ist somit auch zukunftweisend.

Tips:Wie schaut es mit Jahreshauptversammlungen aus?

Jürgen Hell: Wenn man die Entwicklung der Infektionszahlen beobachtet und die Einschränkungen mitkalkuliert, wird es sich vermutlich auch heuer nicht ausgehen, dass Jahresvollversammlungen abgehalten werden können. Jede Trendwende ist aber herzlich willkommen.

Tips: Ist die Zahl der Einsätze im Bezirk Ried im Vergleich zurückgegangen oder gleich geblieben?

Jürgen Hell: Die Einsatzzahlen sind ganz leicht bis kaum rückläufig. Viele Einsatzstunden sammelten sich in den vergangenen Monaten am Covid-Teststandort Messe Ried an. Weiter erwähnenswert ist, dass sich bei der Bewältigung der Einsätze in jedem Bereich die Einsatzkräfte so gut als möglich an die Covid-Maßnahmen halten und dabei auch bis zum heutigen Tag keine Infektionsverbreitung ereignet hat. Einzelne Kameradinnen und Kameraden haben sich in der langen Zeit der Pandemie natürlich und leider mit dem Virus infiziert und Gott sei Dank wieder erholt, aber das Virus nicht in Feuerwehr-Kreisen weiter verteilt. Auch die Tatsache, dass noch keine Feuerwehr außer Dienst gesetzt werden musste, macht mich sehr stolz und zeigt das verantwortungsbewusste Handeln der Feuerwehrkommandanten und deren Feuerwehrkameradinnen und Kameraden. Dafür darf ich mich natürlich herzlich bedanken.

Tips:Stichwort Covid19-Impfung: Die Feuerwehren wurden bei der Impfung wieder zurück gereiht. Was sagst du dazu und wie reagieren die Feuerwehrkameraden darauf, zumal viele bei den Teststationen im Einsatz waren beziehungsweise sind?

Jürgen Hell: Zurück gereiht ist da die absolut falsche Bezeichnung – die Feuerwehren wurden aus dem nationalen Impfplan genommen. Sie finden sich dort nicht mehr. Es ist selbstverständlich, dass hier große Verbitterung und Unverständnis herrscht, eilen doch die Florianis rund um die Uhr, Tag für Tag und Jahr für Jahr denen zu Hilfe, die sie benötigen. Für die Assistenzeinsätze bei den Vortriagen, Corona DriveIn, Massentestungen, Logistikaufgaben, usw. war man gut genug. Zugang zu einem adäquaten Schutz wäre hier schon mehr als passend gewesen, aber auch der Exekutive erging es ähnlich.

Tips:Wie geht es den einzelnen Feuerwehren finanziell, denn Feuerwehrfeste dürfen ja seit über einem Jahr ebenso nicht stattfinden?

Jürgen Hell: Von den Feuerwehren wird verlangt, dass bei Einsatz-Fahrzeug-Beschaffungen oder Feuerwehrhausbau sogenannte Eigenleistungen erbracht werden. Man macht das natürlich und identifiziert sich auch damit. Ob dies auch in Zukunft in gewohnter Höhe erfolgen kann, wird sich erst zeigen. Verschiebungen von dringend notwendigen Einsatz-Fahrzeug-Ersatz-Beschaffungen liegen bereits auf meinem Schreibtisch und ich denke das werden noch mehr werden. Hier gilt es Lösungen zu finden. Natürlich, jeder Einnahmenverlust schmerzt! Aber dieses Thema wird uns noch in vielen Bereichen - auch außerhalb der Feuerwehr – massiv beschäftigen und auch einschränken. Aber auch das werden wir meistern.


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