Ein Leben für den fairen Handel
GURTEN/BRAUNAU. Die Gurtenerin Roswitha Lobe hat 31 Jahre den Weltladen Braunau geleitet, war 25 Jahre Regionalkoordinatorin der Weltläden für OÖ, hat zehn Jahre die EZA-Woche in Oberösterreich koordiniert und insgesamt acht Produzentenreisen gemacht. Der „Faire Handel“ stand im Mittelpunkt ihres Berufslebens. Im Sommer ist die engagierte Eine Welt Aktivistin in Pension gegangen.

Roswitha Lobe, Jahrgang 1962, hat nach ihrer Pflichtschulzeit im Altenheim Braunau zu arbeiten begonnen und hat dann in Vorarlberg die Ausbildung zur Altenpflegerin gemacht. Nach ihrer Rückkehr ins Innviertel war sie wieder im Altenheim Braunau tätig, hatte aber enge Kontakte zur Initiative Dritte Welt, in der sich damals die entwicklungspolitisch engagierten Braunauer zusammengefunden hatten und die heute als Initiative Eine Welt bekannt ist. „Ich habe damals an einem Entwicklungshilfeeinsatz in Nicaragua teilgenommen und dabei meine große Liebe zu Lateinamerika entdeckt. Gleichzeitig hab‘ ich aber auch die Ausbeutung gesehen, die der globale Handel mit sich brachte und wurde mir die Vorstellung von fairem Handel ein wichtiges und bleibendes Anliegen“, erzählt Roswitha Lobe, die auch von einem drei Monate dauernden Kurs der Katholischen Sozialakademie Österreichs sehr profitierte und in ihren Ansichten gestärkt wurde.
Leitung übernommen
Eine der Konsequenzen aus ihren Erfahrungen war ihr Engagement im 1978 gegründeten Weltladen und als sie 1991 gefragt wurde, ob sie die Leitung des Weltladens übernehmen wolle, hat sie zugesagt. „Meine beiden Kinder waren noch sehr klein, aber mein Mann ist damals in Karenz gegangen und so konnte ich anfangen, meine Überzeugungen auch beruflich umzusetzen“, so die langjährige Leiterin des Weltladens.
Reisen zu den Produzenten
Die Arbeit im Weltladen war vielfältig, herausfordernd und intensiv. Neben der Produktauswahl, der Koordination der Mitarbeiter, der Werbung, der Ausgestaltung des Geschäfts und der Zusammenarbeit mit dem Trägerverein Initiative Eine Welt gab es viele Märkte in Pfarren und anderen Institution zu beschicken und wo immer möglich auf die Wichtigkeit des Fairen Handels hinzuweisen. „1997 habe ich dann auch die Funktion der Regionalkoordinatorin der Weltläden für Oberösterreich übernommen und für die Vernetzung und den Ausbau der Weltladen gearbeitet. Eine besondere Freude waren für mich Reisen zu unseren Produzenten. Insgesamt acht Mal war ich unterwegs und hab‘ mir vor Ort die Lebens- und Produktionsbedingungen angesehen. Daraus haben sich viele Kontakte und Freundschaften ergeben“, berichtet Roswitha Lobe, die seit elf Jahren auch bei der Koordination der „Woche des fairen Handels“ mitmacht. Diese Woche der Entwicklungszusammenarbeit ist von Landeshauptmann a. D. Josef Pühringer ins Leben gerufen worden und hat Anfang November mit Verkaufsständen in Bezirkshauptmannschaften, Schulen. Krankenhäusern und Pfarren aber auch mit Vorträgen die Idee des Fairen Handels bekannt gemacht.
Schöne Begegnungen
Die Corona-Pandemie am Schluss ihres Berufslebens war eine schwierige Zeit auch für die Weltläden, aber die langjährige Aktivistin ist zuversichtlich: „Ich bin mir sicher, dass mehr Menschen als früher wahrnehmen, dass wir Menschen nur gemeinsam überleben können und dass ein Fairer Handel eine wichtige und wesentliche Errungenschaft ist. Dass das nur mit großer Anstrengung zu bewerkstelligen ist und nicht von selbst geht, das habe ich in meiner Tätigkeit natürlich auch gesehen. Ich denke aber, dass ich ein sehr bereicherndes und schönes Berufsleben gehabt habe, dass von vielen Begegnungen und positiven Erfahrungen geprägt war. Ich freue mich sehr, dass ich mit so vielen Menschen gemeinsam arbeiten durfte.“


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