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TAISKIRCHEN. Stefanie Moser und Karin Reim betreiben den kleinen biologischen Schnittblumenbetrieb „NATURgebunden“ in Taiskirchen. Ihre regionalen, saisonalen und biologischen Blumen sind als Bundware unter anderem in Ried in der Gießerei erhältlich, zudem fertigen sie daraus einfache Sträuße und Kränze.

Stefanie Moser (l.) und Karin Reim (Foto: Moser / Reim)
Stefanie Moser (l.) und Karin Reim (Foto: Moser / Reim)

Im Interview erzählen sie von ihren Anliegen, die sie mit NATURgebunden verwirklichen wollen und beschreiben ihre Tätigkeit (www.natur-gebunden.at).

Frage:Wir würden gerne ein wenig von euch persönlich erfahren. Was macht ihr beruflich? Was ist euch ein besonderes Anliegen?

Karin Reim: Wir bewirtschaften einen Biobauernhof in Taiskirchen mit Bio-Masthühnern, einigen Hektar Ackerbau und vermarkten Getreide und Kartoffeln ab Hof. Florales Gestalten hat mir schon von klein auf Spaß gemacht. Auf einem Bauernhof hat man ja viel Fläche zum Ausprobieren und deshalb hab ich schon vor über 10 Jahren meine ersten Schnittblumenexperimente gestartet. Nach der landwirtschaftlichen Meisterausbildung hab ich mir dann meinen persönlichen Traum erfüllt und einen Zertifikatslehrgang für Floristik in Salzburg absolviert. Das erworbene Know-How ist jetzt natürlich eine tolle Basis für NATURgebunden.

Stefanie Moser: Brotberuflich bin ich Regionalmanagerin für Nachhaltigkeit und Umwelt. Ich habe mich aber schon seit jeher für (ökologische) Landwirtschaft und vor allem auch neue Wege und Nischen in der Landwirtschaft interessiert. Außerdem hat mir kreatives Gestalten mit Naturmaterialen schon immer Freude gemacht. Über ein paar Zufälle und Versuche im eigenen Hausgarten ist die Idee gereift Schnittblumen zu produzieren. Mit Karin habe ich dann die perfekte Partnerin für unser landwirtschaftliches Abenteuer NATURgebunden gefunden.

Ihr habt voriges Jahr NATURgebunden sozusagen aus der Taufe gehoben. Was ist die Idee hinter euren Aktivitäten? Was war der Auslöser für die Gründung eurer Schnittblumenproduktion?

Wir wollten herausfinden, was im Bereich Schnittblumenproduktion in unseren Breiten möglich ist, und haben einfach angefangen verschiedenste Blumensamen vorzukultivieren und anzubauen. Schnell war klar, dass eigentlich ziemlich viel ziemlich gut funktioniert. Anschließend haben wir recht rasch entschieden das Projekt auf ein etwas professionelleres Level zu heben und eine kleine Micro-Landwirtschaft – NATURgebunden – gegründet.

Ihr habt euch rasch entwickelt und etliche Neuerungen umgesetzt – so seid ihr seit einiger Zeit auch biozertifiziert. Warum dieser Schritt?

Uns beiden ist die Art und Weise der landwirtschaftlichen Produktion ein großes Anliegen, deshalb war schnell klar, dass wir jedenfalls biologisch arbeiten wollen und deshalb haben wir uns auch zertifizieren lassen. Gesunde, vitale Böden werden ein wesentlicher Schlüssel für bevorstehende Klimaherausforderungen sein. Wir müssen jetzt anfangen um in den nächsten Jahrzehnten gewappnet zu sein – ein Millimeter Humusaufbau dauert immerhin um die 10 Jahre. Und jeder Quadratmeter biologisch bewirtschaftete Fläche ist ein wesentlicher Beitrag für ökologische und biologische Vielfalt. Das kann man auch sehen und vor allem hören, wenn man jetzt im Sommer durch unsere Schnittblumenfelder streift. Tausende geflügelte Gäste nutzen das Blütenmeer als Futter- und Nistplatz.

In eurer Angebotsliste stehen u.a. Bio-Bundware, einfache Bio-Sträuße, frische und trockene Kränze, Blumen-Abos für ganze Jahr und Blumen für die eigene DIY Hochzeit. Wie schaut eure Kundschaft aus? Was wird besonders nachgefragt?

Wir bieten ausschließlich das an, was auf unseren Bio-Blumenfeldern wächst – und Punkt. Genau das macht es wirklich besonders und echt nachhaltig. Mit unseren Trockenblumen holen wir dann den Sommer in die tristen Wintermonate. Unsere KundInnen schätzen genau diesen Zugang, weil sie sich jedes Mal von einer saisonalen Vielfalt überraschen lassen können.

Der Verkauf von Blumen steht immer wieder in der Kritik – viele Produktionsbedingungen sind umstritten und auch die Handels- und Arbeitsbedingungen sind durchaus problematisch. Was ist euch da besonders wichtig? Wie steht ihr zu diesen Fragen?

Stefanie Moser: Schnittblumenproduktion – insbesondere in den Wintermonaten – findet häufig im globalen Süden statt. Die Produktion ist von hohem Pestizideinsatz, großem Wasserverbrauch und schlechten Arbeitsbedingungen geprägt. Für makellose und ganzjährig verfügbare Ware wird dieser Preis von uns Konsument*innen in den Industrieländern in Kauf genommen. Ich denke es ist wichtig nicht nur bei Lebensmitteln darüber nachzudenken welche Folgen das Produkt für die Umwelt hat. Diese Frage sollten wir uns als KonsumentInnen auch bei Waren stellen, mit denen wir uns das Leben verschönern wollen – so wie mit Schnittblumen eben. Bewusste Konsumentscheidungen sollen und müssen nicht am Tellerrand aufhören. Es macht auch einen Unterschied welche Blumen ich mir auf die festlich gedeckte Tafel stelle.

Ihr habt einen sehr schönen Internet-Auftritt – www.natur-gebunden.at Wie schaut’s mit euren Vermarktungsmöglichkeiten aus? Wie kann man euch am besten erreichen?

Karin Reim: Eine kleine Auswahl unserer Produkte bieten wir regelmäßig in der GIESSEREI – Haus der Nachhaltigkeit in Ried an. Frische Blumenlieferungen gibt’s dort während der Hauptsaison – Juni bis Oktober – in der Regel am Dienstag. Ansonsten erreicht man uns am besten über die Kontaktdaten unter www.natur-gebunden.at. Individuelle Bestellungen kann man dann ab Hof in Taiskirchen abholen.

Ihr habt intensiv gearbeitet und tausende Samen gesät, unzählige Beikräuter gezupft und viel Handarbeit getätigt. Was sind eure Ziele in den kommenden Jahren? Was wünscht ihr euch in Zusammenhang mit NATURgebunden?

Wir freuen uns wirklich total, dass unser Blumenmädchen-Märchen im wahrsten Sinne des Wortes so wächst und gedeiht. Nächstes Jahr möchten wir mit unserem Folienhaus durchstarten. Damit können wir dann die Saison nach vorne und hinten etwas verlängern – das freut nicht nur uns, sondern auch unsere frühlingshungrigen Blumenfreunde. Und wenn alles klappt wie geplant, gibt’s unsere Soulflowers ab nächstem Jahr in einem kleinen Selbstbedienungshäuschen.


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