Drei blinde Menschen wagen sich mit Innviertlerin auf die Welle
ST. MARIENKIRCHEN / EBENSEE. Drei blinde Menschen wagen sich mit ihrer Trainerin Ursula Walli aus St. Marienkirchen am Freitag, 4. September, auf eine stehende Welle in Ebensee – und stellen sich einer Herausforderung, deren Ausgang niemand vorhersagen kann.

Wer auf einem Surfbrett steht, braucht Balance, Konzentration und Mut. Auf einer stehenden Welle gibt es keine Pause, keinen festen Untergrund und keinen Moment, in dem sich alles kontrollieren lässt. Für drei blinde Menschen wird diese Erfahrung am 4. September zwischen 8.30 und 10 Uhr in Ebensee noch einmal zu einer ganz besonderen Herausforderung. Sie wagen sich auf die stehende Welle von The.Riverwave – ein Projekt, das nach aktuellem Wissensstand in Oberösterreich einzigartig ist.Dabei geht es um weit mehr als um Sport. Es geht um Vertrauen, um das Überschreiten vermeintlicher Grenzen und um die Frage, wie viele Möglichkeiten im Leben oft unentdeckt bleiben, weil wir sie gar nicht erst ausprobieren.
Eine Welle verändert den Blick aufs Leben
Die Idee zu diesem außergewöhnlichen Vorhaben stammt von Ursula Walli. Vor rund eineinhalb Jahren entdeckte sie selbst das Surfen. Was zunächst wie ein neues Hobby begann, entwickelte sich rasch zu einer Erfahrung, die ihr Leben nachhaltig beeinflusste.Auf der Welle, erzählt sie, sei es unmöglich, alles kontrollieren zu wollen. Wer surft, müsse den Augenblick annehmen, reagieren statt planen und darauf vertrauen, dass der nächste Moment gelingt. „Auf der Welle kann man nicht fünf Schritte vorausdenken. Man muss sich auf den Moment einlassen, spüren, reagieren und vertrauen. Genau diese Erfahrung wollte ich mit anderen Menschen teilen“, sagt Walli, die übrigens in St. Marienkirchen eine eigene Gesundheitspraxis führt, ehrenamtlich als Rettungssanitäterin arbeitet und demnächst für das Frauennetzwerk3 tätig sein wird.
Menschen Mut machen
Vieles, was für sehende Menschen selbstverständlich ist, bedeutet für blinde Menschen eine zusätzliche Herausforderung. Gleichzeitig wurde ihr bewusst, wie viele Privilegien im Alltag oft gar nicht mehr wahrgenommen werden. Genau dort setzt das Projekt an: Es möchte Menschen mit Blindheit ermutigen, Neues auszuprobieren und gleichzeitig Sehenden einen Perspektivenwechsel ermöglichen.
Nicht die Behinderung steht im Mittelpunkt
Wer die drei Teilnehmer kennenlernt, merkt schnell: Im Mittelpunkt steht nicht ihre Blindheit, sondern ihre Bereitschaft, sich auf etwas völlig Unbekanntes einzulassen.„Niemand weiß, wie lange es dauern wird, bis der erste sichere Stand auf dem Brett gelingt. Niemand kann garantieren, dass alle am Ende tatsächlich auf der Welle surfen werden. Und genau das macht den Reiz des Projekts aus“, betont Ursula Walli, die das Training mit den drei Teilnehmern übernehmen wird.
Der Weg ist offen – ebenso wie das Ergebnis
Teilnehmer Robert bringt diese Haltung auf den Punkt: „Man muss viele Sachen einfach ausprobieren, bevor man wirklich beurteilen kann, ob etwas möglich ist oder nicht.“ Dieser Satz beschreibt weit mehr als das bevorstehende Surfabenteuer. Er steht für eine Haltung, die sich auf viele Lebensbereiche übertragen lässt. Häufig setzen sich Menschen selbst Grenzen, lange bevor sie erfahren haben, ob diese tatsächlich existieren.
Gemeinsam wird Unmögliches möglich
Dass dieses Vorhaben überhaupt umgesetzt werden kann, ist einer Vielzahl engagierter Menschen zu verdanken. Kooperationspartner ist der Verein NOMB Changes, der Projekte unterstützt, die neue Perspektiven eröffnen und Menschen ermutigen, ihre Komfortzone zu verlassen.Auch The.Riverwave in Ebensee trägt wesentlich zum Gelingen bei. Betreiber Max und sein Team stellen die stehende Welle sowie erfahrene Trainer zu günstigen Konditionen zur Verfügung und schaffen damit die Voraussetzungen für dieses außergewöhnliche Experiment.Begleitet wird das Projekt außerdem von der Fotografin Eva Wöckl.
Wer das Projekt unterstützen möchte, kann auf nombchanges.com/make-a-donation/ spenden.


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