Rieder Gymnasiasten wagten einen Blick ins eigene Erbgut
RIED. Der Biologiesaal des Gymnasiums Ried verwandelte sich in ein hochmodernes biomedizinisches Labor. Der renommierte Mikrobiologe Reinhard Nestelbacher besuchte die Schule und bot den Schülern der 8B einen Einblick in die Welt der molekularen Genetik.

Schon früh am Morgen begann die Transformation des Klassenzimmers in ein Labor. Die Schüler schlüpften in die Rolle von Forschenden und begannen mit der Isolierung ihrer eigenen DNA aus Mundschleimhautzellen. Pipetten wurden mit äußerster Präzision gehandhabt, Proben mit Bedacht analysiert und Ergebnisse dokumentiert – alles unter der fachkundigen Anleitung von Reinhard Nestelbacher.
Die zentrale Frage des Tages: Was sagt unsere DNA über uns aus? Zur Auswahl standen drei genetische Untersuchungen: Besitze ich ostasiatische Wurzeln und bin möglicherweise ein Nachfahre von Dschingis Khan? Sind meine Muskeln genetisch für Ausdauer- oder Kraftsport optimiert? Oder verrät meine DNA etwas über meine sozialen Bindungen – habe ich das sogenannte prosoziale Gen oder das „klassisch-soziale Gen“, oft als „Fremdgeher-Gen“ bezeichnet?
Die Mehrheit der Klasse entschied sich für die letzte Variante. Die Neugier darüber, ob sie genetisch eher tiefere Bindungen zu anderen Menschen aufbauen können oder eher distanzierter sind, war groß. Doch Nestelbacher stellte klar: „Die Gene sind nur ein Puzzlestück in der komplexen Welt des menschlichen Verhaltens. Erziehung, Erfahrungen und Wissen spielen eine ebenso wichtige Rolle.“
Wissenschaft trifft Unterhaltung
Neben den praktischen Laborarbeiten beeindruckte Reinhard Nestelbacher die Schüler mit seiner Art der Wissensvermittlung. Sein humorvoller Vortragsstil, kombiniert mit anschaulichen Beispielen und psychologischen Kniffen, machte die komplexe Materie der molekularen Genetik zugänglich. Selbst Themen wie Genvarianten, Erbmaterial und biochemische Prozesse, die normalerweise sperrig wirken können, wurden verständlich und spannend aufbereitet.
Ein Highlight seines Vortrags war die humorvolle Erklärung, warum das „Fremdgeher-Gen“ zwar in unserer DNA zu finden sein kann, dies jedoch keineswegs eine „Lizenz zum Fremdgehen“ ist. Vielmehr sensibilisierte er die Jugendlichen dafür, dass Verhalten immer ein Zusammenspiel aus Genetik und Umweltfaktoren ist.
Ein Tag, der in Erinnerung bleibt
Der besondere Mix aus praxisnaher Forschung und unterhaltsamer Wissensvermittlung machte diesen Tag für die 8B zu einem unvergesslichen Erlebnis. „Es war faszinierend zu sehen, wie wir mit einfachen Mitteln unsere eigene DNA isolieren konnten“, schwärmten die Schüler. Für Alexander Juric war dieser Tag sogar ein Höhepunkt seiner Schulzeit: „Das war definitiv einer der besten Schultage, die ich am Gymnasium Ried erleben durfte.“
Am Ende des Tages ging die 8B nicht nur mit einem tieferen Verständnis für die Welt der Genetik nach Hause, sondern auch mit dem Bewusstsein, dass Wissenschaft keine trockene Theorie sein muss. Sie ist lebendig, greifbar und vor allem faszinierend.


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