Trauer um Reichersberger Priester: Ältester Chorherr Österreichs verstorben
REICHERSBERG. Roman Foissner, Augustiner Chorherr des Stiftes Reichersberg, ist am 12. Jänner im 102. Lebensjahr verstorben. Er war der älteste Priester der Diözese Linz und zugleich der älteste Chorherr Österreichs. Dem Priestertum hatte er 75 Jahre seines Lebens gewidmet.
Geboren wurde Roman Foissner am 5. November 1924 in Hohenfurth im Böhmerwald. Er wurde auf den Namen Johann getauft. Der Zweite Weltkrieg prägte seinen Lebensweg nachhaltig. Da er sich weigerte, die Offiziersausbildung zu absolvieren, wurde er immer wieder an die vorderste Front gestellt.
1944 wurde er in den Pripjet-Sümpfen schwer verwundet und verlor einen Unterschenkel. Er überlebte wohl nur, weil ein Kamerad ihn in Sicherheit brachte. Es folgten Aufenthalte in verschiedenen Lazaretten in Norddeutschland.
Abschied von der Heimat
1946 musste er gemeinsam mit seiner Familie die Heimat verlassen. Dieses Erlebnis begleitete ihn zeitlebens, wie er selbst schrieb: „Die Vergangenheit holt mich gedanklich immer wieder ein.“
Aufnahme in Reichersberg
Nach mehreren erfolglosen Versuchen, Aufnahme in einem österreichischen Kloster zu finden, kamen er und sein Bruder auf Anraten eines Innviertler Priesters nach Reichersberg. Sie wurden als Konrad und Roman ins Novizitat aufgenommen.
Priesterweihe und Leiter des Kirchenchors
Nach theologischen Studien in St. Florian wurde Foissner 1951 zum Priester geweiht. Schon früh zeigte sich seine musikalische Begabung. Nach einer Ausbildung am Brucknerkonservatorium leitete er ab 1954 den Reichersberger Kirchenchor und führte ihn zu großen Erfolgen im In- und Ausland.
Herausforderungen als Rentmeister
1958 übernahm er das Amt des Rentmeisters des Stiftes Reichersberg, das er über viele Jahre prägte. In einer wirtschaftlich schwierigen Zeit leitete er umfangreiche strukturelle und kulturelle Entwicklungen ein, darunter die Erneuerung der Weinkellerei, den Ausbau des Fremdenverkehrs, zwei Landesausstellungen sowie die Errichtung des Bildungshauses und einer neuen Stiftsorgel. Auch als Förderer der Kunst machte er sich einen Namen.
Erster Computer mit 75
Er selbst war ein guter Fotograf. Um seine Bilder besser bearbeiten zu können, schaffte er sich mit 75 Jahren seinen ersten Computer an.
Viele Ehrungen
Für seine Verdienste erhielt Foissner zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Goldene Verdienstzeichen und die Kulturmedaille des Landes Oberösterreich. Er wurde Konsulent der Oberösterreichischen Landesregierung und Ehrenringträger sowie Ehrenbürger der Gemeinde Reichersberg.
Seelsorgliche Arbeit
Bis ins hohe Alter leistete er seelsorgliche Aushilfen. Ein Oberschenkelbruch nach einem Sturz Ende November leitete seine letzte irdische Lebensphase ein.
Begräbnis am 22. Jänner
Für den Verstorbenen wird am Mittwoch, 21. Jänner, um 19 Uhr in der Stiftskirche Reichersberg gebetet. Der Begräbnisgottesdienst findet am Donnerstag, 22. Jänner, ab 10 Uhr ebenfalls in der Stiftskirche statt. Anschließend findet er am Ortsfriedhof seine letzte Ruhe.
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