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„Ich bin sicher, dass wir in der Bundesliga eine gute Rolle spielen werden“

Walter Horn, 25.07.2026 11:11

RIED. Thomas Gahleitner ist seit Mai 2023 Präsident der SV Ried. In diese Zeit fielen ein Abstieg, ein Aufstieg, die starke vorige Saison und eine Umstrukturierung des Vereins vom Nachwuchs bis zu den Profis mit dem Ziel, die SV Ried dauerhaft in der Bundesliga zu etablieren.

Thomas Gahleitner: ein optimistischer Vereinspräsident (Foto: SVR / Schröckelsberger)
Thomas Gahleitner: ein optimistischer Vereinspräsident (Foto: SVR / Schröckelsberger)

Tips: Können Sie die vergangene Saison in ein oder zwei Sätzen zusammenfassen?

Thomas Gahleitner: Grundsätzlich sind wir sehr stolz auf das, was wir in der vergangenen Saison erreicht haben. Ich habe schon beim Trainingsauftakt in Geinberg gesagt: Wenn wir Außergewöhnliches leisten, sind wir auch imstande, Außergewöhnliches zu erreichen. Genau das ist eingetreten. Darauf sind wir sehr stolz. Das gibt uns auch für die aktuelle und neue Saison sehr viel Selbstvertrauen – auch wenn man bekanntlich weiß, dass die zweite Saison meistens sehr schwierig ist.

Tips: Was war für Sie der persönliche Saisonhöhepunkt? Ein sportlicher Moment oder auch eine Entscheidung im Hintergrund?

Thomas Gahleitner: Es hat viele Höhepunkte gegeben. Erstens das Abschneiden im Cup, mit dem wir sehr zufrieden waren. Natürlich der Sieg gegen den LASK oder generell die Derbys, die für mich persönlich und für den Verein sehr wichtig sind. Aber insgesamt war die Saison ein Erfolg, weil wir unser Ziel, den Klassenerhalt, geschafft haben.

Tips: Die SV Ried ist als Verein bekannt, der sehr gut haushaltet. Jetzt haben Sie ziemlich hohe Transfererlöse erzielt. Was passiert mit dem Geld?

Thomas Gahleitner: Man muss grundsätzlich sagen, dass das System SV Ried immer so funktioniert, dass wir ein wirtschaftlich gutes Fundament haben. Wir sind aber nicht nur ein Sparverein, sondern auch ein Sportverein. Bei uns ist im Jahresbudget aber auch klar verankert, dass Transfereinnahmen lukriert werden. Heuer war durch einige Top-Transfers ein gewisser Überhang da. Man muss aber auch sagen, dass wir aufgrund der Zeit in der zweiten Liga noch ein leichtes Defizit gutzumachen haben. Dabei helfen uns die Erträge natürlich: auf der einen Seite, um das wirtschaftliche Fundament wieder positiv darzustellen, auf der anderen Seite investieren wir auch einen sehr großen Anteil wieder in die Spieler, die Mannschaft und das Umfeld.

Tips: Das große Investitionsprogramm hat damit aber nichts zu tun.

Thomas Gahleitner: Das Thema Infrastruktur ist – wie auch in der Vergangenheit – immer ein eigenes Paket. Auch das jetzige Paket ist ganz klar durchkalkuliert und geplant. Wir haben vor, in der nächsten Ära 16 Millionen Euro zu investieren – mit großer Unterstützung vom Land Oberösterreich, wofür wir auch Danke sagen müssen. Aber das ist ein eigenes Paket mit eigenen Finanzierungen. Das werden wir so wie bisher handhaben und entsprechend ausfinanzieren.

Tips:: War die Landesbeihilfeauch deswegen so hoch, weil Blau-Weiß und LASK jahrelang wesentlich mehr bekommen haben als die SV Ried?

Thomas Gahleitner: Das hat damit eigentlich gar nichts zu tun. Wir haben eine gute Sponsorenlandschaft und eine gute Unterstützung vom Land Oberösterreich. Ich konzentriere mich nicht auf andere Vereine – schon gar nicht, auch wenn es grundsätzlich vielleicht emotional ist, wenn es um die Kollegen im Land Oberösterreich geht.

Ich finde es gut, dass es einen sehr starken Hauptstadtverein gibt wie den LASK. Ich finde es auch schade, dass Blau-Weiß Linz nicht mehr in der Liga ist. Wie wir in der letzten Saison gesehen haben, haben die Derbys die Liga und auch unseren Verein beflügelt.

Wir haben vorher von großen Momenten gesprochen – dazu gehören die Derbys. Derbys sind im Land sehr wichtig: für Sponsoren, für Werbewerte, natürlich auch für die Fans, für eine gewisse Rivalität und für Emotionen, die im Fußball dazugehören.

Tips: Wenn das große Investitionsprogramm einmal umgesetzt ist: Wonach beurteilen Sie, ob es wirklich ein Erfolg war?

Thomas Gahleitner: Wenn ich das erst beurteile, wenn wir fertig sind und 16 Millionen Euro verbaut haben, dann ist es wahrscheinlich zu spät. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass ich als Präsident gemeinsam mit meinem Vorstand Visionen und Ideen für die nächsten Jahre habe: wohin wir den Verein in den nächsten fünf beziehungsweise zehn Jahren bewegen wollen und wie wir ihn wirtschaftlich und sportlich und mit der Infrastruktur aufstellen wollen. Wir haben eine Bedarfsanalyse durchgeführt. Wir wissen, was unser Verein braucht, was unsere Fans, unsere Sponsoren und Partner brauchen.

Tips: Sportlich gibt es einen großen Umbruch. Was glauben Sie, wie lange dauert es, bis die Mannschaft wieder wirklich stabil ist?

Thomas Gahleitner: Ich bin bereits jetzt positiv überrascht, wie stark und wie gut unser Kader und unsere Mannschaft sind. Wir haben im Transferzeitraum noch etwas zu tun, vor allem im Bereich der Sechzehner – damit meine ich den Bereich Verteidiger, Innenverteidiger und Stürmer. Aber wir haben einen sehr guten, sehr stabilen Kader, der sehr schlagkräftig ist und bei dem wir Qualität dazugewonnen haben.

Natürlich ist es ein großer Umbruch, und ein großer Umbruch braucht immer Zeit. Aber ich bin jetzt schon überzeugt, dass wir mit einem ordentlichen Kader starten und von Spiel zu Spiel stärker werden. Ich bin sicher, dass wir in der Bundesliga eine gute Rolle spielen werden.

Tips: Das heißt, Sie glauben, dass man der Mannschaft schon relativ bald starke Leistungen zutrauen kann?

Thomas Gahleitner: Wir haben vor allem im Test gegen Rot-Weiß Essen gesehen, was die Mannschaft kann. Hinten spielen wir aktuell sehr stabil, aber noch mehr Stabilität und Sicherheit kann nicht schaden. Vorne brauchen wir vielleicht noch eine gewisse Kaltschnäuzigkeit.

Wir wissen, die Saison ist lang hoffentlich, weil wir hoffentlich im Cup wieder weit kommen. Somit brauchen wir auch eine gute Bank, von der wir Qualität bringen können. Darum müssen wir den Kader sicher noch ein bisschen breiter aufstellen. Aber grundsätzlich haben wir einen Top-Kader, dem ich vertraue.

Tips: War der Umbruch in dieser Dimension geplant?

Thomas Gahleitner: Dass er so groß wird, war nicht absehbar oder zu erwarten. Ich sehe das aber als große Auszeichnung dafür, dass wir sportlich und mit unserer Philosophie im gesamten Verein sehr viel richtig machen. Ried lebt davon, Transfers zu haben. In diesem Fall hat es sehr viele Transfers gegeben, weil wir sehr viel richtig gemacht haben. Jetzt gilt es, das Gleiche auch für die Zukunft wieder zu bringen, weil das bestätigen würde, dass unsere Arbeit richtig ist. Aber es ist natürlich immer mit harter Arbeit verbunden.

Tips: Welche Handschrift erwarten Sie vom Trainer? Mehr Intensität, mehr Ballbesitz, mehr defensive Ordnung?

Thomas Gahleitner: Mario Despotovic hat mich in den persönlichen Gesprächen überzeugt. Er ist ein sehr intelligenter und motivierter Trainer, der die Fußballidee, die wir in den letzten Jahren hatten und weiter voranbringen wollen, mitträgt. Wir ticken sehr ähnlich.

Wie es auch unter Max Senft und seinem Team war, wird Mario seine besondere Handschrift haben. Wahrscheinlich wird sie darin bestehen, dass er noch einen Tick offensiver spielen lässt, noch mehr Fußball spielen lässt und den einzelnen Spielern vor allem mehr Freiraum geben wird als vielleicht in der Saison zuvor. Es wird mehr individuellen Gestaltungsfreiraum geben. Max hat ja alles im Detail genau vorgegeben. Mario will, dass sich die Spieler persönlich mehr entwickeln.

Das wird ganz sicher seine Handschrift sein: Die Spieler dürfen sich selbst mehr Freiraum schaffen und können sich dadurch auch mehr entwickeln. Dadurch wird es ein freieres, dynamischeres Spiel. Man kann das auch positiv für Fans und Sponsoren sehen: Der eine oder andere Spieler wird vielleicht einmal mehr individuell und attraktiver ins Dribbling gehen oder Aktionen und Akzente setzen, die nicht nur spielerisch wichtig sind, sondern auch den einen oder anderen Fan mitnehmen.

Tips: Wie geht es mit den mit den Jungen Wikingern weiter? Ohne die Liga-Reform wären sie abgestiegen.

Thomas Gahleitner: Man muss dazu sagen, dass die gesamte Situation bei den Jungen Wikingern sicher nicht einfach war. Wir haben aber trotzdem gesehen, dass die Entwicklung in eine positive und richtige Richtung geht. Ich bin davon überzeugt, dass die letzte Saison – auch wenn sie nicht einfach war – wichtig für das war, was wir dort in der heurigen Saison aufbauen und weiterentwickeln werden.

Tips: Und mit den Akademie-Teams: Kann man genug Spieler nachziehen?

Thomas Gahleitner: Wir haben in der Akademie und generell im Nachwuchs – auch bei den Jungen Wikingern – einen gewissen Umbruch. Das sind im Endeffekt die Profis von morgen. Das ist ein Schwerpunkt für uns, auf den wir uns konzentrieren wollen. Wir haben viele neue Besetzungen in der Akademie und im Nachwuchsbereich. Da wollen wir richtig Gas geben und gute Entwicklungen hineinbringen.

Tips: Es waren ja einige dabei, die in dieser Saison den Sprung in den Stamm geschafft haben.

Thomas Gahleitner: Manche dauerhaft und manche auch nur zeitweise. Wenn man sich den Kader anschaut – was aus der eigenen Akademie und aus der eigenen Jugend herausgekommen ist, was wir jetzt wieder hochgezogen haben und wer im Kader beziehungsweise im Trainingslager dabei war –, dann glaube ich, dass wir schon auf einem sehr richtigen Weg sind. Darum habe ich gesagt, dass wir zusätzlich investieren wollen. Solche Entwicklungen dauern oft am längsten. Aber wir sind zu 100 Prozent überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Man muss auch sagen: Eine eigene Akademie kostet richtig viel Geld. Das darf man nicht unterschätzen. Neben einem Profibetrieb ist das eine echte Herausforderung. Dieser Herausforderung wollen wir uns stellen und sie annehmen.

Tips: Sie machen jetzt mit dem SV Hohenzell eine Kooperation bei der Nutzung von Trainingsplätzen?

Thomas Gahleitner: Das ist eine Kooperation, bei der wir gemeinsame Synergien nutzen. Wir brauchen für unseren Nachwuchs, vor allem für die jungen Wikinger und die Akademie, zusätzliche Plätze, die wir nicht haben. Geplant war, in Hohenzell bei unserer eigenen Akademie zwei Plätze zu errichten. Dabei gibt es aber Probleme mit dem Erwerb von Grundstücken.

Wir haben jetzt vor, dort statt zwei Plätzen einen Platz zu errichten. Die Kooperation mit Hohenzell sind wir eingegangen, weil wir den Platz gemeinsam nutzen können. Ich glaube, dass auch der nachhaltige und ökologische Gedanke beider Vereine in Einklang gebracht werden muss – als Vorzeigeprojekt in der Region, das zeigt, dass man gemeinsam etwas machen kann. Der Platz gehört Hohenzell. Wir leisten einen finanziellen Beitrag für die Nutzung und die Erhaltung des Platzes, und Hohenzell bekommt dadurch, dass wir den Platz gemeinsam nutzen, entsprechende Landesförderung.

Das Land fördert Projekte natürlich stärker, wenn man sie gemeinsam macht, weil dadurch bei uns weniger Zuschuss notwendig ist. Ein schönes Win-win für das Land Oberösterreich, für Hohenzell und für uns. Ich glaube auch, dass der ökonomische und der soziale Gedanke entsprechend in Einklang kommen.


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