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Vier Bürgermeisterinnen im Bezirk: „Die schönen Momente wiegen alles andere auf“

Walter Horn, 01.03.2022 19:55

BEZIRK RIED. Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März hat Tips die vier Bürgermeisterinnen im Bezirk über ihre Erfahrungen in der Politik befragt.

Petra Mies (SPÖ), seit 2019 Bürgermeisterin von Gurten (Foto: SPÖ)
  1 / 4   Petra Mies (SPÖ), seit 2019 Bürgermeisterin von Gurten (Foto: SPÖ)

Alle vier bekamen die gleichen Fragen:

1. Aus welchem Grund sind Sie in die Politik gegangen?

2. Wussten Sie damals schon, dass Sie Bürgermeisterin werden wollen? Wie hat sich das ergeben?

3. Haben Sie Ihre Entscheidung schon einmal bereut? Raten Sie anderen Frauen, in die Politik zu gehen?

4. Worauf sollten Frauen in der Politik achten, was sollten sie unbedingt vermeiden?

Angela Helm (ÖVP), seit 2021 Bürgermeisterin von Senftenbach

1. Aus welchem Grund sind Sie in die Politik gegangen?

Ich wurde vor zirka 15 Jahren gefragt, ob ich in der Fraktion mitarbeiten würde. Dies war eine ganz neue Erfahrung für mich, da ich davor überhaupt nicht politisch engagiert war. Doch gerade auf Ortsebene ist es eine sehr schöne Aufgabe, mitgestalten zu dürfen.

2. Wussten Sie damals schon, dass Sie Bürgermeisterin werden wollen? Wie hat sich das ergeben?

Es war nie mein Ziel, Bürgermeisterin zu werden. Als ich 2012 zur Parteiobfrau gewählt und 2015 Vizebürgermeisterin wurde, war das eine verantwortungsvolle Herausforderung, die ich gerne annahm; aber ganz vorne stehen war nie ein Thema. Da unser damaliger Bürgermeister beruflich letztes Jahr nicht mehr zur Wiederwahl bereit stand, war es eine sehr lange und wichtige Überlegung, ob ich als erste Frau in Senftenbach kandidieren soll.

3. Haben Sie Ihre Entscheidung schon einmal bereut? Raten Sie anderen Frauen, in die Politik zu gehen?

Bereut habe ich die Entscheidung bis jetzt noch nicht. Ich bin gerne im Austausch mit den Mitbürgern und auch auf Bezirksebene mit den Kollegen. Da ich auch bei den ÖVP-Frauen im Bezirk im Vorstand bin, sehe ich, dass viele Themen, die Frauen betreffen, einfach von Frauen besser verstanden und umgesetzt werden. Darum  ist es auf jeden Fall wichtig, dass mehr Frauen in die Politik gehen.

4. Worauf sollten Frauen in der Politik achten, was sollten sie unbedingt vermeiden?

Wir Frauen neigen doch eher dazu, alles sehr persönlich zu nehmen. Ich habe mir bei Amtsantritt sagen lassen: Es müssen Entscheidungen getroffen werden, diese werden nicht immer allen gefallen, aber damit muss ich umgehen lernen. Und jede Entscheidung ist besser als keine Entscheidung zu treffen.

Petra Mies (SPÖ), seit 2019 Bürgermeisterin von Gurten

1. Aus welchem Grund sind Sie in die Politik gegangen?

Mein Vater war viele Jahre Mitglied des Gemeinderates in Gurten. Es wurde zu Hause immer viel über Politik und Gemeindeprojekte diskutiert. Aus diesem Interesse und der Möglichkeit im Gemeinderat mitreden zu können, bin ich 1997 als erste Frau der SPÖ-Fraktion in den Gemeinderat gewählt worden.

2. Wussten Sie damals schon, dass Sie Bürgermeisterin werden wollen? Wie hat sich das ergeben?

Ich hatte nie vor, mich für das Bürgermeisteramt zu bewerben, davor hatte ich immer sehr großen Respekt. 2014 wurde ich gefragt, ob ich antreten möchte. Nach dem guten Ergebnis habe ich 2019 nochmals kandidiert – mit dem Ergebnis, dass ich im ersten Wahlgang gewählt worden bin. Es war genauso wie 2021 eine Riesenüberraschung für mich, dass mich die Bürgerinnen und Bürger gewählt haben.

3. Haben Sie Ihre Entscheidung schon einmal bereut? Raten Sie anderen Frauen, in die Politik zu gehen?

Ganz ehrlich, es gab Situationen, in denen ich nachgedacht habe, ob es die richtige Entscheidung war. Letztendlich war es aber richtig, denn ich bin den Gurtner Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet und es gibt so viele schöne Momente, die alles andere aufwiegen. Ich kann nur jede Frau ermutigen, sich politisch zu engagieren. Frauen bringen andere Sichtweisen ein, die oft neue Lösungsansätze ermöglichen. Leider denken Frauen oft viel zu viel nach, ob sie ein politisches Amt ausüben können  – Männer machen es einfach.

4. Worauf sollten Frauen in der Politik achten, was sollten sie unbedingt vermeiden?

Frauen sollten gerade in männerdominierten Bereichen, wie es die Gemeindepolitik ist, selbstbewusst auftreten. Leider haben sie öfters große Selbstzweifel wegen ihres eigenen Wissens und Könnens. Dadurch lassen sie sich leicht von Problemen und Verhaltensweisen des Gegenübers einschüchtern.

Roswitha Schachinger (SPÖ), seit 2009 Bürgermeisterin von Wippenham

1. Aus welchem Grund sind Sie in die Politik gegangen?

Die Politik hat mich schon immer interessiert und wir haben in Wippenham eine sehr gute sozialdemokratische Familie, in der ich mich als Sozialdemokratin sofort wohlgefühlt habe.

2. Wussten Sie damals schon, dass Sie Bürgermeisterin werden wollen? Wie hat sich das ergeben?

Im kommunalen Bereich hat man einen gewissen Gestaltungsrahmen, um das Leben in unserem Umfeld mitzugestalten. Das Bürgermeisteramt habe ich damals überhaupt nicht ins Auge gefasst, aber als sich 2009 bei der Wahl kein Kandidat aus unserer Fraktion für das Amt stellen wollte, hab ich mich dazu entschlossen, zu kandidieren. Mit dem Wahlergebnis konnte ich aber weiß Gott nicht rechnen.

3. Haben Sie Ihre Entscheidung schon einmal bereut? Raten Sie anderen Frauen, in die Politik zu gehen?

Schwierige Situationen gibt es in jedem Job, so auch beim Bürgermeisteramt. Es ist auch schon manchmal vorgekommen, dass ich mich gefragt habe „Wieso tust du dir denn das an?“. Wenn ich aber noch einmal vor der Entscheidung stehen würde, ob ich kandidieren soll, würde ich mich auf jeden Fall dafür entscheiden. Ich kann nach meiner langjährigen Erfahrung nur jede Frau motivieren, zu kandidieren.

4. Worauf sollten Frauen in der Politik achten, was sollten sie unbedingt vermeiden?

Es ist eine schöne Aufgabe und wir Frauen können diese Aufgaben genauso gut bewältigen wie Männer. Vermeiden sollten Frauen nichts, im Gegenteil: Man soll Zukunftsvisionen haben und sich darauf konzentrieren, das Leben so lebenswert wie möglich für unsere Bürger zu gestalten.

Margot Zahrer (ÖVP), seit 2015 Bürgermeiterin von Eitzing

1. Aus welchem Grund sind Sie in die Politik gegangen?

Ich wurde gefragt, ob ich in der Gemeinde oder für die Gemeinde mitarbeiten möchte. Damals dachte ich nicht daran, dass ich einmal Bürgermeisterin werden könnte.

2. Wussten Sie damals schon, dass Sie Bürgermeisterin werden wollen? Wie hat sich das ergeben?

Nach zwölf Jahren Tätigkeit im Gemeinderat, neun Jahre davon als Vizebürgermeisterin, ergab es sich, dass der damalige Bürgermeister Friedrich Freund nicht mehr kandidierte und ich mich für dieses Amt zur Verfügung stellte.

3. Haben Sie Ihre Entscheidung schon einmal bereut? Raten Sie anderen Frauen, in die Politik zu gehen?

Wie in jeder Tätigkeit, gibt es auch im Beruf der Bürgermeisterin Höhen und Tiefen. Aber die Möglichkeit, eine Gemeinde weiterzuentwickeln und für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger da zu sein, ist eine sehr schöne Aufgabe, bei der die positiven Aspekte bei Weitem überwiegen. Ich freue mich über jeden Einzelnen, ob männlich oder weiblich, der sich in der Gemeinde engagiert. Denn alle, die sich mit ihren Ideen und Anregungen in das gemeinschaftliche Leben einbringen, helfen, eine Gemeinde zu gestalten und zu beleben.

4. Worauf sollten Frauen in der Politik achten, was sollten sie unbedingt vermeiden?

Frauen können gut organisieren, helfen in vielen Organisationen mit, haben gute Ideen und sind gerne bereit, sich für andere einzusetzen. Sie sollten auf jeden Fall darauf achten, sich und ihre Fähigkeiten nicht zu unterschätzen.


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