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Kürzungen bedrohen Jugendarbeit und gewachsene Strukturen der Rieder Vereine

Walter Horn, 25.03.2024 13:00

RIED. Ohne beschlossenes Budget kann die Stadt Ried derzeit nur die notwendigsten Ausgaben tätigen. Der Haushalts-Voranschlag für 2024, der die Streichung fast aller Vereinssubventionen vorsieht, steht in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag erneut zur Abstimmung, zusammen mit einem „Sonderbudget Existenzsicherung Vereine“. Tips fragte einige Vereinsvertreter, was es für die Vereine bedeuten würde, wenn die städtischen Förderungen wegfallen.

Der UVC McDonalds Ried überlegt, internationale Spiele, wie im November gegen Steaua Bukarest, zu streichen. (Foto: Tips / Horn)

Natürlich wirken sich die Streichungen sehr unterschiedlich auf die Vereine aus. Am härtesten trifft es Vereine, die eine eigene Infrastruktur unterhalten, womöglich auch Personalausgaben haben und die einen langfristigen Veranstaltungs- oder Wettbewerbsbetrieb organisieren.

Müsste ein Verein jetzt seinen Betrieb einstellen, würde es auch nicht helfen, wenn die Förderungen nach ein paar oder auch nur einem Jahr wieder fließen sollten. Vereinseigentum ist im Zweifel verkauft, Mietverträge sind gekündigt, die Strukturen sind zerstört. Zudem ist es keinem der oft seit vielen Jahren ehrenamtlich und mit großem Zeitaufwand Tätigen zuzumuten, unverschuldet wieder bei Null anfangen zu müssen.

Dazu kommt, dass die Förderungen an die Vereine zum größten Teil wieder in Ried in Umlauf kommen. Wenn wegen des Wegfalls der städtischen Unterstützung Vereine ihre Tätigkeit einstellen müssen, fallen auch die Förderungen von Bund und Land weg, die ebenfalls auf Umwegen der Stadt zu Gute kommen. Dabei geht es langfristig um Millionenbeträge. Davon profitieren nicht nur Hotellerie und Gastronomie, sondern beispielsweise auch Druckereien und nicht zuletzt Schüler, die sich mit kleinen Jobs etwas Geld verdienen. Die Umwegrentabilität, gerade bei der Kultur, ist enorm.

Volleyball

„Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Mitglieder und Akteure und alle Ehrenamtlichen“, sagt UVC-Obmann Roman Lutz. Die Volleyballer leiden ohnehin schon unter den gestiegenen Energiekosten für den Volleydome.

„Es geht so weit, dass wir überlegen, bei der Bundesligamannschaft die internationalen Auftritte zu streichen und keine Legionäre mehr zu verpflichten. Aber wir brauchen die Bundesliga, damit wir attraktiv genug sind, um Kinder für den Nachwuchs in der Randsportart Volleyball zu begeistern.“

Es gibt auch Überlegungen, den Mitgliedsbeitrag anzuheben. Der geht allerdings nicht an die Sektion Volleyball, sondern an den Gesamtverein Union Ried.

Die Kürzungen kämen zudem zum schlimmstmöglichen Zeitpunkt, weist Lutz auf einen weiteren Aspekt hin: „Wegen der Wirtschaftslage ist es derzeit schwerer, Sponsoren zu finden und zu behalten.“

Tennis

Für den Tennisverein wäre der Wegfall der Subvention von etwa 4.600 Euro nicht existenzbedrohend, sagt Obmann-Stellvertreter Florian Reiter.

Allerdings wartet der Verein auf die Zusage der Stadt für ihren Anteil an der Sportstättenförderung für die dringend nötige Sanierung der Tennisplätze. Kommt diese nicht, gebe es auch kein Okay vom Land.

„Stirbt der 'Freiplatzverein', hat das auch Konsequenzen für die Tennishalle“, sagt Reiter: „Wir haben den Anspruch, für die ganze Region Nachwuchstraining anzubieten. Falls wir unsere Preise nicht mehr halten können, hat das Auswirkungen auf die Tennisvereine der ganzen Region, wenn ihre Kinder sich das nicht mehr leisten können.“

Leichtathletik

LAG-Obmann Wolfgang Zweimüller sieht auch den Verein in der Verantwortung: „Ich hoffe, dass der Wegfall der Subventionen für uns nicht existenzbedrohend ist, aber wir werden sicher den Gürtel enger schnallen müssen. Wir müssen in Zukunft professioneller arbeiten, mehr Sponsoren auftreiben und dürfen uns nicht auf 'Zuckerl' stützen.“

Die Leichtathletik müsse sich ganz allgemein besser verkaufen: „Wenn man beim Tennis oder Golf eine Trainerstunde will, ist es selbstverständlich, dafür zu zahlen. Bei uns ist das im Mitgliedsbeitrag enthalten.“

KiK

Das Worst Case Scenario für den Kulturverein „Kultur im Keller“ (KiK) wäre laut Obmann Florian Bauböck, „dass wir Ende des Jahres zusperren müssen.“ Und das, obwohl der Verein als einer der wenigen Kulturvereine einen Eigenfinanzierungsanteil von 60 Prozent hat.

Wegen der Kürzungen im vorigen Jahr ist das KiK schon mit einem Minus ins aktuelle Jahr gegangen und hat die Zahl der Veranstaltungen reduziert. „Weil wir ein gemeinnütziger Verein sind, dürfen wir keine Rücklagen bilden. Wir sind daher jedes Jahr wieder von den Fördergebern abhängig.“ Ob Bund und Land für die ausfallenden Förderungen der Stadt einspringen, sei nicht sicher, meint Bauböck.

Auch die Suche nach Sponsoren sei derzeit nicht einfach.

Zusätzlich macht die unsichere Budgetsituation auch eine im Kulturbetrieb notwendige langfristige Buchung von Veranstaltungen fast unmöglich.

Jeunesse, LMS-Kulturkreis

Musikschuldirektor Eduard Geroldinger befürchtet, dass die Jeunesse-Geschäftsstelle den Betrieb einstellen muss. „Das wäre eine Katastrophe, denn wir haben das Programm schon bis Juni 2025 geplant.“ In der Landesmusikschule könnten keine Instrumente mehr gekauft werden ganz aktuell geht es um eine Bassklarinette.

In einem offenen Brief an die Gemeindepolitiker schreibt er: „Eine dramatische Verschlechterung der Perspektiven für unsere Kinder und Jugendlichen gilt es sowohl im Bereich Sport als auch Kultur über alle Parteigrenzen hinweg abzuwehren.“

Geroldinger kritisiert die schlechte Information durch die Stadt: „Wenn man es vorher weiß, backt man kleinere Brötchen. So kommen die Akteure unter die Räder.“ Generell brauche die Stadt dringend positive Impulse, damit die Leute gerne herkommen. Die Sparmaßnahmen könnten eine Spirale nach unten auslösen.

Einen Rest von Optimismus oder Kampfgeist hat er sich aber bewahrt: „Ich weigere mich, aufzugeben.“

Innviertler Künstlergilde

Obmann-Stellvertreter Werner Bauböck: „Das wird uns heuer nicht umbringen. Wir haben ein Budget ohne Förderungen erstellt. Langfristig muss sich die Stadt aber schon bekennen. Wenn man sagt 'das ist es uns nicht wert', werden wir Konsequenzen ziehen.“


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