Riedauer Paul Vormayr lebte zehn Monate lang in Südindien

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Omer Tarabic Omer Tarabic, Tips Redaktion, 13.11.2019 11:12 Uhr

RIEDAU. Sein Freiwilliges Soziales Jahr verbrachte der 22-jährige Riedauer Paul Vormayr in einem christlichen Kinderheim in Südindien.

Tips: Herr Vormayr, wie kam es dazu, dass Sie Ihren zehnmonatigen Sozialdienst in Südindien absolvierten?

Vormayr: Auf die Idee kam ich, nachdem zwei Freunde von mir ihr Freiwilliges Soziales Jahr in Costa Rica verbracht hatten. Durch ihre Erzählungen wurde ich neugierig und habe mich beim Österreichischen Ausländerdienst informiert und anschließend beworben. Kurz darauf wurde ich zu einem Interessenten-Treffen nach Linz eingeladen und schließlich in die Organisation aufgenommen.

Tips: Warum haben Sie sich ausgerechnet für Indien entschieden?

Vormayr: Ich habe mich im Internet über die verschiedensten Länder, wo man das Sozialjahr verbringen kann, informiert und fand Indien sehr spannend.

Tips: Wussten Sie, was Sie in Indien erwartet?

Vormayr: Bevor ich geflogen bin, habe ich mich mit Father Leonard, dem Leiter des Waisenhauses, bei uns in Österreich getroffen. Er hat mir alles Wissenswerte erzählt und somit konnte ich mich schon vorab etwas auf die Reise einstellen.

Tips: Was haben Sie genau gemacht beziehungsweise wo waren Sie untergebracht?

Vormayr: Die Reise führte mich in die Mahalir Vidiyal Trust Station, ein Waisenhaus in dem rund 50 Kinder untergebracht sind. Dieses befindet sich in einem Dorf namens Vellakulam, das im Bundesstaat Tamil Nadu in Südindien liegt. Im selben Komplex ist auch eine Schule untergebracht, die rund 500 Kinder besuchen. Da ich gelernter Tischler bin, habe ich mit den Kindern verschiedenste Tischlerarbeiten erledigt und ihnen, so viel ich konnte, über die Arbeit eines Tischlers beigebracht.

Tips: Hatten Sie eine eigene Werkstatt zur Verfügung?

Vormayr: Die Werkstatt wurde eigens für meinen Aufenthalt errichtet. Das notwendigste Werkzeug, wie zum Beispiel eine Handhobel, hat mir mein Arbeitgeber, die Firma Team 7 aus Ried im Innkreis, zur Verfügung gestellt. Weiters haben wir dann in Indien eine Tischkreissäge gekauft. Ich musste mit den einfachsten Mitteln, die mir zur Verfügung standen, arbeiten. Kein Vergleich zu meiner Arbeit bei Team 7, wo wir über die modernsten Maschinen verfügen.

Tips: Also auch für Sie eine ganz neue Erfahrung?

Vormayr: Absolut. Aber man lernt unheimlich schnell zu improvisieren und mit den einfachsten Mitteln auszukommen. Diese Erfahrung ist für mich auf alle Fälle sehr hilfreich.

Tips: Wie viele Kinder haben Sie unterrichtet?

Vormayr: Father Leonard hat im Vorhinein die vier handwerklich geschicktesten Schüler ausgesucht, für die ich dann verantwortlich war. Ich habe jeden Tag abends nach der Schule beziehungsweise am Wochenende und an Feiertagen ganztags mit ihnen gearbeitet. Weiters habe ich alle notwendigen Reparaturen erledigt, die im Waisenhaus angefallen sind.

Tips: Den ganzen Tag Schule, dann noch in die Werkstatt. Wie sah es mit der Motivation der Kinder aus?

Vormayr: Das Verhalten der Kinder hat mich absolut fasziniert. Sie waren oft bis 17 Uhr in der Schule und haben sich trotzdem irrsinnig auf die Arbeit mit mir gefreut. Sie wollten so viel wie möglich lernen.

Tips: Was für einen Eindruck hat Indien beziehungsweise die Menschen dort auf Sie hinterlassen?

Vormayr: Indien ist ein wirklich armes Land. Die Menschen haben nicht viel. In Vellakulam blieb sieben Jahre lang die Regenperiode aus. Die Wasserversorgung haben zwei Brunnen gewährleistet. Einer davon ist während meines Aufenthaltes ausgetrocknet. Die Inder leben sehr sparsam. Es wird kaum Wasser verschwendet.

Tips: Welche Schlüsse konnten Sie aus Ihrem Aufenthalt ziehen?

Vormayr: Wir sollten uns vor Augen führen, dass es nicht allen Menschen auf der Welt so gut geht wie uns in Österreich. In manchen Regionen der Welt ist es nicht selbstverständlich, dass man den Wasserhahn aufdreht und das Wasser sprudelt nur so raus.

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