Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

Das lange Leben des Abfalls in der Natur: Gegen achtloses Wegschmeißen hilft nur bessere Bewusstseinsbildung

Martina Gahleitner, 02.02.2017 06:10

BEZIRK ROHRBACH. Müll verschwindet nicht. Hunderte Jahre bleibt die achtlos weggeschmissene PET-Flasche auf der grünen Wiese liegen, 40 Jahre die Plastiktasche, sogar die Bananenschale überdauert ein Jahr in der Natur. Jetzt noch gut unter dem Schnee versteckt, kommen mit dem Tauwetter wieder Unmengen von Abfällen zum Vorschein. Deshalb startet der Bezirksabfallverband auch heuer die Flursäuberungsaktion „Hui statt Pfui“ in den Gemeinden – ein Aufruf zum großen Saubermachen, das eigentlich gar nicht notwendig sein sollte.
 

Die Flügel haben nicht bis zum nächsten Abfallkorb gereicht. Foto: BAV Rohrbach
Die Flügel haben nicht bis zum nächsten Abfallkorb gereicht. Foto: BAV Rohrbach

780 umweltbewusste Menschen aus 21 Gemeinden haben sich im Vorjahr an der Aktion beteiligt und entlang von Straßen, Wegen, in Wäldern oder bei Bächen freiwillig den Müll anderer eingesammelt. 268 Säcke kamen zusammen. Aufgeräumt wird aber nicht nur im Frühjahr, wie Abfallberaterin Ursula Salomon informiert: „Die Straßenmeisterei-Mitarbeiter sammeln regelmäßig zusammen, was sie neben der Straße finden. Das sind ganze 650 Kilo oder 10.000 Liter jedes Jahr. Vielen ist gar nicht bewusst, wie viel in der Natur herumliegt – einfach, weil es ohnehin jemand wegräumt. Dieses Zusammenräumen kostet aber der Allgemeinheit 3400 Euro jährlich“, zeigt Salomon auch die finanziellen Folgen des gedankenlosen Wegschmeißens, des Litterings, auf.

Müll fliegt beim Autofenster raus

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Allein am Streckenabschnitt Lembach-Altenfelden-Rohrbach kommen in einem Jahr 2000 Aludosen, 1900 Zigarettenschachteln und 1000 PET-Flaschen zusammen (laut einem Projekt des BAV mit der HAK Rohrbach vor zwei Jahren). „Ein großes Problem sind die Take Away-Verpackungen und Coffee to go-Becher“, ergänzt die Abfallberaterin: „Die Jause wird gekauft, gegessen und keine hundert Meter weiter wird die Verpackung aus dem Autofenster geschmissen. Denn im Auto will man den Abfall nicht haben“, kritisiert sie die Wegwerf-Mentalität.

Die Zahlen mögen zwar von vor zwei Jahren sein, gebessert hat sich aber in der Zwischenzeit nichts. „Man müsste schon bei den jungen Autofahrern ansetzen und ihnen nicht nur das Verhalten im Straßenverkehr, sondern auch der Umwelt gegenüber zeigen“, sagt Salomon. Allerdings sei das schwierig. Bessere Bewusstseinsbildung und auch verstärkt persönliche Gespräche sind für sie aber der einzig mögliche Weg, das Problem in den Griff zu bekommen.

Schlimme Folgen

Littering, das eine reine Sache der Bequemlichkeit ist, hat für den Verursacher keine Konsequenzen, „das wird eigentlich als Kavaliersdelikt gesehen“, bedauert Salomon.  Die Folgen für die Umwelt und die Natur hingegen sind enorm, wie das Projekt der Schüler ebenfalls deutlich machte: Bei der Zersetzung werden giftige Stoffe frei, die Pflanzen, Tiere und Menschen gefährden können; diese Gifte gelangen auch in den Boden oder ins Grundwasser. „Wir tragen mit solchem Verhalten zu den Plastikbergen im Meer bei“, ist die BAV-Expertin überzeugt.

Gesunde Donaufische

Dass Plastik und Müll in der Donau wieder mehr werden, kann auch Erich Aumüller bestätigen. Anders als in den Ozeanen, wo Fische Plastik als vermeintliches Futter sehen und dann bei vollen Mägen verhungern, ist das in den heimischen Gewässern aber kein Problem. Bei den Donaufischen sei ihm noch nichts aufgefallen, sagt Aumüller, der in seinem Fischgasthof in Obermühl viele Fische verarbeitet. 

Neben dem Littering beschäftigt auch die Lebensmittelverschwendung den Bezirksabfallverband. 40 Kilo landen pro Haushalt jedes Jahr im Müll, zum Großteil originalverpackt. Die aktuelle Kampagne „Is nu guat“ will vor allem jungen Leuten den vernünftigen Umgang mit Lebensmitteln zeigen. Denn ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum oder optische Fehler sind nicht tödlich (www.is-nu-guat.at).


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden