Leben am Land wird von den jungen Leuten wieder mehr geschätzt
BEZIRK ROHRBACH. In Oberösterreich gibt es viele starke Gemeinden und Regionen. Doch auch hier macht die Landflucht nicht Halt. Trotz Wachstum der oberösterreichischen Bevölkerung verliert ein Drittel der Gemeinden ihre Einwohner. Als Regionalmedium greift Tips das Thema Landflucht im März auf und gibt einen Überblick über die Situation im Bezirk. Mit welchen Problemen haben die Regionen zu kämpfen? Und wie wird dagegen vorgegangen?

In den Jahren 2010 bis 2016 brachte der Wanderungssaldo ein Minus von zehn Personen für den Bezirk. Das heißt nichts anderes, als dass insgesamt um zehn Menschen mehr abgewandert als zugezogen sind. Klingt erst einmal nicht viel. Schaut man sich aber einzelne Gemeinden an, sind die Zahlen dort sehr hoch. Pfarrkirchen ist mit einer Abwanderung von 104 Personen die Negativ-Hochburg im Bezirk Rohrbach, dicht gefolgt von Julbach und Peilstein.
Vereine als wichtige Säule
Pfarrkirchens Bürgermeister Hermann Gierlinger sieht das Thema nicht so dramatisch und verweist auf die trotz der Abwanderung relativ konstanten Bevölkerungszahlen seiner Gemeinde. Man arbeite aber immer daran, Pfarrkirchen attraktiver zu gestalten: „Die Herausforderung ist es, qualifizierte Arbeitsplätze in die Region zu holen. Eine große Rolle spielen auch die Vereine, die eine Verbundenheit zum Ort schaffen“, ist Gierlinger überzeugt. Ähnlich sieht es Peilsteins Bürgermeister Franz Lindinger: „Die Zahl der Abgewanderten ist in den letzten Jahren weniger geworden. Das ist sicher auch der Verdienst der vielen Vereine. Was wir aber merken ist ein „Bildungsexodus“, das heißt die jungen Leute studieren in der Stadt und bleiben wegen der besseren Jobchancen dann auch dort.“
In Julbach hingegen ist es die ältere Bevölkerungsschicht, die der Gemeinde abhanden kommt. „Aufgrund unserer Bevölkerungsstruktur spielt der Abgang in die Altenheime nach Aigen-Schlägl und Ulrichsberg eine große Rolle“, sagt Bürgermeister Johannes Plattner. Arbeitsplätze will man mit dem Bau einer Wohneinrichtung für Menschen mit Beeinträchtigung schaffen. Außerdem sei es oberstes Gebot, die Infrastruktur rund um die vielen Gasthäuser, den Nahversorger und das Freibad zu erhalten.
Offen für alle Zuzügler
Bei der Bevölkerungsentwicklung gibt es im Bezirk aber durchaus auch Gewinner. Kleinzell etwa verzeichnete in den Jahren 2010 bis 2016 ein sattes Zuwanderungsplus von 215 Personen. Bürgermeister Klaus Falkinger verrät das Erfolgsgeheimnis seiner Gemeinde: „Wir haben keine Industrie, wenig Gewerbe – wir sind ein Ort zum Leben. Als Gemeinde sind wir bestrebt, für alle Zuzügler offen zu sein“, spricht Falkinger die regelmäßigen Zugezogenen-Stammtische oder die neue Broschüre mit allen neuen Bürgern an. „Es taugt uns, dass so viele neue, vor allem junge Leute zu uns kommen. So kann man sich als Gemeinde weiterentwickeln.“ Allerdings müsse der Zuzug kontrolliert erfolgen, denn dieser brauche auch Infrastruktur. „Mit unserem Entwicklungskonzept machen wir uns Gedanken über die Zukunft, damit es nicht zum Kollaps kommt.“
Ebenfalls hoch in der Gunst der „Herbergssuchenden“ stehen die Gemeinden Lembach (+135) und Haslach (+132).
„Werden Bevölkerung halten“
Keine Sorgen wegen der Bevölkerungsentwicklung macht sich Bezirkshauptfrau Wilbirg Mitterlehner. Sie weist auf die positive Geburtenbilanz hin, die positive Entwicklung der Wirtschaft und die Leuchtturmprojekte, wie etwa das Kinder-Rehazentrum. Vor allem aber ist es die Einstellung der jungen Leute, die sie zuversichtlich stimmt: „Leben am Land wird wieder mehr geschätzt. Außerdem tragen die vielen Vereine zur Verbundenheit mit der Region bei.“ Mitterlehner ist überzeugt, dass der Bezirk Rohrbach die Bevölkerungszahlen halten kann. „Als Behörde wollen wir ebenfalls für ein gutes Miteinander sorgen und die Regionalentwicklung vorantreiben“, ergänzt die Bezirkshauptfrau. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte liegt derzeit bei 69,2 Einwohner je Quadratkilometer.
Die Wanderungssalden der einzelnen Gemeinden sind im untenstehenden pdf zum Download zu sehen.


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