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Was tun, wenn's finster wird: "Eigenvorsorge ist eine moralische Verpflichtung"

Martina Gahleitner, 08.11.2018 08:30

ROHRBACH-BERG. Kommt es zu einem normalen, lokal begrenzten Stromausfall, kann man schnell auf Hilfe von anderen zählen. Anders schaut es bei einem Blackout aus – einem länger andauernden Stromausfall über mehrere Länder. Was dann zu tun ist, zeigte eine Informationsveranstaltung des Zivilschutzverbandes auf. Fazit: Weil es kaum Erfahrungen bei Behörden und Einsatzorganisationen gibt, ist der Selbstschutz besonders wichtig.

  1 / 3   "Verlassen Sie sich auf sich selbst, und nicht auf die Hilfe durch andere", riet der OÖ Zivilschutz-Geschäftsführer Josef Lindner bei der Informationsveranstaltung im Centro. Foto: Gahleitner

Tatsache ist, dass ein Blackout real und wahrscheinlich ist. Denn das europäische Stromnetz ist verbunden – kippt irgendwo das System, kann das zum Problem werden. Auch wenn Leopold Fiedler von der Netz OÖ beschwichtigt und betont, dass die Netzbetreiber vorsorgen und umfangreiche Schutzeinrichtungen treffen, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Blackouts. Nicht zuletzt wegen der erneuerbaren Energiequellen, die das Netz unstabiler machen. „Im Durchschnitt ist jeder unserer Kunden jedes Jahr 35 Minuten von einem Stromausfall betroffen. Bei besonderen Ereignissen steigt diese Zahl auf 100 Minuten im Durchschnitt“, berichtet Fiedler. Im Einzelfall könne dies natürlich länger andauern, ergänzt er. „Der Netzaufbau wird dort wieder begonnen, wo die größten Bedrohungen sind, also in eher dichter besiedelten Gebieten.“

Rotkreuz und Feuerwehr sind Leuchttürme

Leuchttürme in einer solch finsteren Zeit könnten die Feuerwehrhäuser sein. „Etwa 60 Prozent davon im Bezirk sind stromautark, da brennt auch nach einigen Tagen noch Licht“, informiert Bezirksfeuerwehrkommandant Josef Bröderbauer. Aber: „Die Feuerwehr kann keinen Strom liefern.“ Alle Blaulichtorganisationen sind im Katastrophenschutzstab organisiert. Dieser wird aufgebaut, um Strukturen aufrecht zu erhalten. Kommuniziert wird über den Analog-Funk, denn mit dem Stromnetz bricht oft auch das Mobilfunknetz zusammen. „Primäres Ziel ist es, die Notfallversorgung aufrechtzuerhalten“, betont der stellvertretende Bezirksrettungskommandant Stefan Stutz. Die zehn Rotkreuz-Ortsstellen und die Bezirksleitstelle werden über Notstromaggregate versorgt.

Ressourcen reichen nicht für Endzeitszenario

Die Polizei kommt dann ins Spiel, wenn die öffentliche Sicherheit gefährdet ist. „Mit 90 Polizisten sind unsere Ressourcen begrenzt, wenn es zu einem Endzeitszenario wie im Film kommt“, sagt Bezirkspolizeikommandant Herbert Kirschner, der deshalb auf Unterstützung durch das Bundesheer setzt. Dieses steht bereit, allerdings werde man sich vermutlich auf den städtischen Bereich konzentrieren, sagt Oberst Alois Arnreiter vom Militärkommando OÖ. „Wir sind bei der Versorgung, der Datenübertragung oder Kommunikation autark, aber in begrenztem Umfang.“ Bundesheer-Kasernen könnten somit Einsatzorganisationen unterstützen. Geplant seien zudem gesetzliche Regelungen, um die Treibstoffversorgung für Einsatzorganisationen sicherzustellen. Auch Arnreiter machte klar: „Jeder ist gut beraten, der selber vorsorgt. Dann braucht man erst gar nicht aus dem Haus gehen oder fortfahren.“

Vorsorge beginnt zu Hause

Für Zivilschutz-Bezirksobmann und Leiter der Sicherheitsabteilung der Bezirkshauptmannschaft, Valentin Pühringer ist Eigenvorsorge gar „eine moralische Verpflichtung.“ Behörden können zwar lenkend eingreifen und die Grundversorgung von Lebensmitteln oder Treibstoff etwa mit der Ausgabe von Marken regeln, aber die Vorsorge beginne zu Hause. Hubert Steiner von der Wirtschaftskammer OÖ macht aufmerksam, dass auch im Handel alles elektronisch und digital abläuft. Das fängt bei den automatischen Türen an und reicht bis zur Abrechnung. „Da wird es vom Kaufmann abhängen, ob man einkaufen kann oder eben nicht.“

Für eine Woche autark sein

Die Information durch die Behörden wird über den ORF erfolgen, der 72 Stunden senden kann. Um Nachrichten zu hören, braucht es aber ein batteriebetriebenes Radio oder noch besser ein Kurbelradio. Ein solches sowie viele andere nützliche Sachen zur Vorsorge (von der Notfallbox bis zu Brennpasten oder Wasserentkeimungstabletten) gibt es im Zivilschutz-Shop (www.zivilschutz-shop.at). „Lebensmittel sollte man für eine Woche zu Hause haben“, informiert Zivilschutz-Landesgeschäftsführer Josef Lindner. „Am besten Produkte einkaufen, die mindestens ein Jahr haltbar sind und diese immer am ersten Samstag im Oktober austauschen – dann findet nämlich der Sirenentest statt und man wird gleich daran erinnert.“ Die Bevorratung umfasst auch ausreichend Wasser und Medikamente. Kopien der wichtigsten Dokumente gehören ebenfalls ins Notgepäck. „Verlassen Sie sich auf sich selbst und nicht auf die Hilfe durch andere“, rät Lindner, „für Behörden und Einsatzorganisationen ist ein Blackout Neuland und da weiß man nicht, wie alles in der Praxis funktioniert.“


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