Fast jeder Zweite ist in der Notaufnahme an der falschen Stelle
BEZIRK. Die Basis der Gesundheitsversorgung sollte der Hausarzt sein. Dem ist aber oft nicht so: In der Notaufnahme des Klinikums Rohrbach haben Ärzte und Pflegepersonal zunehmend mit Bagatellfällen zu tun. Jeder zweite Patient könnte genauso gut von einem niedergelassenen Arzt behandelt werden.

Vom kleinen Kratzer bis zu lebensbedrohlichen Verletzungen reicht das Aufgabenspektrum in der Notaufnahme. Da weiß man nie, wer vor der Tür steht: Patienten mit Infarkten, Knochenbrüchen, Platzwunden, Verstopfungen. „Manchmal ist über Stunden wenig los, an anderen Tagen wissen wir nicht, wo wir anfangen sollen“, beschreibt die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin Michaela Linkeseder, die seit 16 Jahren in der Notaufnahme arbeitet. Gemeinsam mit den diensthabenden Ärzten betreuen sie und ihre Kolleginnen die Menschen, die in die zentrale Aufnahme des Rohrbacher Spitals kommen.
Wartezeit je nach Schweregrad
Ankommende Patienten werden nach dem Manchester-Triage-System anhand des Schweregrades ihrer Symptome eingeteilt. Das geschulte Pflegepersonal beurteilt anhand von definierten Kriterien, ob jemand sofort behandelt werden muss oder ob er länger warten kann. Mehr als 100.000 ambulante Patientenkontakte wurden im Vorjahr in der Notaufnahme gezählt – das sind insgesamt etwa zehn Prozent mehr als noch vor einem Jahr.
Weg in die Notaufnahme ist üblich geworden
Nicht jeder Patient, der in die Notaufnahme kommt, ist aber ein medizinischer Notfall. Denn neben den komplizierten Fällen nehmen auch Bagatellfälle zu – also kleine Verletzungen oder leichtere Erkrankungen, die keiner Versorgung in einer Krankenhausambulanz bedürfen. „Durchschnittlich jeder Zweite könnte von einem niedergelassenen Arzt behandelt werden“, sagt der Ärztliche Direktor Oberarzt Wolfgang Tenschert. Für die Patienten sei der direkte Weg in die Notaufnahme des Krankenhauses auch vor dem Hintergrund zunehmender Wartezeiten auf Facharzttermine und unklarer Versorgungsmöglichkeiten außerhalb der regulären Ordinationszeiten durchaus üblich geworden. „Langfristig ist das für das Krankenhaus kaum machbar, da notwendige Zeit für die Akutversorgung der stationären Patienten fehlt“, zeigt Tenschert auf.
Erste Anlaufstelle: Hausarzt
Grundsätzlich sollte beim Hausarzt abgeklärt werden, ob der Weg ins Spital notwendig ist. Dieser kennt seine Patienten und weiß über ihr Umfeld Bescheid. „Ein guter Hausarzt leistet für die körperliche und seelische Gesundheit seiner Patienten sehr viel“, beschreibt Werner Stütz, Vertreter der niedergelassenen Ärzte des Bezirkes Rohrbach. Hausärzte sind als Primärversorger die erste und leicht zugängliche Kontaktstelle für alle Menschen mit gesundheitlichen Anliegen. „Eine umfassende allgemeine Grundversorgung steht hier im Mittelpunkt“, sagt Stütz, „bei medizinischer Notwendigkeit leiten wir den Patienten entweder sofort oder durch Zuweisung geplant an entsprechende Fachärzte im niedergelassenen Bereich oder ins Krankenhaus weiter.“


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