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BEZIRK ROHRBACH. Wenn der Start ins Leben zu früh beginnt, wirkt sich das manchmal auf die spätere Entwicklung des Kindes aus. Für Frühgeborene gibt es nun bei der Einschulung eine enorme Erleichterung: Diese kann um ein Jahr aufgeschoben werden, wenn der ursprüngliche Geburtstermin erst im darauffolgenden Schuljahr gelegen wäre. Ergotherapeutin Monika Walchshofer zeigt auf, wo ehemalige Frühchen im Vorschulalter manchmal noch Probleme haben und wie man generell erkennt, ob ein Kind schulreif ist.

  1 / 2   Zum Schuleintritt sollte der Umgang mit der Schere beherrscht werden. Foto: Lyubov Kobyakova/Shutterstock.com

Bisher musste jedes Kind im Herbst nach dem sechsten Geburtstag eingeschult werden. Diese starre Regelung wurde nun für Frühgeborene gelockert, zum Beispiel, wenn der Geburtstermin im Oktober gewesen wäre, das Kind aber schon im August zur Welt gekommen ist. Eltern, die von der neuen Möglichkeit Gebrauch machen wollen, müssen dies bei der Schülereinschreibung vorbringen und mit dem Mutter-Kind-Pass den ursprünglichen Geburtstermin belegen.

Frühchen bekommen mehr Zeit

Ergotherapeutin Monika Walchshofer (38), die im Jänner im Gesundheitszentrum Haslach ihre Praxis eröffnet hat, erachtet diese Neuregelung als sehr sinnvoll: „Ich finde es gut, dass den zu früh geborenen Kindern nun Zeit gelassen wird, sich noch zu entwickeln und die Vorfähigkeiten für die Schule spielerisch zu erlernen. Dafür ist der Kindergarten generell enorm wichtig.“

Im Mutterleib

Die Körperwahrnehmung, wie zum Beispiel Gleichgewicht oder Sensibilität, entwickelt sich besonders in der letzten Phase der Schwangerschaft. Frühchen haben dafür eben nicht so lange Zeit wie Normalgeborene und so können sich neben körperlichen auch sensorische Einschränkungen entwickeln, erklärt die Therapeutin: „Bei einigen sind Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit noch nicht so ausgereift. Dann gehören grob- und feinmotorische Probleme zur Bandbreite der Entwicklungsverzögerungen bei Frühchen. Sie tun sich dann zum Beispiel beim Schreiben lernen schwer. Auch sozial und emotional sind einige noch nicht so stabil wie normalgeborene Gleichaltrige.“

Spielerische Therapie

Die Ergotherapie setzt an der Basis an: Gleichgewicht, Oberflächensensibilität und Kraftsinn werden spielerisch geschult, sodass sich die Kinder gut spüren lernen und sich die Sinne im Gehirn besser verknüpfen können. „Das Kind kann mit unserer Hilfe lernen, sich besser einzuschätzen und zu bewegen. Das wirkt sich auch auf das Sozialverhalten positiv aus.“ Wer als Eltern seinem Kind etwas Gutes tun will – egal, ob frühgeboren oder nicht – dem rät Monika Walchshofer: „Sorgen Sie für vielfältige Bewegungsmöglichkeiten und lassen Sie die Kinder im Alltag mithelfen! Dort erlernt es alle Fertigkeiten für das Leben, sei es beim Handwerken, beim Kochen oder bei der Gartenarbeit.“

Schulreif oder nicht?

Neben wichtigen kognitiven Fähigkeiten (z.B. Sprachkompetenz oder Merkfähigkeit) sind für die Schulreife viele Dinge von Bedeutung (ein paar Eckpunkte siehe unten). Wichtig: Das Kind muss nicht schon alles können. Hat man aber Bedenken, sollte man das Gespräch mit den Kindergartenpädagogen suchen, die Auffälligkeiten gut erkennen können, oder sich an Ergotherapeuten wenden.

  • Emotionale Entwicklung: Interesse bzw. Motivation für Aufgaben, nicht gleich aufgeben oder frustriert sein
  • Soziale Entwicklung: Gruppenfähigkeit, sich zurücknehmen und einordnen können, Regeln befolgen, zuhören
  • Feinmotorik: Stift richtig halten (Dreipunktgriff), einfache fortlau­fende Muster zeichnen wie Zickzack, Schlaufen; Schreibdruck dosieren können, die Bewegung soll aus Hand- und Fingergelenken kommen; mit Radierer und Spitzer umgehen, auf einer Linie schneiden, Kleben, einfache Bastelarbeiten, mit Werkzeug umgehen können;
  • Gobmotorik: Interesse an Ballspiel, Bewegung, Radfahren, Rollerskaten, etc. Koordination: Fähigkeiten wie Hampelmann, Rückwärts gehen auf einer Linie, etc.
  • Selbstständigkeit: alleine an- und ausziehen, Ordnung halten mit den eigenen Gegenständen (z.B. in der Schultasche), den Schulweg bewältigen, sich alleine beschäftigen; kleine Aufgaben im Haushalt ausführen und Verantwortung dafür übernehmen

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