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ROHRBACH-BERG/NEUMARKT. Er ist zwar kein gebürtiger Rohrbacher, dafür hat er sich jahrzehntelang umso engagierter für ebendiesen Bezirk eingesetzt: Bertl Lengauer feierte gestern Abend seinen 90. Geburtstag im Kreise von Politiker-Freunden und Wegbegleitern und wurde dabei auch mit der Julius Raab-Medaille ausgezeichnet.  

  1 / 10   Engelbert Lengauer erhielt zum 90. Geburtstag die Julius Raab-Medaille verliehen (v.l.): Anneliese und Engelbert Lengauer, WK-Bezirksobmann Herbert Mairhofer, WK-Präsident Christoph Leitl, LH a.D. Josef Pühringer. Foto: Gahleitner

„Wer so viel für Land und Leute geleistet hat, hat Anerkennung und Dankbarkeit verdient. Es war großartig, was du gemacht hast – gerade in einer Zeit, in der es gefährlich war und Mut gebraucht hat, um sich politisch einzusetzen“, brachte es der österreichische Wirtschaftskammer- und ehemalige Wirtschaftsbund-Präsident Christoph Leitl auf den Punkt. Für ihn war Engelbert Lengauer stets ein Vorbild, von seiner Klugheit habe er als junger Abgeordneter viel gelernt. „Bei ihm hatte man immer das Gefühl, das er das ganze Land vor Augen gehabt hat“, meinte Leitl.

Die schönste Auszeichnung Österreichs

Als Dank und Anerkennung für seine Leistungen verlieh der Wirtschaftsbund Engelbert Lengauer die laut Leitl „schönste Auszeichnung, die es in Österreich gibt“ – die Julius Raab-Medaille. „Diese steht für Fleiß, Einsatz, Bescheidenheit, Menschlichkeit – alles Dinge, die auch Bertl immer verkörpert hat.“

Ein Kämpfer für den ländlichen Raum

Engelbert Lengauer wurde im November 1927 in Neumarkt (Bezirk Freistadt) geboren. 1950, unter russischer Kommandantur, kam er als Bauernbund-Sekretär nach Rohrbach und wurde auch bald ÖVP-Parteisekretär. „Dieses Umfeld und die schwierigsten Bedingungen haben Bertl nicht von seiner Arbeit abhalten können“, lobte Landeshauptmann a.D. Josef Pühringer den „großen Kämpfer für den ländlichen Raum“. Er erinnert sich noch gut daran, wie das Duo Lengauer-Leitenbauer im Landtag agiert hat. „Diese Pioniere haben wertvolle Aufbauarbeit geleistet und für Lebensqualität im Bezirk Rohrbach gesorgt.“ Krankenhaus, Variante 5, Gymnasium, HTL sind nur einige der größeren Projekte, die in dieser Zeit realisiert werden konnten. Der damalige Rohrbacher ÖVP-Geschäftsführer war außerdem von 1982 bis 1988 als Bundesrats-Abgeordneter aktiv und von 1988 bis 1990 im Landtag.

Mit dem Motorrad von Gemeinde zu Gemeinde

Lengauer vereint Pflichtbewusstsein, hohe Kompetenz, Leidenschaft und riesigen Fleiß, meinte der ehemalige Landeschef. Sooft er als junger Abgeordneter in den Bezirk Rohrbach gekommen sei, war Lengauer auch dabei. Selbst im Urlaub hat ihn das Pflichtbewusstsein eingeholt – „da ist er zum Kirschen pflücken nach Hause gefahren“, erzählte Josef Pühringer bei der kleinen Feierstunde im Gasthaus Dorfner.

Mit seinem Motorrad ist Bertl Lengauer von Gemeinde zu Gemeinde gefahren. Manchmal auch aufs Feld hinaus - eben dorthin, wo auch die Leute waren. Samstags und sonntags hielt er Sprechtage. „“Es hat nichts gegeben, mit dem die Leute nicht zu dir gekommen wären“, so Pühringer.

Schwarzes Schaf bei den Russen

Manchmal habe er auch einen Russen mit seinem Motorrad mitnehmen müssen, berichtete der Jubilar selbst aus seinem Leben. Und fast monatlich habe er zur Aussprache in die russische Kommandantur müssen. „Bei den Russen bin ich ja ein schwarzes Schaf gewesen und jedes Mal  hab ich ein mulmiges Gefühl gehabt, wenn sie mich vorgeladen haben. Ich hab meistens geschwiegen und nach einer Stunde haben sie mich weiter ausgelassen.“ Als 1955 der Staatsvertrag unterzeichnet wurde und Österreich damit frei wurde, war dies deshalb auch für Lengauer ein ganz besonderer Moment.

Für gemütliche musikalische Stimmung sorgte an dem Abend Altbürgermeister Hans Veit aus Aigen-Schlägl, ein Freund und Wegbegleiter von Bert, der mit seiner Gitarre zahlreiche Lieder anstimmte.


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