Gute Auftragslage verschärft den Fachkräftemangel
BEZIRK ROHRBACH. Mit einer Arbeitslosenrate von 1,9 Prozent herrscht quasi Vollbeschäftigung im Bezirk Rohrbach. Das spüren auch die heimischen Betriebe, die nur mehr schwierig Personal finden. Verschärft wird der Fachkräftemangel durch die Hochkonjunktur – da können dann manche Aufträge nicht mehr angenommen werden.

Bei der Auftragsvergabe für die Sanierungsarbeiten in der Bezirkssporthalle wurde es deutlich: Einige heimische Firmen gaben erst gar kein Angebot ab. „Die Konjunktur ist extrem gut. Auch wir als Wirtschaftskammer haben für ein Projekt gar keine Angebote bzw. zu nicht vernünftigen Preisen bekommen. Solche Vorhaben müssen dann auf Eis gelegt werden“, berichtet Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Klaus Grad. „Manche Firmen könnten zusätzliche Aufträge nur schaffen, wenn sie mehr Personal aufnehmen. Da stellt sich dann aber die Frage, wie lange die Hochkonjunktur anhält.“
Um Lehrlinge werben
Dazu kommt, dass eben Personal ohnehin schwer zu bekommen ist. „Im Metallbereich, in der Gastronomie und im Holzbereich ist der Fachkräftemangel derzeit besonders deutlich spürbar“, weiß Grad.
Josef Groiss, Geschäftsführer von groiss Wohnkultur in Aigen-Schlägl, kennt diese Probleme nur bedingt: „Fachkräfte muss man selber als Lehrlinge ausbilden. Sicher ist es teilweise schwierig, Lehrlinge zu bekommen, aber wenn es passt, muss man zugreifen.“ In seinem Betrieb können Jugendliche auch die Schnupperlehre in Anspruch nehmen. „Der Kuchen wird kleiner, da muss man um Lehrlinge werben“, betont Groiss, der stolz auf seine „klasse Mannschaft“ ist.
Pendler bekehren
Bei Biohort ist das enorme Wachstum eine Herausforderung für die Personalpolitik. „Wir haben gerade den 300sten Mitarbeiter eingestellt und vertreiben unsere Mühlviertler Qualitätsprodukte europaweit. Auch bei unserem Tochterunternehmen Ascendor stehen die Zeichen auf Wachstum. Da spüren wir natürlich den Kampf um die Fachkräfte sowie die nahezu Vollbeschäftigung im Bezirk Rohrbach. Vielen Pendlern ist einfach noch zu wenig bewusst, wie viele spannende, international tätige Unternehmen es in der Region gibt und welche Karriere-Möglichkeiten sie auch im Mühlviertel haben“, meint Geschäftsführer Maximilian Priglinger.
Matura mit Lehre
Pendler zu bekehren, ist auch ein Hauptanliegen der Rohrbacher Wirtschaftskammer, die dabei auf die Plattform meinjob-rohrbach.at setzt. „Das ist kein Allheilmittel, aber ein kleines Instrument zum Entgegenwirken“, sagt Klaus Grad. Potenzial sieht er auch bei den Gymnasium-Maturanten oder auch bei Studienabbrechern. „Matura mit Lehre oder Uni mit Lehre – in diese Richtung müsste es viel stärker gehen.“


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