Mühlviertler Erdkabel-Initiative pochte in Linz auf eine „moderne, bessere Lösung“

Petra Hanner Petra Hanner, Tips Redaktion, 01.03.2019 13:35 Uhr

LINZ/MÜHLVIERTEL. Um die tausend Demonstranten trafen sich am Donnerstag zur großen Kundgebung der Vereinigten OÖ. 110-kV-Erdkabelinitiativen in Linz. Vertreter aus dem Almtal, dem Innviertel und dem Mühlviertel verliehen ihrer Forderung nach einer erdverkabelten Hochspannungsleitung Nachdruck.

„Es kann einfach nicht sein, dass die Erdverkabelung von Hochspannungstrassen in Städten seit langem völlig selbstverständlich ist, aber in den ohnehin meist infrasturkturell benachteiligten ländlichen Regionen verweigert wird“, fühlen sich Betroffene aus den Regionen benachteiligt.

Vor allem im Mühlviertel, wo die 110-kV-Leitung noch in der Planungsphase ist, erhofft man sich ein Umdenken von Politik und Netzbetreiber. „Wir sind keine weltfremden Verhinderer, ganz im Gegenteil. Wir, die Zivilgesellschaft, haben Kosten und Mühen auf uns genommen und uns von neutralen technischen und wirtschaftlichen Fachleuten die neuesten Expertisen eingeholt, die ganz klar sagen, dass die moderne, bessere Lösung ein Erdkabel ist“, ließ etwa Dominik Revertera von der Mühlviertler Erdkabelinitiative IG Landschaftsschutz Mühlviertel bei der Kundgebung wissen.

Argumente sollen in Prozess einfließen

Wirtschafts- und Energie-Landesrat Markus Achleitner (VP) unterstrich in einer ersten Reaktion auf die Kundgebung, dass es außer Frage steht, dass eine verlässliche Energieversorgung in einem Wirtschaftsland wie Oberösterreich dringend benötigt werde. „So wie bei den bisherigen Informationsveranstaltungen werden auch die Anregungen und Argumente der heutigen Kundgebung in Linz in den Trassenfindungs-Prozess einfließen.“ Man müsse sich aber trotz allem an die gesetzlichen Vorgaben halten.

„Versachlichung nötig“

Dass eine Erdkabel-Variante die bessere und modernere sei, will Energie AG-Konzernsprecher Wolfgang Denk so nicht stehen lassen: „Dort, wo es notwendig und sinnvoll ist, wird ein Erdkabel gebaut. Aber der Stand der Technik ist einfach eine Freileitung und sie bietet auch eine sichere Stromversorgung für Oberösterreich.“ Vorwürfe der Demonstranten, dass mit den Betroffenen nicht kommuniziert werde, relativierte er im Tips-Gespräch: „Im Mühlviertel sind wir noch in der Vorprojekt-Phase. Es gibt noch kein konkretes Projekt, wo wir einen Grundeigentümer haben, mit dem wir reden könnten. Wir hatten dort aber schon vier Regionskonferenzen, also wir reden schon mit den Leuten.“ Sobald die Trassenfindung im Frühjahr abgeschlossen ist, werde man auch auf die betroffenen Grundstückseigentümer zugehen und deren Wünsche und Anliegen hören. Die bevorzugte Bauvariante sei aber nach wie vor eine Freileitung.

Denk abschließend: „Das, was wir uns wünschen würden, ist, dass man auch unsere Argumente hört. Ob man es dann akzeptiert oder versteht, ist wieder ein anderes Paar Schuhe. Aber es wäre auch eine Versachlichung notwendig.“

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Kommentare

  1. Interessierter Beobachter
    Interessierter Beobachter04.03.2019 11:36 Uhr

    Näheres zu Ausfällen - Der letzte Stromgenerator der Netz OÖ im Raum Helfenberg-Ahorn, mit dem Notversorgung seit den Ausfällen betrieben wurde, wurde aus Helfenberg erst am 26.2.2019 abtransportiert! Anderernorts hat es 110er erwischt, so wurde in der Steiermark eine 110-kV-Freileitung im Wald zerstört (https://www.kleinezeitung.at/steiermark/ennstal/5558682/Grossflaechiger-Stromausfall-gerade-noch-verhindert_Baeume). Weitere Ausfälle im Jänner/Februar 2019: 220-kV Freileitung in Österreich und 110-kV-Freileitungen (Seilrisse mit teils lebensgefährlichen Situationen) in Deutschland!

  2. Ein weiterer betroffener Mühlviertler
    Ein weiterer betroffener Mühlviertler02.03.2019 16:32 Uhr

    weitere Richtigstellungen - Ein Dialog sieht anders aus, sehr geehrter Herr Denk! Bisher haben sich die Regionskonferenzen als Monolog für die Betroffenen dargestellt. Es ist klar zu stellen, dass zu den Regionskonferenzen grundsätzlich keine möglichen betroffenen Grundeigentümer oder Anrainer eingeladen wurden, sondern diese nur mit selektiven Gemeindevertretern stattfinden sollten. Erst als der Wiederstand der betroffenen Bevölkerung gewachsen ist, wurden auch diese bei den Regionskonferenzen „zugelassen“. Die Teilnahme mussten sich diese aber jedes Mal „erkämpfen“, da weder die Termine noch die Orte im Vorfeld über die Website des Landes Oö veröffentlicht wurden. Nur die vermeintlichen Ergebnisberichte der Regionskonferenzen wurden im Nachhinein auf die Website gestellt. Von der Freileitung ist im Mühlviertel eine breite Bevölkerungsschicht betroffen, welche aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer beruflichen Qualifikationen sowohl über technisches als auch über wirtschaftliches Wissen verfügen. Ein sachlicher Dialog mit diesen Betroffenen ist möglich und wurde auch schon von Beginn an angeboten. Leider ist es bislang aber beim Monolog seitens des Netzbetreibers geblieben.

  3. RudolfN
    RudolfN01.03.2019 20:03 Uhr

    der gute Herr Denk - na gut, der Hr. Denk macht seinen Job nach dem Motto "wess Brot ich ess, dessen Lied ich sing". Die leidgeprüften Almtaler haben seine Aussagen schon mehrfach wiederlegt. Hr. Denk hat wohl den Sprachgebrauch der "alternativen Fakten" (copyright Kellyane Conway, ex Pressesprecherin von the Donald) übernommen.

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