Grenzgeschichten: Wallfahrt nach Maria Rast im Böhmerwald
St. Maria Rast im Walde: So ist auf dem alten Votiv-Bildchen, das die Beschreibung dieses wundertätigen Platzes auf der Rückseite trägt, zu lesen. Gedruckt wurde es in Böhmen und gefunden in einem vergilbten Gebetbuch eines Verstorbenen.

Der Kaplan Josef Aschauer vermutet, dass die Wallfahrt Maria Rast um das Jahr 1715 angefangen habe. Das war die Zeit der Habsburger als Landesherren, die im Böhmerwald keine Landesgrenze bestimmten. So ist es auch üblich gewesen, zum Beerenpflücken die besten Plätze des Böhmerwaldes diesseits oder jenseits der heutigen Grenzen aufzusuchen. Dabei soll eine Gichtkranke „Böhmerin“ einen Moos bedeckten Stein gesehen haben, auf den sie sich zum Ausruhen setzte.
Heilsamer Schlaf
Innerhalb kurzer Zeit, meinte sie, sei sie eingeschlafen und erst bei beginnender Dunkelheit erwacht. Noch nie habe sie so gut, wie auf diesem Stein geschlafen habe, noch nie war sie so gut ausgeruht und so schmerzfrei, wie nach dem Schlaf auf dem Stein.
Nun eilte sie frohgemut heim, kam aber am darauffolgenden Tag schon wieder und nahm gleich etliche Leidensgenossinnen mit. Auch sie erlebten auf dem Stein den gleichen heilsamen Schlaf.
Stein wurde zur Andachtsstätte
Dies geschah in jener Zeit, in der man vielerorts eine wunderähnliche Hilfe erfuhr, die man der Gottesmutter zuschrieb. Da von Geheilten und Hilfesuchenden reichlich Spenden in das dazu aufgestellte Kästchen flossen, veranlassten die Frauen die Ummauerung des Steines mit einem Dach. Zur Zeit der Regierung Kaiser Josefs ll. musste die Andachtsstätte geschlossen werden. Erst als Helfenberger Grafen die Besitznachfolge antraten, lebte der religiöse Wallfahrtseifer wieder auf. Das Kirchlein wurde vergrößert und mit einem Turm für drei Glocken versehen.
Eigener Betreuer wurde bestellt
Die Zahl der Wallfahrer wurde ständig größer und der Graf bestellte einen ständigen Betreuer, der die Waldkirche nie verließ. Er lebte von den Spenden und ließ Votivbilder drucken, die er den Besuchern verkaufte. Einen Niedergang erfuhr die Wallfahrt im Ersten Weltkrieg, weil mit dem Zerfall der Monarchie in Einzelstaaten die Wallfahrer aus Böhmen ausblieben. Inzwischen hatte aber die Wallfahrt einen Bekanntheitsgrad erreicht, der sogar die Errichtung einer Gaststätte lebensfähig erhielt.
Verfasser: Fritz Winkler


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