Pandemie: "Wo sollen Menschen bleiben, die kein Zuhause haben?"
HASLACH/BOLIVIEN. Das Jahr 2020 brachte Veränderungen, die bislang unvorstellbar waren. Auf der ganzen Welt wurden aufgrund von Covid-19 Ausgangssperren verhängt und die Menschen dazu angehalten, zu Hause zu bleiben. Aber wie soll das für jene funktionieren, die kein Zuhause haben, sondern auf der Straße leben? Davon berichtet Janneth Perez vom Straßenkinder-Hilfsprojekt „Maya Paya Kimsa“ in Bolivien, das vom Haslacher Martin Berndorfer gegründet wurde.

In Bolivien standen sowohl Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben, als auch Familien, die bereits weit unter dem Existenzminimum überleben, plötzlich vor dem Nichts. Ohne die Unterstützung der Hilfsorganisation Maya Paya Kimsa hätten es viele nicht geschafft.
„Aus der Verzweiflung heraus suchten einige Jugendliche wieder zurück von der Straße zu ihrer Familie, was sich eigentlich positiv anhört. Aber leider hat sich meistens an der schlimmen Situation zu Hause, vor der sie geflohen sind, nichts geändert. Da ist der Konflikt schon vorprogrammiert und sie kommen trotz Corona bald wieder auf die Straße“, sagt Janneth Perez, Leiterin von Maya Paya Kimsa in der Stadt El Alto in Bolivien.
Notschlafstelle eingerichtet
Daher war es für die Helfer unumgänglich, für eine Notschlafstelle zu sorgen, welche von der Stadtregierung zur Verfügung gestellt und von Maya Paya Kimsa mitunterstützt wurde. Auch wenn die Bedingungen prekär waren, bot sie doch Unterschlupf für rund 180 Menschen, die sonst die dreimonatige Ausgangssperre auf der Straße verbringen hätten müssen. „Ab einem bestimmten Zeitpunkt wurde die Situation auch für unsere Mitarbeiter sehr belastend, da die verzweifelten Anrufe von den bisher betreuten Familien immer häufiger wurden. Unter Tränen wurde geklagt, dass ihre Lebensmittel vollkommen aufgebraucht wären und sie seit Tagen nur mehr Tee und Brot hätten. Aber auch uns waren aufgrund der sehr strengen Ausgangssperren vorerst die Hände gebunden“, berichtet Janneth weiter, „was uns dann aber dazu gebracht hat, gemeinsam mit Unicef und anderen Organisationen das Verteilen von Lebensmittelpaketen zu organisieren.“ Damit konnte die schlimmste Zeit überbrückt werden, vor allem für Familien mit kleinen Kindern waren die Lebensmittel, Babynahrung und Trockenmilch überlebenswichtig.
Emotionale Begleitung
Aber nicht nur die materielle Grundversorgung war notwendig, sehr viele brauchten in dieser neuen und unsicheren Situation auch emotionale Begleitung. Denn wenn eine Familie wochenlang in einem einzigen Zimmer mit 15 Quadratmetern leben muss, ohne hinausgehen zu können, dann entstehen Spannungen, Streit, Gewalt oder Depression. Um dem entgegenzuwirken, gab es hunderte Telefongespräche, Kontakte über soziale Medien und, soweit es irgendwie möglich war, auch persönliche Besuche und Betreuung. „Unsere Mitarbeiter leisten hier wirklich unter hohem persönlichem Einsatz hervorragende Arbeit“, ist Perez stolz auf die Arbeit des neunköpfigen Maya Paya Kimsa-Teams.
Angst vor der Zukunft
Auch wenn momentan die erste Coronakrise überstanden ist und die aktuellen Ansteckungszahlen gesunken sind, liegt doch die Angst vor der „zweiten“ Welle spürbar in der Luft. Alle Hoffnung ruht auf einer baldigen Impfung. Ob aber diese auch wirklich in Bolivien in breiter Anzahl verfügbar sein wird, damit auch die Ärmsten davon profitieren können, wird stark bezweifelt. Was bleibt, ist ein Ausblick auf eine sehr unsichere Zukunft in einem Land, das auch nach überstandener Pandemie auf eine tiefe wirtschaftliche Krise zusteuert.
Spenden helfen
Maya Paya Kimsa kann man über Spenden auf das Konto AT63 2033 4042 0000 0042 unterstützen. Ein aktuelles Informationsvideo kann auch auf www.mapaki.at abgerufen werden.


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