Weltweit gefragter Seidenweber will mit Großprojekt nach Haslach zurückkehren
HASLACH. Geht es nach den Plänen des gebürtigen Haslachers Franz J. Ippoldt (55), so soll in seinem Geburtsort Haslach das weltgrößte Zentrum für Handweberei entstehen. Ippoldt, selbst weltweit gefragter Experte für historische Seidenstoffe und einer der wenigen Meister, die sich noch auf die hohe Kunst der Seidenweberei verstehen, will für seine Vision nach 27 Jahren in Frankreich zurück ins Mühlviertel ziehen.

Die Kundschaften Ippoldts sind illuster: Millionäre und Modedesigner zählen durchwegs zu seiner Klientel, aber auch für Königshäuser, Museen oder Schlösser arbeitet der Haslacher, der in dem Örtchen Rozier-en-Donzy in Frankreich lebt. Er stellt feinste Seidengewebe, auch nach historischem Vorbild, her.
Gelernt hat er dieses seltene Handwerk nach seiner Ausbildung zum Weber an Schulen in Salzburg und Dornbirn bei einem Meister seines Faches in Italien: „Mein damaliger Werkstättenleiter hat mir alle Türen geöffnet und ermöglichte mir das Eintauchen in die Geschichte der historischen Weberei und in eine Welt, die unheimlich lässig war. Dieser Samen, den er da gepflanzt hatte, hat in mir fruchtbaren Boden gefunden“, erinnert sich Franz J. Ippoldt noch heute gerne an diese Zeit zurück.
Was ihn so an seinem Handwerk fasziniert, ist die unsichtbare, aber doch hochkomplexe Technik, die hinter solchen Geweben steckt, und natürlich ihre Schönheit.
Wissen weitergeben
Nicht mehr viele Weber auf der Welt haben diese Technik erlernt und so gibt es auch nicht mehr viele, die sie weitergeben könnten. Und hier kommt die Vision Ippoldts ins Spiel: „Die Jugend in Österreich und speziell im Mühlviertel hat einen ganz anderen Zugang zum Leben, als beispielsweise jene hier in Frankreich, wo ich bin. Die Mühlviertler sind erdiger und haben Biss. Deshalb will ich in Haslach ein Zentrum für Handweberei gründen und dort auch mein Wissen weitergeben.“
Uraltes Wissen vereint sich mit High-Tech
Nicht eine einfache Werkstätte schwebt dem Weber-Virtuosen vor – denn dafür müsste er Frankreich nicht verlassen –, sondern eine große Produktionsstätte mit ungefähr 40 bis 50 Webstühlen, die auch mit größeren Auftragsarbeiten im Luxusbereich fertig werden könnte. „Es gibt derzeit weltweit keine solche Struktur mehr, und das schon seit den 1960er-Jahren“, lässt Ippoldt wissen. Etwa 25 Arbeitsplätze könnten somit vor Ort entstehen, davon 15 alleine für Weber. Die Produktion soll den Anspruch haben, noble Materialien in Produkte verwandeln zu können, wo das industriell nicht machbar ist. Uralte Handwerkskunst soll dabei eine Verbindung mit High-Tech eingehen, denn die dafür verwendeten Maschinen werden auf dem modernsten Stand der Technik sein. Das Handweb-Zentrum soll aber auch als lebendige Plattform für einen internationalen Austausch fungieren und würde dafür eine perfekte Symbiose zum bereits bestehenden Zentrum für Textile Kultur bilden können.
Investoren gesucht
Nach einem optimalen Standort in Haslach hat sich Ippoldt, dessen Eltern dort eine Fleischhauerei betrieben haben, bereits umgesehen: „Es gäbe zwei, drei Optionen für die Investition im zweistelligen Millionenbereich. Was ich jetzt noch brauche, ist ein Investor mit etwas längerem Atem oder besser gesagt, eher einen Mäzen, der meine Vision versteht und sie auch teilt oder zumindest ein Steckenpferd für Handwerkskunst und Historisches hat. Durch Corona ist leider so einiges ins Schwanken gekommen, aber ich bin Optimist.“
Maximal eineinhalb Jahre gibt sich Ippoldt noch Zeit, um seine Pläne in die Tat umzusetzen, denn: „Dann bin ich irgendwann zu alt. Schließlich will ich das Projekt noch mindestens 20 Jahre lang aufbauen und begleiten – und in dieser Zeit enge Begleiter finden, die mich und meine Arbeit verstehen lernen.“


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