Ein Transparent mit klarer Botschaft
PUTZLEINSDORF. Von Neustift bis Helfenberg hängt an vielen Plätzen im Bezirk Rohrbach ein Transparent, das auf die unmenschlichen Abschiebungen von Kindern aufmerksam macht. Hinter dieser Initiative steckt Josef Amerstorfer. Ein Landwirt aus Putzleinsdorf, der damit zum Widerstand gegen die asylpolitischen und sozialpolitischen Missstände aufruft.

„Viele Leute spüren, wir stehen heute vor tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen. Nicht nur die Pandemie, sondern auch der Klimawandel, Digitalisierung, soziale Gerechtigkeit und auch der Erhalt unserer liberalen Demokratie brauchen ein verstärktes Engagement der Menschen auf allen Ebenen“, meint Josef Amerstorfer. Mit diesem Transparent will er in Zusammenarbeit mit der Asylkoordination erreichen, dass der Druck von unten mehr wird. „Die Leute müssen Flagge zeigen und sich zu Wort melden. Sie sollen nicht in ihrer Lethargie und ihrer vermeintlichen Hilflosigkeit verharren. Mut statt Wut“, macht er deutlich.
Veränderungen sind möglich
Widerstand und Gestaltungswille sind dem umtriebigen Visionär nicht fremd. Aus langjähriger Erfahrung weiß er, dass es schwierig ist, aus der Minderheit heraus gegen eine „Mehrheitsmacht“ anzutreten und etwas zu erreichen. „Aber es ist mit guten Argumenten und Zähigkeit nicht unmöglich.“ Schon in jungen Jahren engagierte sich der Putzleinsdorfer für die ökologische Landwirtschaft und gegen Atomkraft und klagte gegen die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf. Er war Mitbegründer der Biomolkerei Lembach und engagiert sich heute gemeinsam mit seiner Partnerin Maria unter anderem für Flüchtlinge und Benachteiligte.
Kinderrechte achten
Josef Amerstorfer begleitet einige Flüchtlinge in ihren Asylverfahren und hat festgestellt, dass gleiche Sachverhalte unterschiedlich beschieden werden. Eine Vermutung, die von den Aussagen von Irmgard Griss in ihrer Funktion als Vorsitzende der Kindeswohlkommission bestätigt wird. Diese wurde aufgrund der Abschiebung von Kindern eingesetzt. „Kinderrechte und Menschenrechte müssen im Asylverfahren geachtet werden. Was das Bleiberecht betrifft, müssen – so wie es früher war – Leute, die mit den Flüchtlingen leben und sie gut kennen, bei der Entscheidungsfindung gehört werden“, fordert Amerstorfer.
„Endlich ein Signal aus dem kirchlichen Bereich“
Mit dem Plakat will er zum Diskurs anregen. „Die Leute müssen sich wieder trauen, sich zu engagieren und zu sagen, es ist genug. So wie es die Tertiärschwestern in Hall in Tirol spontan auch gemacht haben, deren Aktion im Falter auf dem Titelblatt abgedruckt wurde.“ Davon inspiriert, hat er in Rücksprache mit den Tertiärschwestern und in Zusammenarbeit mit der Asylkoordination diese Aktion gestartet. Amerstorfer hofft, dass sich künftig mehr Leute deutlich zu Wort melden und ist überzeugt: „Wir müssen uns engagieren, sonst wird‘s eng.“


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