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"Vor Leid darf man die Augen nicht verschließen": Dorli Rammerstorfer hilft jenen, denen es nicht so gut geht

Sevim Demir, 05.10.2021 18:55

NIEDERWALDKIRCHEN. Seit Jahren sammelt Dorothea „Dorli“ Rammerstorfer Antiquitäten und verkauft diese bei Flohmärkten. Weil solche aber derzeit nicht recht stattfinden, lädt sie jedermann zu ihrem Hausflohmarkt. Das Geld, das sie dabei einnimmt, wird an jene Menschen gespendet, „denen es nicht so gut wie uns geht“.

Dorothea Rammerstorfer lädt zu ihrem Hausflohmarkt nach Niederwaldkirchen. (Foto: Demir)
Dorothea Rammerstorfer lädt zu ihrem Hausflohmarkt nach Niederwaldkirchen. (Foto: Demir)

Zwar hat Dorli Rammerstorfer schon immer gerne geholfen, aber so richtig im Dienst der guten Sache steht sie seit der Tschernobyl-Katastrophe. „Damals sind erstmals Kinder aus Tschernobyl zur Erholung zu uns nach Niederwaldkirchen gekommen. Gemeinsam mit der Frauenbewegung und vielen Helfern habe ich die Kleinen an Gastfamilien in der Umgebung vermittelt. Außerdem hat die Übersetzerin der Caritas bei mir geschlafen. Die Kinder konnten ja kein Deutsch und irgendwie mussten wir uns unterhalten“, blickt die heute 84-Jährige zurück. Als die Transporte aufgrund verschiedener Geschehnisse nicht mehr möglich waren, ließ sich Rammerstorfer mit dem Verkauf von Antiquitäten etwas Neues einfallen, um weiterhin zu helfen – deren Erlös wird über eine Organisation gespendet. Die meisten Schätze ihres Hausflohmarktes kommen von Häusern, die geräumt oder verkauft werden. „Mit der Zeit spricht es sich natürlich auch rum, dass ich stets auf Ausschau nach Antikem, Geschirr, Bildern und mehr bin. Ich bin bekannt wie‘s falsche Geld.“

„Vor Leid darf man die Augen nicht verschließen“

Seit diesem Jahr unterstützt Rammerstorfer mit dem Geld auch Schulen und einen Kindergarten in einer abgelegenen Pfarre in Tansania. Zusätzlich konnten dort Stromleitungen sowie eine Kaffeeplantage realisiert werden. Aber auch in ihrer unmittelbaren Umgebung hilft Dorli wo sie nur kann. So hat sie einer bedürftigen Familie aus dem Bezirk Rohrbach unter die Arme gegriffen, die neben den Auswirkungen der Coronakrise mit weiteren Schickssalschlägen zu kämpfen hatte. „Ganz egal wie alt man ist – vor Leid darf man die Augen nicht verschließen. Natürlich belasten mich manche Geschichten sehr, aber meist löst es sich dann in Wohlgefallen auf“, berichtet sie. Für ihren unermüdlichen Einsatz wurde Dorothea Rammerstorfer 2012 mit dem Rudolf-Kirchschläger-Preis ausgezeichnet. Ans Aufhören denkt Dorli aber noch lange nicht: „Eine Freundin meinte kürzlich zu mir, dass ich nun alt genug fürs Altenheim sei. Da hab‘ ich nur lächelnd abgewunken, denn dafür habe ich noch keine Zeit, es gibt noch so viel zu tun“.

Der Hausflohmarkt ist nach telefonischer Vereinbarung unter Tel. 0650/346 25 12 besuchbar.

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