Mehr Personal für die Pflege: „Wir dürfen uns unseren Beruf nicht schlecht reden“
BEZIRK ROHRBACH. Seit zwei Jahren arbeiten die Beschäftigten in den Altenheimen unter erschwerten Bedingungen, aktuell sorgen die vielen Quarantäne-Ausfälle für zusätzliche Belastung. „Unter diesen Umständen kann der Beruf nicht lange und schon gar nicht bis zur Pension ausgeübt werden“, macht eine Tips-Leserin in einem Schreiben an die Redaktion deutlich. Allerdings steht der Bezirk Rohrbach, was den Personalstand betrifft, noch relativ gut da.

500 Mitarbeitende beschäftigt der Sozialhilfeverband Rohrbach in seinen sechs Bezirksaltenheimen. „Wir haben im Vorjahr immer eine Besetzung von 110 Prozent gehabt, weil die Situation so unstabil war“, berichtet Bezirkshauptfrau und SHV-Obfrau Wilbirg Mitterlehner, die gleich eine Lanze für ihre Beschäftigten bricht: „Wir haben wirklich sehr tüchtige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die durch die Corona-Situation enorm gefordert sind. Diese erschwert die Arbeit extrem und macht alle mürbe.“ Aber Personal gebe es derzeit genug. „Wir bilden gerade auch wieder 20 Heimhelferinnen aus, von denen viele im Anschluss die Ausbildung zur Fachsozialbetreuung oder Fachassistenz weitermachen“, ergänzt Mitterlehner.
Gleiche Arbeit in kürzerer Zeit
Nicht ganz so entspannt sieht das eine Pflegeperson, die über ihren Alltag im Altenheim berichtet: „Seit zwei Jahren sind wir verpflichtet, zehn bis zwölf Stunden pro Tag eine FFP2-Maske zu tragen. Atemnot, Hautausschlag oder Kreislaufprobleme sind Standard geworden und auch die Bewohner verstehen die Pflegepersonen erheblich schlechter und erkennen keine Mimik. Obwohl wir jeden Tag vor Dienstbeginn einen Antigentest machen müssen und die meisten vollständig geimpft sind, ist einfach kein Ende in Sicht.“ Von den oft genannten Sonderzahlungen für das Pflegepersonal würde auch viel weniger ausbezahlt, als verkündet. Der Tropfen, der für sie das Fass zum Überlaufen brachte, war aber die Weisung, Überstunden abzubauen. „Uns wurden pro Tag und Wohnbereich mehrere Stunden gekürzt und die gleiche Arbeit muss in weniger Zeit erledigt werden. Oft schaffen wir die notwendigen Tätigkeiten nur knapp bis zum Mittagessen, viele Tage haben wir keine Pause am Vormittag. Der Nachmittag und Abend verläuft ähnlich und es bietet sich leider keine Zeit mehr, den Bewohnern Aktivitäten anzubieten. In der Nacht sind für mehrere Stockwerke nur zwei Pflegepersonen im Dienst. Wenn sich nichts ändert, sind diese Zustände für mich und viele andere bald nicht mehr tragbar.“
Wilbirg Mitterlehner sagt dazu: „Wenn viele krank sind, wird man keine Überstunden abbauen können, aber im Sommer ist das sicherlich möglich. Und für Aktivitäten für die Bewohner ist ohnehin nicht das Pflegepersonal zuständig – dafür gibt es Zivildiener oder Ehrenamtliche.“
Negativstimmung ist nicht sinnvoll
Dass sich notwendige Tätigkeiten sehr wohl mit zusätzlichen Angeboten für die Bewohner vereinbaren lassen, weiß Landtagsabgeordnete Gertraud Scheiblberger, die im Bezirksaltenheim Haslach als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin tätig ist. „Wir sind sehr bemüht, mit den Bewohnern etwas zu unternehmen, denn wir machen das gerne, weil uns die Menschen am Herzen liegen. Natürlich ist das jetzt eine herausfordernde Zeit und eine Ausnahmesituation – gerade wenn kurzfristig Krankenstände auftreten –, aber man spürt auch einen extremen Zusammenhalt“, sagt Scheiblberger. „Man darf in der Pflege nicht alles schlecht reden und Negativstimmung verbreiten – das ist nicht gut für unseren Beruf. Vielmehr müssen wir Leute dazu bringen, dass sie gerne in die Pflege gehen.“ Das Land OÖ hat deshalb auch einen Fachkräfte-Prozess gestartet, um mehr Pflegekräfte zu mobilisieren, „die große Reform muss aber vom Bund kommen.“


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