Wässerwiesen erhalten Lebensraum: önj setzt in der Torf Au auf alte bäuerliche Technik
HASLACH/ULRICHSBERG. Die Torf Au ist für die Naturschutzjugend Haslach ein wertvoller Lebensraum, in dem die ökologischen und kulturhistorischen Spurensucher ein reichhaltiges Betätigungsfeld vorfinden. Jetzt hat man dort am Ufer der Großen Mühl die Wiesenwässerung reaktiviert.

Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte hat viele Spuren in unserer Kulturlandschaft verwischt und damit ist auch das Wissen um traditionelle Kulturtechniken alter Bewirtschaftungsformen verloren gegangen. Die österreichische Naturschutzjugend (önj) Haslach ist seit 1974 in der Dreiländer-Böhmerwaldregion auf Spurensuche nach Lebenszeugnissen von Natur und Mensch. Im Natur- und Europaschutzgebiet Torf Au in der Gemeinde Ulrichsberg erschließt sich dem önj-Team auf Schritt und Tritt eine längst vergangene bäuerliche Welt. 22 Hektar wurden bislang angekauft, somit kann die Gesamtheit der Torf Au erhalten bleiben.
Paradies für Vögel und Schmetterlinge
Die Torf Au ist ein Feuchtgebietskomplex mit Streuwiesen, unterschiedlichen Moortypen, Auwaldresten, einem reaktivierten Mühlbach, einer ebenfalls aufwändig renovierten Bauernmühle, einem mit Struktursteinen ausgestatteten Flussbett in der Großen Mühl und die 2,5 ha große Wässerwiese am linken Mühlufer. Bisher wurden hier 400 Schmetterlingsarten, 65 Vogelarten und zahlreiche weitere Tier- und Pflanzenarten entdeckt. In Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern aus Berdetschlag und Seitelschlag soll diese ökologische Vielfalt gesichert werden – etwa durch einen späteren Mähtermin, um Lebensraum zu erhalten.
Wässerwiesen wieder bewirtschaften
Dazu gehört auch, das Wiesenwässern wieder einzuführen. „Damit verfolgen wir das Ziel, die Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten zu verbessern“, sagt Karl Zimmerhackl von der önj Haslach. 60 Prozent aller Wiesen in der Böhmerwaldregion wurden noch bis in die 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts als Wässerwiesen bewirtschaftet und auf den Waldwiesen des Böhmerwaldes und in den Tallandschaften der Großen und Kleinen Mühl sind an manchen Stellen noch gut erkennbare Gräben und verlandete Teiche zu finden. „Im Wasser der Böhmerwaldbäche strömt besonders im Herbst und im Frühjahr wertvoller Flusshumus zu Tal. Diesen ungenutzt vorbeifließen zu lassen und zum richtigen Zeitpunkt in kleinen Gräben als Dünger auf die Wiesen zu leiten, hat zu einigen unterschiedlichen Wässerwiesensystemen geführt“, erklärt Zimmerhackl. Weil auf den Wiesen Futter für das Vieh geerntet wird, bekam das Grünland einen zunehmend höheren Stellenwert. „Mehr Vieh im Stall lieferte mehr Stallmist, der wiederum als wichtiger Dünger nur für den Acker verwendet wurde. Die Bedeutung der Wiesen macht in diesem Zusammenhang folgenden Spruch verständlich: Die Wiese ist die Mutter des Ackers!“
Besserer Boden, weniger Schädlinge
Die traditionelle Wiesenbewässerung diente nicht nur der Wasserversorgung der Wiesenpflanzen und der Düngung, sondern führte auch zur Bodenverbesserung und versorgte die Böden und Pflanzen mit Spurenelementen. Der Boden erwärmte sich im Frühjahr wesentlich früher und verlängerte damit die Wachstumsperiode. Gleichzeitig wurden mit der Bewässerung Engerlinge, Wühlmäuse und andere nicht so gern gesehene Wiesenbewohner vertrieben. Damit konnten bereits sehr früh im Jahr gute Ernteerträge als Viehfutter sicher gestellt werden. Sophie Stelzer ist überzeugt: „Das Wissen über alte Traditionen gewinnt in Zeiten der Klimakrise wieder an Bedeutung.“
Wässerwiesen sind Ökosysteme, die durch Menschenhand entstanden sind. Über Jahrhunderte hindurch sind zahlreiche Pflanzenarten eingewandert. Unter anderem auch die besonders wertvollen und seltenen Orchideenarten. Das Projekt der önj Haslach wird durch den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie gefördert und ausgezeichnet.


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