Wo Arcus-Mitarbeiter zu Gemüseverkäufern werden
SARLEINSBACH. Immer donnerstags übernehmen acht Mitarbeiter der Ameisberg-Werkstatt eine besondere Aufgabe: Sie verkaufen Gemüse am Sarleinsbacher Marktplatz und fungieren damit als wertvolle Nahversorger. Ganz nebenbei wird dabei Inklusion gelebt.

„Marillen gehen heute sehr gut, aber die Kirschen konnten nicht geliefert werden“, berichtet Hannes, der hier den Überblick hat und die gewünschten Mengen abpackt. Daneben werden Wassermelonen und Äpfel ebenso angeboten wie Salate, Zucchini, Frühkraut, Zwiebel oder anderes Gemüse der Saison. Schon frühmorgens beginnt die Arbeit am Gemüsedonnerstag. Dann werden Tische und Sonnenschirme aufgebaut und alles hergerichtet, damit um 8 Uhr alles fertig ist, wenn die Ware vom Gemüsehändler Haiß in Hartkirchen von einem Arcus-Mitarbeiter angeliefert wird. Und um halb 9 Uhr kann der Verkauf auch schon beginnen.
„Es macht voll Spaß“
„Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich und macht voll Spaß“, meint Lisi, die anfangs dem Gemüseverkauf etwas skeptisch gegenüberstand. Nachdem sie sich die Arbeit aber mal angeschaut hat, ist sie dabeigeblieben. Jetzt bedient sie die Waage, die auch mal nicht ganz so wie gewünscht mitspielt und bei der „man sich sehr konzentrieren muss“, weiß Lisi. „Wir sind ein sehr gut eingespieltes Team und unterstützen uns gegenseitig. Man muss die Arbeit mit Freude machen, sonst funktioniert es nicht“, ist die Interessenvertreterin der Mitarbeitenden in der Ameisberg-Werkstatt überzeugt.
„Die Leute haben Verständnis, wenn’s mal ein bisschen länger dauert“, meint Melanie, die dafür recht dankbar ist. „Vorher hab ich es nicht mögen, unter die Leute zu kommen, und ich hatte Panikattacken. Ich habe ein paar Anläufe gebraucht, aber jetzt schaffe ich es bis zum Schluss und es taugt mir voll. Ich bin viel selbstbewusster geworden“, erzählt sie.
Generell profitierten die Mitarbeitenden von dieser integrativen Beschäftigung, bestätigt Projektleiterin und Betreuerin Brigitte Gattringer. „Sie üben die Arbeit an der Kasse oder der Waage und da verbessert sich etwa die Feinmotorik.“ Wie etwa bei Stefan, der an der Kasse sitzt. „Der Umgang mit Geld ist gut fürs Hirn“, meint er und erzählt, dass er nach einem Unfall lang nicht reden konnte. „Jetzt freut mich das umso mehr“, meint er grinsend.
Gelebte Inklusion
„Hier wird Inklusion gelebt“, ergänzt Ameisberg-Werkstatt-Leiter Markus Gumpenberger. „Die Sarleinsbacher sind froh, dass es wieder einen Gemüsestand gibt, und kommen ins Gespräch mit unseren Klienten.“ Zu Mittag geht es mit dem Gemüsewagen wieder zurück nach Hartkirchen – dieser ist dann so gut wie leer, denn es ist fast immer alles ausverkauft. Außerdem werden mit derselben Lieferung das Zeller Kaufhaus und das Stefansplatzerl beliefert.
Brigitte Gattringer ist dankbar für die gute Zusammenarbeit mit Anton und Maria Haiß: „Diese Wertschätzung und das Vertrauen in uns sind sehr schön.“ Das Gemüsestand-Team war auch schon in Hartkirchen zu Gast und hat sich den Hofladen und die Felder angeschaut, um zu wissen, wo die feine Ware herkommt.


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