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ROHRBACH-BERG. Für das Projekt „Sichten“ anlässlich des Weltfrauentags waren Frauen eingeladen, ihre persönlichen Erlebnisse zu sichten, nach Schlüsselerlebnissen zu suchen und diese zu Papier zu bringen. Die Texte werden bei einer Aufführung im Centro anonymisiert präsentiert. Ergänzt werden diese durch Tanz und Fotokunst.

Frauen haben sich mit ihrer kulturellen Vielschichtigkeit und Identität auseinandergesetzt. (Foto: Isabella Hewlett)

Drei Künstlerinnen arbeiten bei dieser Initiative der Plattform IN:RO – inklusives Rohrbach eng zusammen: Schauspielerin Christina Scherrer hat die gesammelten Texte dramaturgisch aufbereitet und wird diese am 11. März auf der Bühne vortragen; Fotokünstlerin Isabella Hewlett ergänzt die Aussagen der Frauen durch ihre Bilder; und Choreographin Michelle du Plessis bringt Körperarbeit und Tanz ins Projekt mit ein. Schon im Vorfeld der Veranstaltung fanden zwei Ausdruckstanz-Workshops mit ihr statt, die Isabella Hewlett fotografisch begleitet hat. Dieser Entstehungsprozess war genauso wichtig wie die nun folgende Aufführung. Musikalisch begleitet wird der Abend von Pianistin Martina Haselgruber, die ausschließlich Werke von Komponistinnen vortragen wird.

Selbsterfahrung und Selbstwahrnehmung

Bei der Initiative ging es darum, Frauen jeden Alters, Herkunft, Nationalität, Sprache zu ermutigen, sich mit der eigenen Identität auseinanderzusetzen. Das Projekt dient der Selbsterfahrung, der Selbstwahrnehmung und will relevante Prozesse im Leben von Frauen auf künstlerische Weise sichtbar machen. Viele bleiben anonym, andere treten ins Rampenlicht.

Buch soll folgen

Die Aufführung am 11. März im Centro Rohrbach anlässlich des Internationalen Frauentags (8. März) soll aber nicht der Schluss des gemeinsamen, mehrmonatigen Prozesses sein: Geplant ist, die gesammelten Geschichten mit den entstandenen Fotografien in Buchform zu veröffentlichen. Dazu können noch weitere Texte eingeschickt werden.

Außerdem will IN:RO die Bühnenpräsentation als Paket für interessierte Vereine und Körperschaften für zukünftige Aufführungen zur Verfügung stellen. Denn das Projekt soll nachklingen, Spuren hinterlassen und neue Sichten eröffnen.

Text von einer Teilnehmerin des Projektes Sichten

Ich löse mich in Luft auf

Dieses Mal öffne ich die Schlafzimmertür, durch die meine Mutter soeben an den Haaren gezogen und geschubst wurde. Auf der linken Seite befindet sich das Doppelbett, auf dem mein Vater halb über meine Mutter gebeugt hockt, deren Gesicht hinter viel zu vielen wild durcheinander wirbelnden Armen nur schwer auszumachen ist. Rot und aufgeplatzt am Wangenknochen.

Ich streife am unteren Bettende entlang, bis ich das Fenster gegenüber der Tür erreiche und setze mich auf den Boden zwischen Gardinen und Bett. „Das Kind, hör auf!“ „Du Hure, ich bringe dich um!“ „Geh raus, verschwinde – was machst du hier?“ „Elendige Schlampe“ Schreie, Faustschläge, das Krachen eines Kopfes gegen die Wand, wild durcheinandergewirbelte dottergelb geblümte Bettwäsche.

Ich löse mich in Luft auf.

Samstag, 11. März, 19 Uhr
Centro Rohrbach
Eintritt: freiwillige Spenden
Weitere Texte können Frauen schicken an: Treffpunkt mensch&arbeit/Stöckl, Harrauer Straße 1, 4150 Rohrbach
oder per Mail an inro.at@gmail.com

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